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Stormarner Wochenschau : Manches ist teuer, aber nicht gut

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die einen haben Geld und geben es nicht aus, andere haben Geld ausgegeben und sind trotzdem nicht zufrieden und dann gibt es noch welche, die Geld kosten.

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erstellt am 16.Jan.2016 | 19:30 Uhr

Zu viel Geld

Wenn man ehrlich ist, gab es da nicht viel Entscheidungsspielraum. Die städtische Förderrichtlinie schreibt vor, dass keine Rücklagen gebildet werden dürfen, der VfL hat ordentlich Rücklagen. Also kann von Bedürftigkeit keine Rede sein. Punkt. So ist die „Gesetzeslage“ nun mal.

Das wirft allerdings eine Vielzahl von Fragen auf. Stellen wir uns beispielsweise mal vor, ein Verein stellt einen Zuschussantrag. Dann kommt zwangsläufig die Frage nach dem Eigenanteil. Ja, wo soll der denn herkommen, wenn man nix auf der hohen Kante haben darf? Warum soll derjenige, der vernünftig wirtschaftet und für schlechte Zeiten vorsorgt, bestraft werden?

Auf der anderen Seite kann man aber auch verstehen, dass die Stadt einem Verein, der nicht weiß, wohin mit der ganzen Kohle, noch zusätzlich Geld zukommen lassen will, wenn es andere gibt, die finanziell auf keinen grünen Zweig kommen. Wie will man denn verhindern, dass sich Vereine zukünftig künstlich arm rechnen, indem sie Geld beispielsweise in einen externen Förderverein transferieren?

Im konkreten Fall kommt natürlich einiges mehr zusammen. Das Verhältnis zwischen Stadt, Politik wie auch Verwaltung, und VfL ist zerrüttet. Obendrein ist der Verein in flagranti erwischt worden. Einen Zuschuss für gestiegene Energiekosten beantragen, die bei genauer Betrachtung gar nicht gestiegen sind. Kein feiner Zug. Und dann erinnern sich natürlich alle noch gut an die Auseinandersetzung um die Nutzung des Kurparkstadions. Was hat der VfL da für ein Theater aufgeführt. Schlammschlacht mit dem SV Türkspor, Drohung, die 120 Fußballer notfalls abzumelden – wegen 160 Euro im Monat. Das Defizit von Türkspor musste am Ende die Stadt übernehmen. Und dann kommt raus, der VfL hat einen sechsstelligen Betrag auf dem Sparbuch. Klar kommt da keine Freude auf.

Genau so klar ist, dass wohl keine Fraktion den Sport in der Stadt nicht fördern will. Aber zu eindeutigen und vor allem gleichen Konditionen. Da sind die einheitlichen Pachtverträge für die städtischen Sportanlagen ein ganz wichtiger Baustein. An dem Punkt ist die Verwaltung seit Jahren nicht wirklich zu Potte gekommen. Aber auch der VfL hat oft genug auf die Bremse getreten.

Zu teuer

Warum sagt denn da keiner was zu? Manchmal kann man sich nur wundern. Zum Beispiel, als Fachbereichsleiter Thomas Sobczak im Oldesloer Sozialausschuss mitteilte, dass eine Vereinbarung mit dem Kreis erzielt werden konnte, dass unbegleitete, minderjährige Jugendliche, sobald sie volljährig sind, wieder zurück müssen in ein zentrales Aufnahmelager des Landes – wahrscheinlich Neumünster.

Bad Oldesloe ist überproportional stark betroffen, denn 110 der 128 Kinder leben hier. Logisch, denn das Kinderheim St. Josef ist vom Kreis beauftragt. Sind die Jugendlichen 18, will der Kreis sie los werden. Aber die Stadt will sie auch nicht haben. Stumpfes, zustimmendes Nicken der Ausschussmitglieder nach dem Motto: Schön, dass das geregelt wurde.

Geht’s noch?! Da sind Jugendliche, die wahrscheinlich eine schlimme Geschichte hinter sich haben, die hier Fuß gefasst haben, die hier unterrichtet werden, hier Freunde haben, im hiesigen Sportverein aktiv sind, die mittlerweile hier zu Hause sind – mit anderen Worten: Da läuft Integration. Aber da sie eigentlich keiner haben will, werden sie mit 18 rausgerissen und in die Zuständigkeit anderer abgeschoben. Wie soll so Integration jemals funktionieren?

Natürlich kann Bad Oldesloe diese (finanzielle) Last nicht einfach so zusätzlich aufgebürdet werden, bloß weil es hier das Kinderheim gibt. Eine an den Betroffenen orientierte Vereinbarung wäre stattdessen gewesen, dass die jungen Menschen hier bleiben, und auf das Oldesloer Kontingent angerechnet werden.

High-Tech-Glaube

Frauen und Technik, wie man früher so sagte, darf man heute ja nicht mehr sagen. Stimmt ja auch nicht unbedingt. Manche Männer haben’s auch nicht leicht. Das muss nicht, kann aber der Pastor sein. Zum Beispiel in Hamberge. Dort wurde die kleine Backsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert mit High-Tech ausgestattet, ein computergesteuertes Heizungs- und Lüftungssystem, das seine Daten von Innen- und Außensensoren bekommt. Der moderne Küster-Ersatz will aber nicht hören. Er öffnet und schließt die Fenster nicht nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sondern wie es ihm passt. Sozusagen nach Geisterhand. So ein bisschen Gespöke kann in einer Kirche ja sogar ganz schön sein. Man weiß aber nicht, was im Hirn dieses Rechners vor sich geht, denn der Hamberger „Hal 9000“ bekommt nicht mal den Glockenschlag um 12 Uhr mittags pünktlich hin. Vielleicht ist es nur eine Programmier-Fehlerkette, vielleicht sind Rechner und Kirche aber auch einfach nicht kompatibel. Selbst wenn Computer eines Tages denken lernen, glauben werden sie nie können.
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