Stormarner Wochenschau : Machen oder lieber bleiben lassen?

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Genau das ist diese Woche die Frage. Und die Antwort fällt natürlich je nach Sichtweise unterschiedlich aus.

Andreas Olbertz. von
24. Januar 2015, 08:00 Uhr

Ihr habt’s doch

Was für ein Dauerthema! Der Ausbau der K  32 zwischen Trittau und Grönwohld war vor Jahren zum zweiten Mal gescheitert: An der fehlenden Fischdurchgängigkeit der Obek. Mehrkosten von bis zu 900  000 Euro wollte die Kreispolitik 2008 nicht in die Hand nehmen. Gut sechs Jahre später muss man das doch tun, ohne dass die Fische was davon hätten. Das Land fördert Straßenausbau so gut wie gar nicht mehr und verweigerte die fest eingeplanten 890  000 Euro. Die K  32 ist nur eine von mehreren Kreisstraßen, die in den nächsten Jahren saniert werden sollten. Geld gibt es dafür bis 2019 in Stormarn nicht mehr, und was danach ist, weiß noch niemand. Ohne die Bundeszuschüsse, die über das Land weiterverteilt werden, kann kein Kreis den Unterhalt der Straßen leisten. Mehr als eine Mangelverwaltung werde nicht möglich sein, erwartet Kreisbauamtsleiter Klaus Kucinski. Dabei hätte das steuerkräftige Stormarn es vielleicht sogar allein hinbekommen, wenn das Land dem Kreis nicht neun Millionen Euro durch den Finanzausgleich wegnehmen würde – jedes Jahr. Den Ausfall eigentlich zugesagter Zuschüsse für Straßenbau könnte man beim Griff in die Kasse noch dazu rechnen, allein bei der K  32 sind es fast 900  000 Euro. Das ist keine Politik, mit der man Staat machen kann.

Lies doch

Die Politiker, die zu glauben meinen, dass Straßenbau die Menschen nicht glücklich macht und ihnen im Leben andere Themen viel wichtiger wären, sollte einen Blick nach Reinfeld werfen. Ein Großteil der Themen im erstmals beim Neujahrsempfang aufgestellten „Wunschomat“ waren Verkehrsfragen, vor allem der Ausbau der Ahrensböker Straße. Die Landesstraße ist innerorts seit Jahrzehnten in einem erbärmlichen Zustand. Die Reinfelder wissen vermutlich selbst nicht mehr, wie viele Minister sie damit behelligten und wie oft sie das Versprechen hörten, dass es im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr losgehen würde. Wenn man mit all dem sinnlosen Schriftverkehr wenigstens die Schlaglöcher stopfen könnte...

Geht doch

Das muss man neidlos anerkennen: Dieser Satz geht an den VfL. Ob sie auch das Spielfeld als Sieger verlassen, sei mal dahingestellt, aber zurzeit kann man nur festhalten, ist der VfL-Vorstand um Detlef Rädisch mit seiner Immer-Kräftig-Druff-Macho-Methode mal wieder durchgekommen. Wer am lautesten schreit, scheint also doch Recht zu bekommen. Anders kann man den „Kompromiss“ um die Betriebskosten im Kurparkstadion nicht sehen. Der VfL hat sich geweigert, die Betriebskosten zu zahlen, hat sie Summe erfolgreich runtergeknebelt. Wenn einer wie Bürgerworthalter Rainer Fehrmann sowas gutheißt, kann das nur bedeuten, Türkspor wollte den VfL über den Tisch ziehen, an dem Geschrei der VfLer muss also doch was dran gewesen sein. Dass dem nicht so ist, wissen natürlich nur die, die sich wirklich mit der Materie beschäftigt haben. Und es kommt noch schlimmer. Wegen der VfL-Weigerung wird Türkspor ziemlich sicher ein Loch in der Kasse haben. Um das zu stopfen, darf der kleine Verein einen Bettelbrief an die Stadt stellen, der dann wohlwollend berücksichtigt werde. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der VfL zahlt nicht und Türkspor muss dann einen Antrag stellen, damit die Allgemeinheit dem Verein die Schulden des VfL erstattet. Dabei lassen wir mal absolut unberücksichtigt, ob der Bürgerworthalter als gestandener CDUler in dem Punkt überhaupt Wohlwollen der Fraktionen zusichern kann. Der hat seine Stadtverordnetenkollegen in eine gehörige Zwickmühle navigiert, denn wenn die das Spiel wegen der Haltung des VfL nicht mitmachen wollen, würden sie zwangsläufig Türkspor treffen. Da bleibt ja richtig viel Entscheidungsspielraum.

Macht doch

Der Ansatz ist ja sicher gut gemeint: Oldesloe wird eine Städtepartnerschaft mit der palästinensischen Ortschaft Jifna eingehen. Völkerverständigung, Gräben überwinden … alles gute Ansätze, dagegen kann man nichts haben.

Aber mal ganz ehrlich: Taugt Oldesloe da als Vorbild? Die Gräben durch die Stadtverordnetenversammlung sind dermaßen tief, es gibt so viel Misstrauen, es werden alte Erbfeindschaften gepflegt, aber die Versöhnung in Nahost voranbringen wollen. Viel Erfolg, vielleicht wirkt es ja auch nach innen.

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