Siek : Mähen wie in alten Zeiten

Hobby-Landwirt Karl-Hermann Vahle freut sich auf den Moment, wo er auf dem restaurierten Mähbinder (siehe auch kleines Foto oben rechts Platz nehmen und auf alte Art den Weizen dreschen kann. Fotos: bim
Hobby-Landwirt Karl-Hermann Vahle freut sich auf den Moment, wo er auf dem restaurierten Mähbinder Platz nehmen und auf alte Art den Weizen dreschen kann.

Karl-Hermann Vahle restauriert seit zwei Jahren eine historische Landmaschine.

shz.de von
30. Mai 2018, 06:00 Uhr

Im vorigen Jahrhundert war die Erntezeit für die Bauern noch viel mühsamer als heute. Zum Einsatz kam unter anderem ein so genannter Mähbinder, der das Getreide zusammenraffte, es zu Garben bündelte und dann auf dem Feld ablegte. Heutzutage wird das Getreide so kurz gezüchtet, dass die Ähren gleich beim ersten Arbeitsgang mit einem Drescher geerntet werden. Früher war das Dreschen eine Aufgabe, die im Winter in der Scheune erledigt wurde.

Die Geburtsstunde des Mähbinders

Basierend auf der Erfindung des mechanischen Knoters im Jahre 1857 entwickelte 15 Jahre später –  1872 – Charles Withington in den USA den Mähbinder. Er übernimmt das Mähen des Getreides sowie das Bündeln und Binden der Getreidehalme zu Garben. Die gebundenen Garben legt der Mähbinder auf dem Feld ab.

Die ersten Maschinen banden nur das vorher in Haufen auf dem Feld abgelegte Getreide. Aufgrund der hohen Körnerverluste konnten sie sich nicht durchsetzen und wurden auch nur in den USA verkauft. Als Weiterentwicklung wurden die Garben dann direkt, nachdem sie mit einem Mähbalken abgemäht wurden, auf der Maschine gebunden.

 Zum späteren Ausdreschen der Körner wurden die Garben in einer Scheune gelagert und in einer arbeitsärmeren Zeit mit dem Dreschflegel ausgeklopft. Später wurde diese Handarbeit durch die Dreschmaschine wesentlich erleichtert.

Historisch folgt der Mähbinder dem manuellen Mähen mit Sichel, Sichte oder Sense und manuellem Binden. Er war vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 1960er Jahre in Deutschland verbreitet und wurde dann durch den komfortableren Mähdrescher verdrängt.

Quelle: Wikipedia

Karl-Hermann Vahle hat das Landleben auf dem Hof seiner Eltern kennengelernt, wo er heute noch wohnt. „Wenn mein Vater die Pferde angespannt hat, stand ich mit leuchtenden Augen dabei“, erzählt der Ingenieur für Flugzeugbau, der immer noch von den alten Gerätschaften fasziniert ist.

 Der Mähbinder ist ein imposantes Gerät, dass in der Scheune von Karl-Hermann Vahle auf seinen vielleicht letzten Einsatz vorbereitet wird.
Der Mähbinder ist ein imposantes Gerät, dass in der Scheune von Karl-Hermann Vahle auf seinen vielleicht letzten Einsatz vorbereitet wird.

So kam es, dass er vor 15 Jahren einen Mähbinder erstand, den er seit zwei Jahren aktiv restauriert. Die Teile liegen in seiner Scheune, müssen gereinigt, entrostet und gefettet werden. Im Spätsommer, etwa Ende Juli oder Anfang August, wenn die Weizenernte dran ist, will er auf einem Teilfeld seines verpachteten Ackerlandes einen Streifen wie in alten Zeiten mähen. Dann soll der historische Mähbinder noch einmal zum Zuge kommen, allerdings hinter einem passenden Traktor eines Nachbarn, nicht wie früher hinter einem Pferd. Das würde das Schleswiger Kaltblut „Valentino“, das Kutschpferd des Hobby-Landwirts, wohl auch nicht so toll finden.

Karl-Hermann Vahle reinigt und schraubt an den Einzelteilen seines Mähbinders.
Birgit Maurer
Karl-Hermann Vahle reinigt und schraubt an den Einzelteilen seines Mähbinders.
 

Karl-Hermann Vahle ging trotz der Faszination für die Landwirtschaft, beruflich einen anderen Weg. Nach einer Lehre als Elektromechaniker studierte er Flugzeugbau und war viele Jahre als Projektingenieur bei Airbus tätig. Später machte er sich mit einem eigenen Ingenieurbüro selbstständig. Der 63-Jährige engagiert sich zudem für den Verein Braaker Mühle, dessen Vorsitz er im April 2016 übernommen hat. Auch im Sieker Kreis ist er Mitglied. Auf dessen Homepage wird der genaue Termin der historischen Mähaktion bekannt gegeben, da er wegen des Wetters nicht genau bestimmt werden kann. Wer zuschauen möchte, schaut öfter mal nach unter www.sieker-kreis.de nach.







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