Sülfeld : Linden müssen fallen

fzb borstel linden

Brandkrustenpilz und Hallimasch haben den Bäumen am Forschungszentrum Borstel schwer zugesetzt

shz.de von
02. März 2017, 06:00 Uhr

Aufgrund von Pilzbefall müssen einige Linden am Forschungszentrum Borstel gefällt werden. Trotz jahrelanger Pflege und Schnittmaßnahmen an den denkmalgeschützten Bäumen ist laut eines Fachgutachtens die Holzsubstanz so schlecht, dass die Bruch- und Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet werden kann. Aufgrund der damit verbundenen Gefahr für Mitarbeiter und Besucher des Forschungszentrums und der Gebäude müssen die am stärksten betroffenen vier Bäume am Rondell vor dem Herrenhaus gefällt werden.

Sie sind gleich von zwei gefährlichen Schadpilzen befallen: dem Brandkrustenpilz und dem Hallimasch. Beide sind weit verbreitet und befallen Laubgehölze wie Buche, Linde, Weide oder Pappeln. Der Brandkrustenpilz zersetzt den zentralen Wurzelbereich und den Stammfuss, ohne dass der Baum Anzeichen zeigt.

Der Pilz verursacht aber eine intensive Weißfäule, später eine Moderfäule die sich rasch ausbreiten kann. Die Folge: Die Stabilität des Baumes ist soweit herabgesetzt, dass dieser ohne Vorwarnung umstürzen kann. „Der Brandkrustenpilz ist leider in den vielen Fällen ein Todesurteil für die Linden, vor allem wenn diese schon älter und geschwächt sind“, sagt Diplom-Ingenieur Holger Muhs vom Büro Muhs-LandschaftsArchitekten, der gemeinsam mit Dirk Westphal, dem Leiter des Technischen Dienstes vom Forschungszentrum Borstel die Linden vor dem Herrenhaus begutachtete. „Die Bäume sind schon über 250 Jahre alt und die Pflege dieser Relikte aus der Barockzeit ist eine besondere Herausforderung. Die Baumkronen wurden seinerzeit regelmäßig in Form geschnitten. Nach der Barockzeit wurde der natürliche Wuchs der Bäume modern und man ließ die Linden in die Höhe wachsen. Spätere, radikale Schnitte könnten den Bäumen geschadet und sie anfällig für Krankheiten gemacht haben“, so Muhs.

Die Linden, die den Ehrenhof mit dem großen Rasenrondell einrahmen, stehen gemeinsam mit der Lindenallee, dem weitläufigen Gutspark und dem Herrenhaus aus den Jahre 1747/48 unter Denkmalschutz. Der Erhalt dieses historischen Kleinods ist ein wichtiges Anliegen des Forschungszentrums Borstel, für den in der Vergangenheit viel getan wurde: „Das FZB hat mit EU-Mitteln, Spendengeldern des Herrenhaus-Vereins, Unterstützung der Fielmann-Stiftung und erheblichem eigenen Mittelaufwand die Wiederherrichtung und den Erhalt des Gutsparks vorangetrieben. Wir sind stolz auf diese einzigartige Umgebung für unser Zentrum und unsere Klinik, und wir haben lange um den Erhalt der Linden gekämpft. Es tut uns fast körperlich weh, wenn wir sie nun fällen lassen müssen“, so Zentrumsdirektor Prof. Stefan Ehlers. In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde wird ein Nachpflanzungskonzept für den Lindenkranz entwickelt.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen