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Stormarner Wochenschau : Manchmal geht es auch nie los

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das war eine bombige Woche, feuerig und löchrig – unser launiger Rückblick.

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erstellt am 23.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Blindgänger

Die Deppen sterben offenbar nicht aus. In dieser Woche gab es in Oldesloe eigentlich nur ein Thema: Wieder wurde ein Blindgänger gefunden. Seit Dienstag war klar: Es muss wieder weiträumig um den Fundort evakuiert werden. Donnerstag war es dann so weit. Das mediale Interesse war groß, Polizisten sind von Tür zu Tür gegangen, es gab Lautsprecherdurchsagen und überall stehen Absperrbaken – da hätte eigentlich jeder informiert sein müssen. Und trotzdem tauchen plötzlich, während der gefährlichen Entschärfung, drei Männer am Bombenfundort auf. Einfach so. Die hatten wohl nichts anderes zu tun. Also musste ein Streifenwagen ins Gefahrengebiet donnern, die drei einsacken und schleunigst in die Notunterkunft verfrachten. Nicht auszumalen, wenn dem Entschärfer vor lauter Schreck die Hand gezuckt hätte …

Ebenso müsste inzwischen jeder wissen, dass in Oldesloes Untergrund noch einige Blindgänger schlummern. Vor einer Freigabe durch den Kampfmittelräumdienst mit Bauarbeiten anzufangen, grenzt schon an Leichtsinn, an gefährlichen Leichtsinn, der im Zweifel Leben und Eigentum vieler anderer Menschen gefährdet. Bloß weil es bislang noch nicht geknallt hat, muss das ja nicht bedeuten, dass nicht zukünftig mal was schief gehen kann.

Botschafter

Kann man die Botschaft von dem trennen, der sie überbringt. In der Politik sicher nicht. Zurzeit ist die CDU viel unterwegs und kritisiert, dass die Regierung viel zu wenig macht, um die Infrastruktur im Land zu erhalten. Von „in gutem Zustand halten“ kann man angesichts schlaglochübersäter, schlecht ausgebesserter oder temporeduzierter Straßen ja schon nicht mehr sprechen. Das war vor 25 Jahren anders, manchmal aber auch nicht. Auch damals hatte die CDU die schlechten Straßen zum Thema eines Pressegesprächs erhoben. Als von den Journalisten als Beispiele aber Bundesstraßen genannt wurden, winkte die CDU ab. Schließlich war Kohl Kanzler, und man wollte Landesstraßen kritisieren.

Nun könnte man sagen, das es heute ja genauso ist, aber eine Landesstraße, die die CDU als Beispiel nannte, war die L71 in Reinfeld. Seit Jahren würde sich die Karpfenstadt vergeblich um eine Sanierung der Ahrensböker Straße bemühen. Aus den Jahren sind Jahrzehnte geworden, es gab zwischendurch wieder eine CDU-Regierung, und es ist kaum zu glauben, dass die Ahrensböker Straße immer noch befahren werden kann, wenn auch nur mit 30 km/h. Was ja nur bedeuten kann: Egal zu welchen richtigen Erkenntnissen man in der Opposition kommt, wenn man auf die Regierungsseite wechselt, ist es vergessen. Und weil das Vergessen in der Politik alltäglich geworden ist, gehen die Politiker vermutlich davon aus, dass die Menschen genauso vergesslich sind wie sie. Möglich, aber noch mal 25 Jahre wird die Ahrensböker Straße nicht durchhalten. Und andere Brücken und Schleusen auch nicht, auch wenn die teilweise aus Kaisers Zeiten stammen.

Handlungszwang

Natürlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun – aber gefühlt schon. Da kümmern sich die Behörden hingebungsvoll um Hinweisschilder an Straßen, weil sie den Autofahrer von so Wichtigem wie dem Verkehr ablenken könnten. Wenn an ein und derselben Stelle mehrere Menschen den Zusammenstoß mit einem Baum nicht überleben, wird aber nichts getan. Stimmt natürlich auch nicht, weil die Unfallursachen ausgewertet, der Straßenbelag überprüft und Hinweisschilder aufgestellt wurden. Trotzdem beschleicht einen das Gefühl, dass hier zu viel und dort zu wenig gemacht wurde.

Erfolgsdruck

Die Jagd nach dem Feuerteufel oder den Brandlegern in Stormarn gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Verwertbare Spuren sind Mangelware. Sie gehen in Rauch auf oder werden durch Löschwasser oder Schaumteppich weggespült. Observation ist angesichts der verschiedenen Brandherde auch kein probates Mittel. Gleichwohl murrt die besorgte Gesellschaft, erwartet Erfolge. Brand-Profiler und Kripo-Experten stehen mit dem Rücken zur Wand, können aber auch nicht mehr tun, als unter Hochdruck zu ermitteln. In TV-Serien wie „CSI New York“ oder „Chicago Fire“ ist der Täter nach 50 Minuten überführt. Fiktion ist prima, aber nicht die Realität. Die gestaltet sich viel schwieriger, wie die Feuerserie beweist. Vielleicht hilft ja doch die eine Spur, der eine Hinweis oder Kommissar Zufall, um dem bösen Spuk ein Ende zu machen. Es wäre allen zu wünschen.
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