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Bad Oldesloe : Lieferanten-Pleite treibt Bockwoldt in Insolvenz

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Oldesloer Traditionsunternehmen geriet nach einem Umsatzeinbruch in Schieflage. Der Getreibehersteller soll ohne Stellenabbau saniert werden – Gehälter für die 50 Mitarbeiter sind bis März sicher.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Ein Traditionsunternehmen ist in schweres Fahrwasser geraten: Der Getriebehersteller Bockwoldt hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Seit mehr als 100 Jahren werden am Standort an der Sehmsdorfer Straße Getriebe sowie Getriebemotoren entwickelt und hergestellt. Rund 50 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Doch es gibt Hoffnung. Bockwoldt war durch die Insolvenz eines türkischen Zulieferers in Schieflage geraten. Weil die Vorprodukte fehlten, musste die Produktion gedrosselt werden. Bockwoldt machte deutlich weniger Umsatz, weil kaum noch Produkte verkauft werden konnten. Gleichzeitig liefen die Kosten aber weiter. Dadurch wurden die liquiden Mittel verbraucht, es blieb nur noch eine Insolvenz. „Die Ursache liegt in der Pleite eines Lieferanten. Auch wenn das nicht unsere Schuld ist, müssen wir trotzdem alle Konsequenzen tragen“, erklärt Geschäftsführer Carl-Michael Bockwoldt: „Es geht jetzt darum, den Betrieb als Ganzes aufrecht zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern.“ Das Insolvenzgericht hat einem Antrag auf ein sogenanntes „Eigenverwaltungsverfahren“ zugestimmt.

Damit bleibt Carl-Michael Bockwoldt Chef in seinem eigenen Unternehmen. Berthold Brinkmann wird ihm als „Sachwalter“, gewissermaßen als Aufsicht“, zur Seite gestellt. Spezialisten der Beratungsgesellschaft Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf helfen dem Unternehmen juristisch und betriebswirtschaftlich dabei, wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen.

„Es kann technische, aber auch juristische Gründe haben, warum Sie nicht mal eben einen Lieferanten wechseln können“, sagt Markus Haase, Sprecher von Buchalik Brömmekamp: „Trotz dessen Pleite sind Sie an Verträge mit dem Lieferanten gebunden.“ Das Eigenverwaltungsverfahren ermögliche es Bockwoldt jetzt aber, bestehende Verträge kurzfristig zu kündigen.

Wie Dirk Eichelbaum, Restrukturierungsexperte, erläutert, sei der türkische Lieferant mittlerweile zerschlagen worden. Ein Investor hat Teile des Unternehmens aufgekauft und einige hundert Kilometer entfernt eine neue Fabrik hochgezogen. „Das ist jetzt der neue Lieferant von Bockwoldt“, so Eichelkamp. Was bleibt, sei ein „Liquiditätsloch“ durch den Umsatzeinbruch. Eichelkamp: „Das war ein temporäres Problem. Das kann durch die Insolvenz gelöst werden wenn alle einen kühlen Kopf bewahren.“ Vor allem bei Kunden und Zulieferern müsse um Vertrauen geworben werden. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Eichelkamp.

Die 50 Mitarbeiter seien auf einer Betriebsversammlung informiert worden. Für sie hatte der Sanierer gute Nachrichten: „Löhne und Gehälter sind bis einschließlich März über Insolvenzgelder gesichert.“ Lohnverzicht oder gar Stellenabbau seien zur Rettung des Unternehmens nicht notwendig.

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