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Bad Oldesloe : Mal durchatmen – in Gemeinschaft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Mal im Monat treffen sich Angehörige von an Demenz und Alzheimer erkrankten Menschen im Mehrgenerationenhaus Oase

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Diese Zahlen sprechen für sich: 57  600 Menschen sind zurzeit in Schleswig-Holstein von Demenz betroffen, das sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Und diese beunruhigende Tendenz ist weiterhin steigend. „Demenz ist eine Krankheit, die dringend thematisiert werden muss, denn sie schränkt nicht nur das Leben der von dieser Krankheit Betroffenen ein, sondern auch das der Angehörigen“, weiß Silke Steinke. Die Diplom-Pädagogin bietet in Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus Oase seit vier Jahren eine Demenz-Angehörigengruppe an, die regen Zulauf hat.

Bis zu 13 Senioren treffen sich jeweils am ersten Mittwoch im Monat von 10.15 bis 11.45 Uhr in der Oase in der Ratzeburger Straße 20 zum Austauschen, Klönen und Kaffee trinken. Und alle sind froh, dass sie ihren Ehepartner oder die demente Mutter mal für knapp zwei Stunden gut betreut wissen, so dass sie etwas Abstand finden vom anstrengenden Alltag und gemeinsam mit „Leidensgenossen“ durchatmen können. Derweil werden die dementen Familienangehörigen im Haus am Kurpark in Kleingruppen von Mitarbeitern der Alzheimer Gesellschaft Stormarn betreut.

Als die Angehörigengruppe vor vier Jahren gegründet wurde, gab es noch kein vergleichbares Angebot in der Kreisstadt. „In Hamburg gibt es jede Menge solcher Gruppen, hier gab es keine einzige. Und man sagte mir, dass so etwas in Bad Oldesloe nicht gehen würde“, erinnert sich Silke Steinke. Bei einem ersten Informationsabend in der Oase stellte sich dann jedoch heraus, dass der Bedarf groß ist.

„Natürlich gibt es viele Menschen, die in einer Gruppe nichts über sich und ihre Probleme erzählen wollen“, sagt Silke Steinke. Doch wer Rat sucht und sich austauschen möchte über den schwierigen Alltag mit seinen dementen Angehörigen, ist in der netten Gruppe in der Oase genau richtig. Bei Kaffee und Tee kann jeder von seinen Sorgen und Nöten berichten.

„Diese Angehörigengruppe ist für mich ein Glücksfall. Als ich vor drei Jahren mit meinem kranken Mann nach Bad Oldesloe zog, kannte ich keinen Menschen. Die Gruppe hat mir schon sehr viel geholfen“, erzählt Edith Himberg (85), deren Mann inzwischen in einem Pflegeheim lebt. Auch Heinz Krohn hat einen schwierigen Alltag mit seiner an Demenz erkrankten Frau zu bewältigen. Seit fast zwei Jahren besucht er die Angehörigengruppe. „Hier bekommt man wieder ein bisschen Luft. Im Alltag ist man ja komplett mit der Betreuung und dem Haushalt beschäftigt“, so der 75-jährige Oldesloer. Jeder Tag verlaufe anders, sowohl im Positiven als auch im Erschreckenden. „Man hangelt sich so von Tag zu Tag“, berichtet Heinz Krohn, dessen Frau inzwischen drei mal pro Woche eine Tagesbetreuung besucht.

Auch für Dina Ketels-Grimm ist die Angehörigengruppe ein Segen. „Ich bekomme durch die Gruppe einen ganz anderen Blickwinkel und neue Sichtweisen auf meine demente Mutter“, sagt die 62-Jährige. „Es ist sehr beruhigend und tut gut zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist.“

Auch die 94-jährige Mutter von Veronika Krinke ist von Demenz betroffen, lebt aber noch alleine und bewältigt ihren Haushalt relativ gut. „Ich rufe sie täglich an und besuche sie regelmäßig, aber der Umgang mit ihr wird immer schwieriger, denn ihr Kurzzeitgedächtnis hat stark nachgelassen“, erzählt die Hamburgerin, die regelmäßig zur Angehörigengruppe kommt.

„Es ist sehr wichtig, den Angehörigen ein bisschen Stabilität zu geben“, betont Silke Steinke, die Andrea Kefrig-Blase vom Vorstand des Mehrgenerationenhauses Oase ein mit mehr als 290 Euro gefülltes Spendenschwein als Dankeschön überreichte.

>Kontakt: Interessenten für die Demenz-Angehörigengruppe melden sich unter Tel. (04531) 670848 .

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