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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 03:34 Uhr

Lob der Amateure

vom

Profitum und Perfektionierung sind oft deplatziert

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Was regt man sich manchmal auf oder amüsiert sich, wenn irgendwo bei den lokalen Veranstaltungen Dinge passieren, die eher wie Slapstick wirken. Moderatoren, die lieber nicht moderieren sollten, Fußballer, die lieber nicht kicken sollten oder Sänger, die eher wie eine Persiflage wirken. Oft ist man dann verleitet zu sagen: "Das muss hier aber mal professioneller aufgezogen werden." Doch muss es das wirklich? Besteht nicht vielleicht der Charme mancher dörflichen und kleinstädtischen Veranstaltung darin, dass sich dort Menschen von nebenan ausleben können, die im professionellen oder semi-professionellen Bereich keine Chance hätten!?

Eine Vielzahl der Schauspieler in Dorftheatern würden vermutlich in Profi-Theatern untergehen, ebenso verhält es sich mit so mancher Nachwuchsband oder dem Kreismeister in einigen Sportarten. Aber ist das schlimm? Aus meiner Sicht absolut nicht. Vergessen wir zu schnell, dass es oft um Leidenschaft und Spaß an der Sache geht oder gehen sollte? Oft ist die vermeindliche "Professionalisierung" sowieso nur der Anfang vom Ende eines eigentlich lieb gewonnen Events. Denn häufig wird erst zu spät bemerkt, dass ein spezieller Charme verschwindet, wenn alles irgendwie klinisch-sauber und perfekt sein soll.

Perfektionismus lähmt, macht ängstlich und nie zufrieden. Im Rahmen unserer Kleinstädte wirkt er auch schnell mal deplatziert. Manches, was als Profitum verkauft wird, ist auch nichts weiter, als eine Art Restewertung von Dingen, die woanders nicht oder nicht mehr funktionieren. Der drittklassige Moderator eines zweitklassigen Radiosenders ist nicht unbedingt besser als der lokale DJ und kein C-Prominenter einer Castingshow interessanter oder talentierter als so manche Schülerband. Also lieber ein paar lokale Talente ein wenig feiern und träumen lassen, als sich in den falschen Träumen von "Professionalisierung" verlieren.

Wer Reggae mag, der kommt im Ahrensburger Juki42 auf seine Kosten. Morgen Abend ab 20 Uhr steigt dort die "Rap & Reggae Party" inklusive Liveacts. Im Bierstein - ebenfalls in der Schlossstadt - wird gleichzeitig Songwriter Thorsten Zeitnitz zu sehen und zu hören sein. Im alten Bahnhof in Trittau tritt heute Abend die One Man Band Frank Plaagge auf (20 Uhr). Discofans können sich über eine Abiparty im Cuzco Bargteheide heute Abend ab 21 Uhr freuen. In der Oldesloer Disco Seh-Sie lautet das Motto heute Abend "Dance Virus" und morgen "From hard to core" (jeweils 21 Uhr).

The National "Trouble will find me". Melancholische Indie-Rock-Perlen rund um Herzschmerz, Abschiede, Schwermut und Aufbüche.

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