Wochenschau : Manche Zeiten ändern sich wohl nie

Wiedenroth
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13. April 2013, 09:13 Uhr

Steinzeit - Es soll also mal wieder eine Initiative gestartet werden, die Oldesloer Innenstadt vor der Schließung zu bewahren. Beim Auftaktabend zur bevorstehenden Workshop-Reihe hatte Torsten Schmüser, Vorsitzender von Haus- und Grund, seinen großen Auftritt und geißelte die Stadt als unsinnigen Kostentreiber: Sondernutzungsgebühr, Gewerbesteuer, Parkgebühren und was sonst noch alles. Ach ja, und die Fußgängerzone sei viel zu lang und der Marktplatz müsse unbedingt wieder als Parkplatz genutzt werden. "Wir leben ja nicht mehr in der Steinzeit", war sein Argument. "Das Internet ist der große Feind der Innenstadt", hat Schmüser ausgemacht. Die Forderung, dieses Kabel wieder zu kappen stand unausgesprochen im Raum - so viel zum Thema Steinzeit. GOK-Vorsitzende Susanne Relling-Peters prangerte die mangelnde Sauberkeit an. Nicht nur der Boden sei dreckig, auch die Fassaden und leerstehende Geschäfte. Und einen Lösungsvorschlag hatte sie auch gleich parat: "Es wäre schon viel geholfen, wenn jeder vor seiner eigenen Tür fegen würde." Bravo! Nicht jammern, sondern einfach selber machen! Überhaupt muss man sich doch fragen, warum ist es Aufgabe der Allgemeinheit dafür zu sorgen, dass Vermieter und Kaufleute ihr Auskommen haben in einer Innenstadt, die eben diese Allgemeinheit offensichtlich nicht haben will, oder zumindest nicht zu schätzen weiß? Denn wie hat Torsten Schmüser ganz richtig erkannt: "Fahren Sie mal einen Sonnabendmorgen zum

Citti-Park, was meinen Sie, was da los ist: Ganz Oldesloe kauft da ein und schleppt die Einkaufstüten raus." Der Umschwung kann nur gelingen, wenn das Gejammer aufhört und wenn die, die es betrifft (das ist auch die Stadt, aber nicht in erster Linie), die Ärmel aufkrempeln und aktiv werden.

Vorzeit Na, wenn der Wortbeitrag mal nicht nach hinten los geht. Da stellt sich der Obergrüne Dinosaurier Wilfried Janson doch tatsächlich hin und fordert, die ewige Schlechtmacherei von Oldesloe müsse endlich aufhören. "Kein Bad, Old and Slow mehr." Da werden sich einige verwundert den Schmalz aus den Ohren gekratzt und gedacht haben, sie hätten Hallus. Wer bitte schön hat denn "Bad, Old and Slow" erfunden und bis zum Exzess immer und immer wieder strapaziert? Das waren die Grünen. Sollte sich da wahre Erkenntnis breit gemacht haben oder ist das nur populistisches Wahlkampf-Getue? Die Zukunft wird es zeigen.

Mittelalter Ohaua, was hat den Oldesloer Kirchenvorstand denn da bloß geritten? Das Verbot von CD-Musik bei Beerdigungen ist ja eine Sache für sich, aber jetzt auch noch zu argumentieren, das sei ja nur zum Schutz der Trauernden geschehen, weil sie - eines schönes Tages im Auto fahrend - genau dieses Beerdigungslied hören könnten und dann erschreckt und abgelenkt seien. Bums, da hätten wir den Salat! In seelsorgerischer Weitsicht wolle man das verhindern. Dann müsste es allerdings ständig und überall krachen, weil CD-Musik andernorts bei Trauerfeiern ja gang und gäbe ist. Überhaupt bleibt nach der jüngsten Kirchenerklärung nur Verwunderung. Kürzlich noch wurde argumentiert, man wolle nicht zulassen, dass bei Trauerfeiern die Böhsen Onkelz gespielt würden. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede, stattdessen wird die Platte der vorbeugenden Seelsorge aufgelegt. Bleibt die Frage: Und was ist, wenn jemand einen Onkelz-Song live singen lässt? Aus dem Shitstorm, der im Internet über die Gemeinde hereinbricht, wird eines deutlich: Diese Kirche ist von den Menschen inzwischen meilenweit weg. Ob das aber im Kirchenvorstand bemerkt wird, darf gegenwärtig bezweifelt werden. Wie heißt es doch in der Pressemitteilung, die Pastor Diethelm Schark verbreiten ließ: "Wir nehmen natürlich zur Kenntnis, dass Menschen auch ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen haben und wissen, dass in Bad Oldesloe und der näheren Umgebung vielfältige Möglichkeiten dazu bestehen." Mit andern Worten: Wenn’s dir hier nicht passt, dann geh doch einfach woanders hin, lass uns in Ruh.

Immerhin hat die Oldesloer Kirche der Familie angeboten, Kosten für Musiker und Gesang zu übernehmen. Wenn sie sich damit mal nicht übernimmt. Die Gage für Nana Mouskouri dürfte nicht mal so eben aus dem Klingelbeutel zu bezahlen sein ...

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