Manches geht schnell, anderes dauert

 Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

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10. Juni 2018, 08:00 Uhr

Gas gegeben

Das ist ja noch mal gut gegangen – keine Vollsperrung der Autobahn und nur vier Tage Reparatur. Damit hatten auch Optimisten nicht gerechnet, nachdem vor einer Woche von der A1 bei Sylsbek nur noch eine nutzbare Spur übrig blieb. Vier Tage vorher hatte die Autobahnmeisterei die mittlere und die linke Spur gesperrt, weil sich die Betonplatten durch die Hitze ausgedehnt und verkantet hatten, was die Platten zerstört. Die sind 20 Jahre alt. Eigentlich sollten sie 30 Jahre halten, aber vielleicht haben die Ingenieure dabei weder Frost noch Hitze mitberechnet. Die rechte und die Standspur waren vor 14 Jahren erneuert worden. Die Standspur machte die höhere Belastung allerdings nur vier Tage mit, dann zerbröselte auch dort der Beton. Und eine Fahrspur auf einer Autobahn mit 70 000 Kfz am Tag reicht definitiv nicht aus! Für die Reparatur war sogar eine Vollsperrung im Gespräch. Oder das Verschwenken auf die Richtungsfahrbahn Nord. Das hätte gedauert und wäre teuer geworden. Nun ging alles viel schneller. Und dass nicht betoniert, sondern nur asphaltiert wurde, hat auch sein Gutes. Im Zeitplan sollte die Grundsanierung der A1 in diesem Bereich nach vorne rücken. Wo eine Platte bröselt, lässt die nächste wahrscheinlich nicht lange auf sich warten. Da kann man ja schon mal vorplanen. Zum Beispiel mit einem mobilen Eisstand für im Stau schwitzende Autofahrer.

Klargestellt

War klar: Dass das Straßenbauamt die Nordtrasse 2.2 für Hammoor vorschlagen würde und die Gegner einer nördlichen Umfahrung gerichtlich dagegen vorgehen wollen. Die Karre war ja schon so festgefahren, dass die Gemeinde den Weg über die Planfeststellung gewählt hatte. Das dauert zwar, aber das Ergebnis ist dann auch rechtssicher. Das heißt im Falle Hammoor vermutlich, dass die Ortsumgehung bis vors Bundesverwaltungsgericht durchgeklagt wird. Aber soweit ist es noch lange nicht. Erstmal wird es einen Entwurf geben, dann das Beteiligungsverfahren und schließlich einen Beschluss. Das könnte schon ein paar Jahre dauern. Vorher hat Hammoor noch ein paar andere Konfliktthemen aus dem Weg zu räumen.

Un-Orden-lich

Wer hat die über militärische Abzeichen, Waffen und Degen vergraben, die sowie Waffen 2013 bei Bauarbeiten hinter der Reinfelder Rathaus gefunden wurden? Dem Museologen vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden zufolge war es die das Nachtjagdgeschwader „Welter“. Dem widerspricht der Lübecker Historiker, Journalist und Autor Alexander Steenbeck, der sich intensiv mit der „Einheit Welter“ befasst hat. Er hält es eher für möglich, dass es die Engländer waren. Das wiederum ist für den Reinfelder Bernd Prange unwahrscheinlich. Schließlich sei fast alles, was Wert hatte, verbuddelt worden, als im Mai 45 die Engländer anrückten. Wie dem auch sei, einen materiellen Wert haben die Fundstücke nicht. Und angesichts der vielen Orden, Abzeichen, Devotionalen und sonstigen Dingen, die vor 73 Jahren versteckt, vergraben oder verbrannt wurden, ist der Reinfelder Fund allenfalls aufgrund der Masse interessant. Wenn ihn etwas wertvoll macht, dann ist es die Herangehensweise. Hinter den Abzeichen stehen Schicksale und Geschichten von Menschen, die es wert sind, erzählt zu werden. Das Blech ist nur ein Katalysator.

Fingerfood

Es ist Stadtfest, und das heißt auch Plastikgeschirr. Die EU will das verbieten, und der EU-Kommissar Günther Oetttinger hat erklärt, wie Plastikverzicht funktioniert: Er habe in seiner Jugend sein Würstchen immer auf dem Papierteller gegessen. Erstens wird es ein (beschichteter) Pappteller gewesen sein, und für Pommes oder Kartoffelsalat dürfte es Besteck gegeben haben. Ich empfehle den EU-Experten eine Reise in die USA. Da lässt es sich nicht verhindern, in einer Woche so viel Plastikgeschirr zu benutzen wie in 30 Jahren in Deutschland nicht.
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