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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 07:36 Uhr

LKA warnt: Kriminelle erobern das Internet

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Fälle häufen sich – vor allem bei Warenbetrug / Täter arbeiten immer professioneller

Internet-Kriminalität wird in Schleswig-Holstein zunehmend zum Problem. Laut Statistik des Landeskriminalamts (LKA) gibt es seit dem Jahr 2007 im Norden durchschnittlich 7600 Fälle pro Jahr – 2012 waren es sogar 7999. „Es ist eine immer weiter zunehmende Verlagerung der Kriminalität von der analogen in die virtuelle Welt festzustellen“, sagt LKA-Sprecher Stefan Jung. Mehr als die Hälfte der Taten (4406) fallen in den Bereich Waren- und Warenkreditbetrug. „Entweder wird online Ware bestellt und bezahlt und die ist minderwertig oder kommt nicht. Andersherum wird Ware geliefert – aber der Kunde zahlt nicht.“

Die vorhandenen Daten zeichneten ohnehin nur ein schwaches Bild von der Realität, so Jung. „Wir gehen von einem sehr hohen Dunkelfeld aus.“ So würden in der Statistik etwa Taten, die aus dem Ausland heraus verübt werden, gar nicht erfasst. Auch sei das Anzeigeverhalten bei Cyber-Kriminalität sehr schwach. „Viele Menschen bemerken erst spät, dass sie Opfer geworden sind und rechnen sich keine Chancen mehr aus. Betroffene Firmen versuchen aus Furcht vor einem Image-Schaden, das Thema selbst in den Griff zu bekommen.“ Problematisch sei die weltweite Vernetzung der Menschen per Mausklick für die Polizei aufgrund von Verfolgungshemmnissen. „Die Polizei kann global nicht auf die Schnelle zusammenarbeiten“, so Jung, der internationale Rechtshilfeweg dauere oft zu lange, um effektiv zu sein.

Unter den Tätern ist laut Jung eine wachsende Professionalität auszumachen. „Ein mächtiger Gegner steht uns da gegenüber. Zum Teil arbeiten hochspezialisierte Gruppen weltweit zusammen.“ Aktuelles Beispiel sei die Manipulation von Telefonanschlüssen über das Internet, von denen aus dann teure Mehrwertnummern im Ausland angerufen werden, wobei die Kosten das Konto des Besitzers belasten.

Internetkriminalität beginne mit dem Einschleusen von Viren und Trojanern und darauf folgende Sabotage, Spionage sowie Missbrauch des Rechners – und sie ende nicht beim Identitätsdiebstahl und der Bankkontenplünderung, sagt Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert. Im Internet solle sparsam mit Daten umgegangen werden, ständig aktualisierter Virenschutz sei ein Muss. „Es gibt kaum einen Bereich im Internet, der gefahrlos ist.“ Der Bedarf an Beratung sei riesig, so Stefan Bock, Landesgeschäftsführer der Verbraucherzentralen: „Oft wird das Internet als rechtsfreier Raum betrachtet. Es besteht dringender Handlungsbedarf, den Marktplatz Internet stärker zu beobachten.“ Seite 4

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erstellt am 11.Feb.2014 | 17:55 Uhr

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