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Stormarner Tageblatt

23. November 2017 | 16:10 Uhr

Bad Oldesloe : Man braucht ein dickes Fell

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vor 30 Jahren richtete die Stadt Bad Oldesloe die Stelle der hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten ein.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Nein, als „Emanze“ sei sie von offizieller Seite nie betitelt worden, sagt Marion Gurlit, für die die Emanzipation der Frauen ein großer Teil ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt darstellt. Seit 30 Jahren gibt es die Stelle der hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten, am 1. Oktober 1987 wurde sie in der Stadtverwaltung erstmals besetzt. Allerdings nicht von Marion Gurlit, sondern deren Vorgängerin Monika Fiebiger, die das Amt fast sechs Jahre lang inne hatte. Bad Oldesloe schuf damit die erste Stelle dieser Art im Kreis Stormarn und eine der ersten sieben Stellen im Land.

Marion Gurlit, die in Hamburg Politikwissenschaften studierte und anschließend fünf Jahre lang an der Universität der Bundeswehr fast ausschließlich unter Männern arbeitete, ging 1992 nach Glinde, um dort als erste hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte ihren Dienst anzutreten. Am 1. Februar 1994 wechselte sie nach Oldesloe und arbeitet seitdem als Gleichstellungsbeauftragte im Stadthaus. „Ich bin schon so lange hier, ich gehöre inzwischen zum Inventar“, lacht die 59-Jährige, die mit Mann und erwachsener Tochter im Kreis Plön lebt.

Inzwischen nervt sie zwar die viele Fahrerei, aber die Arbeit macht ihr immer noch sehr viel Spaß. „Viele Dinge haben sich in den letzten Jahrzehnten positiv für Frauen verändert. Trotzdem ist die Arbeit meist mühselig und zäh. Es geht oft drei Schritte vor und zwei Schritte zurück“, sagt Marion Gurlit, der besonders das Thema „Frauen in der Politik“ am Herzen liegt. Mit verschiedenen Aktionen versuchte sie in den vergangenen Jahren, Frauen für politische Ämter zu begeistern und gründete zusammen mit den anderen Stormarner Gleichstellungsbeauftragten das kommunalpolitische Frauennetzwerk „Kopf“. Doch nach wie vor findet man in den Parlamenten nur rund 30 Prozent weibliche Abgeordnete und auch in der Kreisstadt sind nur acht von 27 Stadtverordneten weiblich.

„Es wäre schön, wenn sich noch mehr Frauen in der Politik engagieren würden. Aber auch die berufliche Karriere kollidiert bei Frauen immer noch stark mit der Gründung einer Familie“, bemängelt Marion Gurlit. Großen Raum ihrer Arbeit nimmt daher die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, sei es über feste Grundschulzeiten oder das Angebot von Teilzeitausbildung bei der Stadt. Auch das Thema „Häusliche Gewalt“ zieht sich von Anfang an durch ihre Arbeit. Bereits 1988 wurde deshalb der Verein „Frauen helfen Frauen“ gegründet, später folgte zunächst die Einrichtung einer Frauennotwohnung, bevor schließlich das Frauenhaus in Ahrensburg eröffnet werden konnte. „Ich habe auch schon selbst Frauen abgeholt und ins Frauenhaus gefahren“, erzählt Gurlit, die sich nicht nur emanzipierte Frauen, sondern auch souveräne Männer wünscht, die die Arbeitswelt familienfreundlicher gestalten.

Trotz eines kleinen Etats von jährlich nur 7400 Euro gelingt es Marion Gurlit auch immer wieder, viele tolle Veranstaltungen im Rahmen der Frauenkulturtage auf die Beine zu stellen, von denen auch die vielen Poster in ihrem Büro zeugen. Und wie ist die vorläufige Bilanz als Gleichstellungsbeauftragte? „Man braucht ein dickes Fell!“

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