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Erfolgsmodell Stormarn : Macht Klaus Plöger weiter?

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

2016, wenn seine Amtszeit ausläuft, wird Klaus Plöger 18 Jahre Landrat gewesen sein, mehr als fast alle anderen. Ob er trotz seiner 66 Jahre weitermachen würde, will er im Juni erklären.

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erstellt am 28.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Klaus Plöger war 1998 nicht nur der erste SPD-Landrat in Stormarn seit Wilhelm Siegel (1946 – 1956), er ist auch der erste
direkt gewählte Landrat in Schleswig-Holstein und der einzige, der vom Volk wiedergewählt wurde. Die nächste Marke „knackt“ er im April nächsten Jahres: Wenn seine Amtszeit ausläuft, wird er 18 Jahre im Amt sein.

Abgesehen von Joachim von Bonin, der vor langer Zeit (1894 – 1918) Landrat war, hat das vor ihm nur Wennemar Haarmann geschafft (1957 bis 1975). Einholen wird Plöger ihn also, aber will er ihn auch überholen? Nach der Gesetzesänderung durch den Landtag, der die Altersgrenze für Ehrenbeamte wie Bürgermeister und Landräte aufgehoben hat, wäre das möglich

Eine halbe Legislaturperiode könne er sich – „wenn ich gefragt werde“ – noch gut vorstellen, hatte der Barsbütteler, häufiger mal verlauten lassen, der im September 66 geworden ist. Hat sich das im Ruhestandsalter geändert? Beim Treffen mit den Bürgermeistern Anfang März hat Klaus Plöger erstmals durchblicken lassen, dass er 2016 regulär ausscheiden könne.

Auf dem Treffen hatte es auch Kritik an der Kreisumlage gegeben – und Plöger missfiel es, sich „für einen zu guten Kreishaushalt rechtfertigen zu müssen.“ Die Bürgermeister sehen es anders, und der noch mal sieben Millionen Euro bessere Jahresabschluss gab ihnen im Nachhinein recht. Und mehr Sparbemühungen des Kreises mahnten die Kommunen auch noch an.

Das passt natürlich nicht ins Bild des erfolgreichen und sparsamen Kreises, das Plöger seit Jahren bei jeder Gelegenheit in die Welt posaunt. Im Kreistag funktioniert das Stormarner Modell, dass die wichtigen Entscheidungen im Konsens getroffen werden. In der großen „kommunalen Familie“ war das schon immer schwieriger, an den Erfolgen des Kreises wie Ansiedlungspolitik und Schuldenabbau kamen die Bürgermeister aber nicht vorbei.

Plögers erfolgreiche Masche des Fremd- und Selbstlobs wird mittlerweile aber auch schon mal als Selbstüberschätzung empfunden. Haben sich die Bürgermeister an das Erfolgsmodell Stormarn gewöhnt und kommen die „Misserfolge“ deshalb stärker ins Rampenlicht? Früher konnte kein Betrugsfall an Plögers Nimbus kratzen, nun sind die Kreis-Millionen ein Thema, die Verwendung des Geldes für Asylbewerber oder die Nutzung der Büros im aufgestockten Dachgeschoss.

Ganz zu schweigen von der Integrierten Rettungsleitstelle, die sich spätestens mit dem Anschluss Ostholsteins von einer Erfolgsgeschichte zum „härtestem Thema“ des Landrats geworden ist, auch wenn er selbst nichts dafür kann, wenn es zu Pannen kommt oder kein Personal gefunden wird.

Nur: Sind die Probleme so groß oder hat sich nur die Wahrnehmung geändert? Die Frage einer erneuten Kandidatur „ist nicht entschieden“, sagt Plöger, „man wird ja auch älter, und das ist schließlich kein 40-Stunden-Job.“ Er werde sich demnächst mit den Fraktionen zusammensetzen und im Juni Kreistag verkünden, ob er wieder antritt. Im September könne dann eine Ausschreibung beschlossen werden.

Was könnte Plöger motivieren, weiterzumachen? Neben der Überzeugung, dass es kaum jemanden geben dürfte, der sich so für Stormarn stark macht, ist da nicht viel. Natürlich könnte er Dinge wie die Leitstelle zu einem guten Ende bringen, eben das könnte auch schiefgehen. Und im April dürfte Plöger der Landrat sein, der die Schulden des Kreises von über 60 Millionen Euro auf nahezu Null gebracht hat. Da gibt es eigentlich nichts mehr zu gewinnen, sondern nur noch viel zu verlieren.

Und dann kommt noch hinzu, dass er den Job fast ehrenamtlich machen müsste. Die Altersgrenze ist zwar aufgehoben, aber das Landrats-Gehalt gibt es nicht zusätzlich zur Pension. „Ich würde dann für die Differenz arbeiten“, sagt Plöger. Das wäre ungefähr ein Viertel dessen, was er heute verdient.

 

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