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Protest abgesagt : „Mahnender Mühlstein“ soll nicht in Ahrensburg mahnen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die geplante Aktion gegen Kindesmissbrauch scheitert bei der Politik an der Inschrift des Steins.

Der ehemalige Sprecher der aufgelösten Initiative „Missbrauch in Ahrensburg“, Anselm Kohn, war sprachlos: Der städtische Hauptausschuss lehnte mit vier Nein-Stimmen bei fünf Enthaltungen eine in Ahrensburg geplante Aktion der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ab. Dessen bundesweite Aktion „Mahnender Mühlstein“, die im Zeitraum April/Mai auf der Grandfläche der Großen Straße stattfinden sollte, wird es nicht geben – trotz einer vorläufige Zusage des Bürgermeisters.

Im Frühjahr 2010 kamen die Ahrensburger Missbrauchsfälle nach und nach an die Öffentlichkeit. Anselm Kohn, Stiefsohn des ehemaligen Ahrensburger Pastors Dieter K., der sich in den 80er-Jahren an Jugendlichen, auch seinen Stiefsöhnen sexuell vergangen hatte, gründete die Initiative „Missbrauch in Ahrensburg“. Die Ahrensburger Fälle führten zu einem 500-seitigen Untersuchungsbericht der Nordkirche, die sich daraufhin einen Zehn-Punkte-Plan gab. Auch deshalb wollte die Aktion „Mahnender Mühlstein“ nach Ahrensburg kommen, um ein Zeichen zu setzen und Erwachsene an ihre Verantwortung zu erinnern.

Der Mühlstein ist echt, 1,4 Tonnen schwer und seit 2008 deutschlandweit unterwegs. „Problem“ ist der eingravierte Text, Vers 6 aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 18. Dort heißt unter anderem; „... wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“

„Das ist ein Aufruf zur Todesstrafe auf öffentlichem Grund“, äußerten einige Stadtverordnete ihre Bedenken gegen die Inschrift, und Thomas Bellizzi warnte: „Die Aktion wäre kurz vor den Landtagswahlen, da ist es nicht auszuschließen, dass einige Gruppen den Text für sich missbrauchen.“ Lediglich Detlev Levenhagen (CDU) sprach sich dafür aus: „Manchmal muss die Bevölkerung auch wachgerüttelt werden.“ Die einzige Möglichkeit, die Aktion in Ahrensburg noch zu retten, wäre ein privates Grundstück, auf dem der Mühlstein für den Zeitraum stehen könnte.

Vertagt, weil noch Beratungsbedarf im Sozial- sowie in Bildungs- und Kulturausschuss bestehe, wurden die Punkte Teilzeitstelle für eine neue Gleichstellungsbeauftragte und Stadtmarketing. Es gab lediglich einen Überblick der Beratungsgesellschaft Cima und einen Zeitplan für die Steuerungsgruppe: Sie soll im März, Juni und September tagen, im Oktober ist in der Stadtverordnetenversammlung die Schlusspräsentation mit Maßnahmenplan vorgesehen.

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