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Stormarner Wochenschau : Manche Rechnung geht nicht auf

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zu teuer, zu weit weg und zu wenig - auf diesen Kurznenner lassen sich die Themen der Wochenschau bringen.

Schatulle

Erzieherinnen fordern zehn Prozent mehr Gehalt. Oldesloer Kita-Träger beantragen mehr Personal, um die Flut an Aufgaben überhaupt noch bewältigen zu können (ohne, dass die Kinder, um die es ja eigentlich geht, hinten runter fallen). Jede Forderung an sich ist gut begründet, nicht maßlos und nachvollziehbar. Aber es läppert sich eben ein Scheinchen zum nächsten. Und bezahlen müssen das in letzter Konsequenz die Kommunen und natürlich die Eltern.

Doch deren Portemonnaie ist langsam leer. In Bad Oldesloe hat sich deshalb eine Initiative „Eltern für Eltern“ gegründet, um darauf aufmerksam zu machen, dass Krippen- und Kitaplätze auf dem besten Wege sind, unbezahlbar zu werden. Nun ist Oldesloe nicht die ärmste Stadt, hier gibt es noch finanziellen Spielraum. Aber wie lange noch? Es muss nur ein Großbetrieb husten, schon brechen die Steuereinnahmen ein und freiwillige Leistungen würden gnadenlos gestrichen.

Wenn man es mit frühkindlicher Bildung in Kindergärten ernst meint, muss deren Finanzierung auf grundlegend neue Füße gestellt werden. Bildung ist Ländersache – also muss Kiel seine Schatulle aufmachen und die Prioritäten neu setzen. Um das zu erreichen, müssen die Landtagsabgeordneten der Region in die Pflicht genommen werden.

 

Privilegien

Wie schön, dass im Internet- und App-Zeitalter der Mensch der Software immer noch überlegen ist. Vermutlich werden Menschen diesen Satz umso häufiger unterschreiben, je älter sie sind. Uns sie haben damit recht: Die Senioren sind wegen des Apotheken-Notdiensts ziemlich auf der Zinne. Was jahrzehntelang von Menschen organisiert wurde, die sich meistens untereinander kannte, hat seit Jahresbeginn eine Computer-Software übernommen. Die ist gerechter, weil alte Privilegien wegfallen und jede Apotheke nur noch maximal einen Notdienst pro Woche und höchstens 45 im Jahr leisten muss.

Für den Notdienst-Plan greift die Software auf Geodaten zurück, weil maximale Entfernungen programmiert wurden: In Großstädten sind das zehn Kilometer, in Mittelstädten 16, in Kleinstädten 23 und auf dem Land bis zu 38 Kilometer. Und da wird das Problem offensichtlich, das nicht nur Senioren haben. Auch wenn 38 Kilometer in Stormarn nicht vorkommen, 23 könnten es schon mal werden.

Und es ist nicht die Entfernung allein. Zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld fahren Bus und Bahn. Aber wie kommt man aus der Kreisstadt nach Leezen? Oder von Trittau nach Aumühle? Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich eine Variante einfallen lassen, die einige Senioren noch aus ihrer Jugend kennen dürften. Ein Jungbrunnen ist die neue Notdienstregelung deshalb aber nicht.

 

Rechnung

Apropos Not: Dass es zwei Anzeigen gegen die Leitstelle gibt und Rettungswagen zu lange brauchen, ist auch eine Folge einer neuen Notdienstregelung. Statt vieler Hausärzte gibt es heute wenige Anlaufpraxen in Krankenhäusern, an die sich Patienten nachts und am Wochenende wenden können. Das sind natürlich weitere Wege, und die werden immer häufiger mit den Rettungswagen zurückgelegt. Das System der Anlaufpraxen sollte Geld sparen, weil die Kassen die ganzen Zusatzdienste und Hausbesuche nicht mehr zahlen wollten. Vielleicht sollte mal jemand ausrechnen, was die zusätzlich entstandenen Fahrten mit den Rettungswagen kosten die natürlich auch von den Kassen finanziert werden. Und wenn man das noch in Relation setzt zu dem Risiko, dass kein RTW für den Unfall zur Verfügung steht, weil gerade alle im Krankentransport unterwegs sind, könnte das eine Rechnung sein, die gar nicht mehr aufgeht.
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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 17.Apr.2015 | 15:29 Uhr

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