zur Navigation springen

Stormarner Wochenschau : Manch einer muss still leiden

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Manche haben Probleme einen Arbeitsplatz zu finden, andere mit Baumschutz oder ihrer Sexualität – ein umfassender, bunter Rückblick auf die Woche

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 01.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Woher

Die allmonatliche Arbeitslosenstatistik bringt es an den Tag: 45 Prozent aller Arbeitslosen haben keine abgeschlossene Ausbildung. Traurig aber wahr. „Über Qualifizierungen oder finanzielle Zuschüsse zu den Lohnkosten versuchen wir, den Betroffenen zu helfen“, beschreibt Arbeitsamts-Chefin Heike Grote-Seifert wie Abhilfe geschaffen werden soll, um dann gleich hinterherzuschieben, dass auch die Bereitschaft der Unternehmen wichtig sei, diesen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben. Die freie Wirtschaft als Ponyhof und Unternehmen als soziale Einrichtung? „Träum weiter“, möchte man da rufen. Warum sollen die letzten in der Kette, die Betriebe, für die Versäumnisse und Einsparungen im Bildungswesen die Zeche zahlen? Kostenloses letztes Kindergartenjahr? Gestrichen? Förderschulen? Werden abgeschafft. Oldesloer Produktionsschule? Aus Kostengründen vergangenes Jahr geschlossen. Ganz ehrlich, da kann sich doch niemand mehr über den hohen Anteil an Abbrechern wundern.

 

Wohin

Baumschutzsatzung die Zweite. Mit knapper Rot-Grüner Mehrheit haben sich die Oldesloer Stadtverordneten für die Wiedereinführung des amtlich verordneten Baumschutzes ausgesprochen. Sowas hatten wir schon mal vor ein paar Jahren. Aber jetzt soll ja alles besser werden. Kataster heißt das Zauberwort. Das ist dann fast sowas wie der interaktive Baum. Die Position lässt sich im Internet jederzeit überprüfen. Die Vision unseres Karikaturisten, die Bäume mit einer handvoll Sensoren auszustatten, ist der logische nächste Entwicklungsschritt.

Aber mal ganz ehrlich: Bringt uns das wirklich weiter? Angeblich soll sich die Katastervariante ja, geschätzte Kosten etwa 60 000 Euro, bei den Betroffenen höherer Akzeptanz erfreuen. Was zu beweisen wäre. Wer Bäume weg haben will, wird dafür Mittel und Wege finden, ob mit oder ohne Satzung. Die Stadt war da bislang das beste Beispiel für. Wo immer ein Baum im Weg ist, wird in der Regel auch ein Killerargument gefunden. Mal haben sie das Ende ihrer Standzeit erreicht, mal muss Fehlwuchs herhalten oder eine Krankheit und wenn gar nichts geht, dann kommen Sicherheitsargumente. Gelebter Baumschutz sieht anders aus.

 

Zugzwang

Das hatte man dem Ahrensburger Kirchengemeinderat nicht mehr zugetraut. Erst lässt der einen Zaun um die geschlossene Johanniskirche bauen, obwohl man genau wusste, welchen Ärger das geben würde. Und zehn Tage später bietet der KGR dem Förderverein ein Gespräche an, die Kirche wieder zu öffnen. Dass man das mit der Drohung verbindet, „Hausfriedensbrüche strafrechtlich zu verfolgen“, wenn es keine Einigung gibt, irritiert. Ebenso wie die Formulierung, dass das Gesprächsangebot „der letzte Versuch“ sei. Bislang hatte man sich solchen Gesprächen immer verweigert. Dass das Angebot „aufrichtig“ gemeint ist, darf man der KGR-Vorsitzenden Anja Botta glauben. Sie macht ja auch keinen Hehl daraus, dass der Förderverein die Finanzierung voll übernehmen müsse. Ob das gut 30 000 Euro im Jahr oder das Doppelte sein sollen, wird sich zeigen. Dem Förderverein sind beide Summen zu hoch. Durch das Angebot der Kirche, sind nun aber beide in Zugzwang: Der Förderverein muss beweisen, wie ernst er es meint. Und die Ahrensburger Kirche kann sich eigentlich keine eskalierende Auseinandersetzung leisten, die den Riss durch die Gemeinde noch vergrößert.

 

Glücksfall

Nun also doch: Ahrensburg beantragt den Denkmalschutz für sein Rathaus. Nach langer kontroverser Diskussion hat die Mehrheit der Stadtverordneten dafür gestimmt. Nur CDU und FDP waren dagegen. Der Witz an der Sache: Auf deren Wunsch hatte die Stadt einen Zweitgutachter beauftragt. Und ausgerechnet dessen Expertise überzeugte am Ende die Grünen und Teile der WAB, dem Denkmalschutz zuzustimmen. Dass der Bürgermeister die Denkmal Gegner austrickste, indem er den Auftrag einem bekennenden Anhänger des Nachkriegs-Baustils erteilte, ist wohl eine Unterstellung. Dass durch den Zeitdruck und den finanziellen Rahmen für das Gutachten nur ein Experte übrig blieb, war aber ein glücklicher Zufall für den Verwaltungschef. Und dann darf man dem Glück doch auch mal auf die Sprünge helfen.

 

Really queer

„Kreuz & Queer Stormarn ist die Jugendgruppe für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Jugendliche und junge Erwachsene und deren Freund_innen_e (u27) aus Stromern und wird von Jugendgruppenleiter_innen_n des Jugendnetzwerkes lambda::nord e.V. geleitet.“

Das ist nicht unbedingt Deutsch, aber der Originaltext des Kreisjugendrings Stormarns zur Gründungsversammlung, mit dem man die „Vielfalt der Lebensformen im Kreis“ unterstützen will. Angefangen hat man schon mal mit der Rechtschreibung. Hoffnungsfroh macht das Ergebnis nicht.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen