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Meister im Traktor Pulling : „Man muss schon verrückt sein“

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Delingsdorfer Jörg Zeranski ist Deutscher Meister in einer exotischen Sportart: Er ist Champion im Traktor Pulling und hat seinen Titel jetzt erfolgreich verteidigt

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Wenn der letzte Kunde seine Ford-Werkstatt in Delingsdorf verlassen hat, ist für Jörg Zeranski aus Delingsdorf noch lange nicht Schluss mit Schrauben.

Dann widmet er sich regelmäßig seinem Lieblingsgefährt. Das ist deutlich größer als die Pkw, die er täglich zur Reparatur bekommt. Denn der „Red Fuchs“ ist ein großer roter Traktor, der Zeranski nach dem Triumph im Vorjahr nun wieder zum Titel des Deutschen Meisters getragen hat. „Da stecken viele Stunden Arbeit drin“, berichtet Seranski und betrachtet seine Maschine mit Stolz.

Zwei Jahre in Folge Deutscher Meister – das hätte der Stormarner vor einigen Jahren gar nicht zu träumen gewagt. Genau genommen ist es noch gar nicht so lange her, dass er mit Traktor-Pulling nichts am Hut hatte. 2008 nahm ihn sein Bekannter Christian Felsch mit nach Wakendorf II zu einer Veranstaltung auf der Seranski zum ersten mal live den Sport der Traktor-Puller erlebte. „Ich habe sofort gemerkt, dass ich das auch machen möchte. Es hat mich von der ersten Minute an fasziniert“, sagt der gelernte KFZ-Mechaniker. Es dauerte noch ein wenig, dann kaufte er sich im Mai 2009 in Gleschendorf einen eher schon heruntergekommenen IHC-Traktor, Typ 1246 (siehe Extratext), und motzte diesen mit Originalteilen wieder auf.

Über 600 PS müsste sein „Red Fuchs“ mittlerweile haben. „Wir haben da nochmal nachgerüstet. Ich denke das kommt hin“, erklärt der Deutsch Meister.

Seitdem sein Traktor in Schuss ist startet er bei Pullingevents. Bei diesen geht es darum ein Gewicht mit dem Traktor so weit wie möglich auf einer festgelegten Bahn zu ziehen. Schon bei seinem ersten Start kam er auf den fünften Platz. Doch die größten Erfolge warteten erst noch auf ihn. 2010 wurde der Deutscher Vizemeister, 2012 und 2013 folgte nun die Meisterschaft und ihre Verteidigung.

„Man muss schon ein wenig verrückt sein, um diesen Sport zu betreiben“, sagt Seranski und lacht. „Als mir das Getriebe zwei Mal kaputt gegangen ist, mussten wir ein Mal 30 und ein Mal 60 Stunden Reparaturen durchführen“, berichtet er von langen Nächten in der Werkstatt. „Meine Freundin kommt aus der Szene. Ich habe sie bei einem Pulling-Event kennen gelernt. Damals war sie noch in einem anderen Team, nun natürlich in meinem“, erzählt er. „Wenn deine Frau und deine Familie nicht hinter der Sache stehen, kannst du es vergessen“, ist er sich sicher.

„Freitagnacht los und Sonntagnacht erst zurück. Wer das nicht mag, kann es nicht machen.“ Hinzu kämen hohe Kosten und geringe Gewinne. „Für einen Sieg gibt es 150 Euro. Wenn wir also Glück haben, holen wir die Fahrkosten wieder rein. Reich wirst du auch als Deutscher Meister nicht“, so Seranski. Allerdings werde man ein wenig berühmt. „Also die Fans der Szene erkennen einen dann schon und bei manchen Veranstaltungen sind 4500 Zuschauer“, berichtet er von seinen Erlebnissen auf Wettbewerben.

Seine Anhänger seien auch im Internet sehr aktiv und gut vernetzt. „Das merke ich dann an den Freundschaftsanfragen in den sozialen Netzwerken. Nach jedem Wettkampf sind das mehr geworden.“ Die Teams aus Norddeutschland unterstützen sich. „Wir fahren gemeinsam. Außerdem unterstützt mich die Baufirma Ellerbrok zum Glück beim Transport“, erklärt Seranski.

„Meine Unterstützer und mein Team machen das alles erst möglich. Es entscheiden Kleinigkeiten, Zentimeter – es ist für mich ein echter Teamsport“, erklärt der Delingsdorfer. Aktuell muss er viel an seinem Renntraktor umbauen. Denn ab 2014 gelten neue Sicherheitsvorschriften, wenn er antritt um zum dritten Mal Deutscher Meister zu werden.


 

 

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