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Trotz Rente weiterarbeiten : Mehr Ältere gehen arbeiten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Zahl der Beschäftigten zwischen 65 und 74 Jahren nimmt um sieben bis 28 Prozent zu. Stormarn zählt zu den Spitzenreitern bei der Rentnerarbeit.

Immer mehr Menschen arbeiten auch im Rentenalter weiter. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 65 stieg innerhalb eines Jahres bundesweit um 17,5 Prozent auf 224  400 (Juni 2015). In Schleswig-Holstein war das Plus mit 15,5 Prozent etwas geringer, in den einzelnen Kreisen lag der Zuwachs zwischen sieben (Steinburg) und 28,1 Prozent in Dithmarschen.

In der Statistik wurden nicht die Wohn-, sondern die Arbeitsorte erfasst. Insofern spiegelt sich in den Zahlen die wirtschaftliche Situation der Region wider. Stormarn weist mit 7,3 Prozent die zweitgeringste Zunahme auf, allerdings gehen in den Kreisen der Metropolregion wesentlich mehr Ältere einer Beschäftigung nach als andernorts. In Stormarn sind es 749, im Kreis Plön nur 299, im Herzogtum Lauenburg 402 und in Ostholstein 531. Mehr als in Stormarn sind es nur in den Kreisen Segeberg (830) und Pinneberg sowie in Kiel (958). Die Zahlen stammen aus der Beschäftigungsstatistik der Arbeitsagentur. Aus den monatlichen Arbeitslosenzahlen lässt sich das nicht ableiten, da Rentner dort gar nicht mehr auftauchen. Insofern lässt sich aus den Daten auch nicht herauslesen, aus welchen Gründen sich Ältere eine Beschäftigung suchen. Hinzu kommt ein „demografischer Faktor“: Die Zahlen steigen schon deshalb, weil das Rentenalter mittlerweile nicht mehr 65 Jahre beträgt, sondern 2015 vier Monate dazu kamen.

Und Mini-Jobber im Rentenalter gibt es in Stormarn fast vier Mal so viele wie sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. 2793 der über 65-Jährigen waren im Juni geringfügig beschäftigt. Die meisten arbeiteten im Bereich Handel und Kfz sowie Dienstleistungen. An dritter Stelle kommen bereits der Bereich Kunst, Unterhaltung und private Haushalte, der bei den besser Bezahlten kaum eine Rolle spielt.

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln waren die meisten derer, die mit über 65 Jahren sozialversichtungspflichtig arbeiten, vorher in gut dotierten Jobs tätig. Von den Älteren, die über ein Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4500 Euro verfügen, war 2012 nahezu jeder Vierte (24,3 Prozent) erwerbstätig. In Haushalten mit einem Einkommen von unter 1100 Euro war es nicht mal jeder Zwanzigste (4,9 Prozent).

Vollzeit arbeiten im Rentenalter aber fast nur Selbstständige. Knapp zwei Drittel der 65  plus Erwerbstätigen hat weniger als 20 Wochenstunden. Und die größte Gruppe bei den 65- bis 74-Jährigen sind Akademiker: 14,5 Prozent arbeiten weiter, vor allem jene, die Fach- oder Führungspositionen inne hatten.

Nach einer Umfrage des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) unter 5000 Personen im Alter zwischen 55 und 70 Jahren sind finanzielle Gründe allerdings schon ein wesentliches Motiv für die Entscheidung, länger zu arbeiten. Als mindestens gleich wichtig wurden die Freude an der Arbeit, die Pflege sozialer Kontakte sowie der Ansporn genannt, geistig fit zu bleiben.

Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linken, Sabine Zimmermann, ist jedenfalls davon überzeugt, dass „der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen“ nicht zum Spaß, sondern „aus finanzieller Not“ arbeiten gehe.

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