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Oldesloer CD-Streit : „Live tut am wohlsten“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die evangelische Kirche beendet CD-Streit: In Ausnahmefällen darf auch Musikkonserve bei Beerdigungen gespielt werden.

Was war das für eine Aufregung: Vor gut einem Jahr brach in Bad Oldesloe der Streit um das CD-Verbot aus und wurde weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus zum Teil sehr emotional diskutiert. Bei Beerdigungen – so hatte es der evangelisch-lutherische Kirchenvorstand beschlossen – darf ausschließlich Live-Musik gespielt werden. In zwei Fällen wollten Angehörige sowie eine Sterbenskranke, dass bei ihren Trauerfeiern Musik von Ivan Rebroff beziehungsweise Nana Mouskouri gespielt wird – Kirche lehnte ab. Ein Aufschrei ging durch die Stadt. Boulevardmedien nahmen sich des Themas an, der zuständige Pastor soll in der Folge sogar mit dem Leben bedroht worden sein. Und jetzt? Ein gutes Jahr später ist von dem Thema nichts mehr zu hören. „Wir hatten Glück, dass dann das mit Hoeneß raus kam, sonst hätten wir da bestimmt noch länger gut von gehabt“, blickt Pastor Diethelm Schark (Foto) auf jene turbulente Zeit zurück.

Unter dem Druck der Berichterstattung hatte der Kirchenvorstand seine Position noch mal überdacht. Innerhalb des Gremiums gab und gibt es Befürworter und Gegner eines CD-Verbots. Bei einer gut besuchten Kirchenvorstandssitzung stellte sich der Rat der Meinung von Gemeindemitgliedern. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde dann in einem nicht öffentlichen Teil ein einjähriges Moratorium beschlossen. Das CD-Verbot wurde ein Jahr lang für besondere Einzelfälle in der seelsorgerischen Entscheidung der Pastoren aufgehoben. Der Kirchenvorstand wollte Erfahrungen sammeln und auf breiter Front das Gespräch suchen.

„Wir erleben mit großer Sorge einen Wechsel der Trauerkultur“, erklärt Pastor Schark, Vorsitzender des Kirchenvorstands, auf Nachfrage. Seit dem Wegfall des Krankenkassenzuschusses zu Beerdigungen habe ein Trend „es schnell und billig am liebsten hinter der Hecke“ zu machen eingesetzt. Vorsorge für den Ernstfall werde oftmals auf die Angehörigen abgewälzt. Dem stehe auf der anderen Seite große Eventisierung und Individualisierung der Beerdigung gegenüber. Seebestattung, Beerdigung unterm Baum im Wald ... Kirche soll alles möglich machen.

Der Kirchenvorstand hat eine breite Diskussion gesucht. Vom Konfirmandenunterricht bis zur Feuerwehrversammlung – immer mal wieder hat Diethelm Schark die Musik thematisiert. Auch der Nachbargemeinde Reinfeld, die Musik von Konserve zulässt, wurde besucht. „Die Probleme sind hüben wie drüben die gleichen“, so Schark.

Der Pastor schätzt, dass es im zurückliegenden Jahr vermutlich 350 Beerdigungen gab. In etwa 20 Fällen sei das CD-Verbot gelockert worden. Schark: „Es hängt stark von der Beratung ab. Es ist anders, wenn im Beerdigungsinstitut schon der Katalog mit den CDs auf den Tisch gelegt wird.“ Die Seelsorger hätte im vergangenen Jahr Erfahrungen gesammelt „Live tut am wohlsten“, ist Diethelm Schark überzeugt: „Aber Geschmack ist halt persönlich. Und noch etwas haben wir gemerkt: In der Schweren Situation des Trauerfalls, kann man kaum mit Argumenten kommen.“

Menschen, die eher traditionell eingestellt seien, würden sich fragen, was die ganze Diskussion eigentlich solle. Es gibt aber auch andere. Diethelm Schark räumt durchaus ein: „Wenn ich jung wäre, würde ich vermutlich auch so denken, warum mein MP3-Player nicht gehen soll.“

Eine andere Erkenntnis dürfte für die Zukunft aber deutlich wichtiger sein. „Ein Beschluss, der links und rechts nichts zulässt, ist nicht gut für uns“, erklärt Pastor Schark. Deshalb habe der Kirchengemeinderat beschlossen, zwar am CD-Verbot grundsätzlich festzuhalten, aber in begründeten Ausnahmefälle auch andere Musikvorführungen zulassen zu wollen.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 14.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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