Leerstand in Oldesloe : Liebe zum Buch zahlt sich nicht aus

Jörg Feierabend in seinem Buchantiquariat „Zeitenwanderer“ in der Hamburger Straße.
Jörg Feierabend in seinem Antiquariat „Zeitenwanderer“ in der Hamburger Straße.

Jörg Feierabend wird sein Oldesloer Buchantiquariat „Zeitenwanderer“ in der Hamburger Straße in wenigen Wochen schließen. Er will sich mehr auf seine Archiv-Software konzentrieren.

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26. November 2013, 18:30 Uhr

30 000 Bücher sortiert nach Themen und Sprachen – aufgereiht in langen Regalen. Fünf Jahre lang hat Jörg Feierabend sie in seinem Buchantiquariat „Zeitenwanderer“ in der Hamburger Straße gemeinsam mit seiner Frau an- und verkauft, geordnet und gepflegt. Und das mit Begeisterung und immer einer kompetenten, freundlichen Empfehlung für die Kunden. Als seine Frau erkrankte und nicht mehr mitarbeiten konnte, nahm die Arbeit Überhand. Spätestens Heiligabend will er sein Geschäft für immer schließen.

„Wir sind wirtschaftlich nicht am Ende. Aber in Relation zu dem Stress reicht es nicht“, erläutert Feierabend. „Kaum hatten die ersten Kunden von der beabsichtigten Aufgabe erfahren, kamen sie vorbei. Auch viele andere Oldesloer kamen und sagten, dass das Antiquariat nicht komplett aufgegeben werden darf. Das rührt mich sehr.“, so Feierabend. „Natürlich kommt man da ins Grübeln. Wir haben ja auch viele Optionen durchgespielt. Aber der Laden wird definitiv geschlossen“, sagt Feierabend.

Der Buchhändler hat neben seinem Geschäft auch noch Bücher per Internet versandt und eine Software für die Erfassung von Archiven entwickelt. In Zukunft will er hauptsächlich auf die Software setzen. „Eine Anstellung in diesem Bereich wäre nicht schlecht, um ein wenig Konstanz hereinzubekommen. Ich bin realistisch. Wäre es anders gegangen, hätte ich es anders gemacht. Das Geschäft läuft nicht total schlecht. Das Internet ist auch keine echte Konkurrenz. Da ist der Hype vorbei. Die Menschen wollen die individuelle Beratung, das Gespräch vor Ort, den Austausch“, macht er deutlich.

Für die Oldesloer Verwaltung und den Innenstadtmanager hat er aber im Bezug auf kleine und neue Geschäfte ein paar Wünsche und Tipps parat. „Es ist alles verboten: Aufsteller, Schilder, Plakate – alles muss kompliziert genehmigt und bezahlt werden. Die Zeit und das Geld haben Inhaber kleiner Geschäfte aber nicht“, betont Feierabend. „Das sind zwar nicht die Gründe für eine Schließung. Aber all das führt auch nicht zu mehr Motivation, erklärt Feierabend. In diesem Bereich ist Oldesloe nicht gerade freundlich zu kleinen, neu angesiedelten Geschäftsleuten.

Umso mehr begeistere ihn die Anteilnahme seiner Kunden. „Das sind ganz neue Entwicklungen. Vielleicht gibt es ja noch Ideen, was man aufbauen kann. Heute morgen wurde ein Antiquariats-Freundeskreis ins Spiel gebracht. Manche Kunden sagen, sie kennen jemanden der sich mit Werbung auskennt, andere können Flyer gestalten – man will uns helfen. Das ist toll“, so Feierabend. Im Internet will er sowieso weitermachen. „Aber wie gesagt – das ist gar nicht mehr so eine Goldgrube, wie manche Leute denken. Echte Treffen wären schöner. Vielleicht kann man in Räumlichkeiten in der Umgebung immer wieder mal übergangsweise zu Gast sein“, denkt Feierabend nach. „Wer Ideen hat, wie wir das Antiquariat ohne festes Ladengeschäft erhalten können für die Region, der kann sich gerne melden. Auch jeder, der sich mit den rechtlichen Rahmen von Freundeskreisen und Vereinen auskennt“, so Feierabend schon mit frischem Elan.

„Das Potenzial ist da. Interessierte Kunden auch. Man benötigt nur ein anderes, neues Konzept und ein Team, das mitmacht“, so der studierte Linguist. Für den Laden sucht nun der Hausbesitzer Manfred Brembach einen passenden Nachmieter. „Es ist schade, dass so ein kompetent und herzlich geführtes Geschäft schließen muss. Ich finde das ist ein Verlust für Bad Oldesloe“, so Manfred Brembach.

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