Lieber digital als katholisch ... oder?

 Foto: Wiedenroth
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15. Oktober 2011, 08:19 Uhr

filmreif Das ist doch mal eine klare Ansage, die Bargteheides Kinobetreiber Hans-Peter Jansen da macht: Entweder bezahlt die Stadt die Hälfte der Umrüstung auf Digitaltechnik, oder er stellt den Betrieb ein. Sensible Gemüter könnten das als Erpressung werten. Überspitzt formuliert: Wenn es gut läuft, sackt er Ehre und Gewinn ein, bleiben die Besucher weg, soll die Gemeinde einspringen. Dabei muss man doch mal hinterfragen, woran der Besucherrückgang liegt. Sind vielleicht zu viele schlechte Filme auf dem Markt? Hat Jansen eventuell die falschen Filme ausgesucht? Ist Kino nicht schlicht zu teuer? Wer will, kann schließlich auch aktuelle Streifen aus dem Internet ziehen. Wer es legal bevorzugt, wartet bis die DVD erscheint... Keine Frage, kleine, persönlich geführte Kinos haben es heutzutage schwer. Die Kinos in Ahrensburg und Reinfeld sind schon geschlossen. Das Kleine Theater ist aber eine städtische Immobilie, in der das Cinema Paradiso ohnehin schon günstige Sonderkonditionen genießt. Sollte Bargteheide neben den Zuschüssen aus öffentlichen Fördertöpfen jetzt noch einem Unternehmer diese Investitionen subventionieren, ist das ein massiver Eingriff in den freien Markt. Oldesloes Kinobetreiber Heinz Wittern würde auch gerne umrüsten, muss sich aber drei mal überlegen, woher er das Geld nehmen soll.

Ferndiagnose In der Oldesloer Asklepiosklinik hat der Teledoc Einzug gehalten. Unser kleines Krankenhaus kann logischerweise nicht 24 Stunden am Tag mit einem Neurologen aufwarten. In einer großen Hamburger Klinik ist das selbstverständlich. Also liegt es doch nah, einen Kooperationsvertrag zu schließen und moderne technische Möglichkeiten zu nutzen. So kommen auch Oldesloer Patienten in den "Genuss" einer neurologischen rund-um-die-Uhr-Versorgung - zugeschaltet per Computer. Eine klassische Win-Win-Situation: Patienten und Klinik profitieren gleichermaßen. Es bedarf nicht viel Fantasie, sich die nächste Ausbaustufe vorzustellen. Der Teledoc kostet "nur" 25 000 Euro. Potente, hypochondrische Privatpatienten könnten sich so ein Gerät doch auch nach Hause oder ins Büro holen. Noch ein paar Kabel für Puls, Blutdruck, EKG dran, und schon muss ich nicht mehr für jedes Zipperlein ist volle Wartezimmer. Wenn das keine positive Aussichten sind.

Lutheraner Das ist doch mal ein Bewerbungsschreiben: Pastor Helgo Matthias Haak aus Ahrensburg möchte neuer Propst für Rahlstedt-Ahrensburg werden. Zwar schreibt der 54-Jährige, dass er als langjähriger Kirchenvorstandsvorsitzender über eine hohe integrative Leitungskompetenz verfüge und Erfahrung habe, die Kirche und ihre Anliegen öffentlich zu vertreten. Der große Rest der Bewerbung ist aber Kritik pur. Die Nordelbische Kirche sei außerstande, die Ahrensburger Missbrauchsfälle angemessen aufzuarbeiten. Den Oberen gehe es mehr um das öffentliche Ansehen der Kirche oder die eigene Position als um die Opfer. Und in der Pastorenschaft herrsche ein Geist der Anpassung und des Gehorsams. "Katholisch" kommt das dem evangelischen Pastor vor, der möchte dass in Nordelbien wieder lutherisch im Geist der Freiheit diskutiert wird. Man darf gespannt sein, ob die geheim tagende Bewerbungskommission Haak als einen der Kandidaten benennt, die man der Synode zur Wahl vorschlagen wird. Vermutlich nicht, aber der Ahrensburger Pastor hat erstmal einen Stein ins Wasser geworfen, der noch Wellen schlagen dürfte - so gar nicht heimlich, still und leise.

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