zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

23. November 2017 | 06:45 Uhr

Bad Oldesloe : Liebe und Intrigen im Kub

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Studentinnen der Musikhochschule Lübeck proben die Oper „Gefährliche Liebschaften“ in Oldesloe. Premiere für die zweite Koproduktion des Kubs ist am 10. Juni.

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 05.Mai.2017 | 06:00 Uhr

„Mesdames“, ruft Claudia Gotta durch den Saal im Kub und klatscht entschieden in die Hände: „Habt ihr eure Requisiten vorbereitet?“ Die Regisseurin möchte weiter proben. Mit Studentinnen inszeniert sie zurzeit die zweite Opern-Koproduktion zwischen Musikhochschule Lübeck (MHL) und Kub. Am Sonnabend, 10. Juni, wird „Gefährliche Liebschaften“ Premiere haben.

Nach den umjubelten „Mad Lovers“ jetzt also „Gefährliche Liebschaften“. Die Verfilmung des historischen Stoffs mit Glenn Close, John Malcovic und Michelle Pfeiffer ist legendär. Er hat drei Oscars sowie zahlreiche weitere Preise abgeräumt. Der Kinofilm basiert auf dem Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ von Choderlos de Laclos aus dem Jahr 1782 – ein Hauptwerk der französischen Literatur aus dem 18. Jahrhundert. Sieben Jahre später beginnt die Französischen Revolution.

Dass es von der Geschichte auch eine (fiktive) Oper gibt, wissen vermutlich nur wenige. Samuel Bächli hat 1988 Musikstücke von Georg Friedrich Händel zusammengestellt. Das Stück war ein großer Erfolg am Schillertheater in Gelsenkirchen. Gesungen wird auf italienisch, die verbindenden Texte sind deutsch. „Wir haben vor 19 Jahren schon mal gemeinsam an diesem Stück gearbeitet“, blickt Professor Robert Roche zurück. Er spielte damals Cembalo, Claudia Gotta hospitierte bei der Produktion. Man verlor sich aus den Augen, hatte sich fast 20 Jahre nicht mehr gesehen, aber der Zufall führte die beiden jetzt an der MHL wieder zusammen – als musikalischer Leiter und Regisseurin für „Gefährliche Liebschaften“.

Mit Gesangsdozentin Prof. Manuela Uhl musste ein geeignetes Stück für die Studentinnen gefunden werden. „Ich kenne ein Stück nur für Frauen“, erinnerte sich Robert Roche an das erotische Intrigenspiel. „Opern sind sonst überwiegend Männerstücke“, erklärt Claudia Gotta: „Da kommt man schnell an die Grenzen.“ Mit Männern hätte sie „Gefährliche Liebschaften“ so nicht auf die Bühne bringen können. „Dann wäre es grenzüberschreitend geworden“, erklärt Regisseurin Gotta: „Es kommen ziemlich viele Sexszenen vor. Das ist schwierig für die Regie.“

Die Contessa (Lena Langenbacher) sinnt auf Rache, denn ihr Liebhaber hat sie wegen einer jüngeren – Francesca (Sandra Gerlach) – sitzen lassen. Deshalb beauftragt sie Valmont (Dorothee Bienert) die ehemalige Klosterschülerin zu verführen und zu entjungfern. Francesca verliebt sich in Ricardo (Milena Juhl). Valmont wiederum würde gerne die tugendhafte Maria (Camilla Ostermann) erobern ... Die Intrigen gehen natürlich nicht auf, zwischen Valmont und der Contessa kommt es stattdessen zum Krieg.

„Der Stoff ist charakteristisch für das Rokoko“, erklärt Claudia Gotta. Trotzdem sei er noch hochaktuell, denn die Diskrepanz zwischen absoluter Freiheit auf der einen und Zwängen sowie Konventionen auf der anderen Seite gebe es auch heute noch. „In diesem Wechselspiel finden die emotionalen und erotischen Intrigen statt“, sagt die Regisseurin.

Die Zusammenarbeit zwischen Regie und musikalischer Leitung sei „sehr reibungslos“ gewesen. „Ich komme aus dem Musiktheater. Die Musik gehört für mich dazu“, erklärt Claudia Gotta, die im Hauptberuf szenische Leiterin an der Deutschen Oper Berlin ist: „Ich kann alles mit dem Stoff und dem Stück begründen.“

Mit dem Casting im Dezember begannen die Arbeiten an dem Stück. Robert Roche musste bei einigen Rollen die Tonarten stark ändern, damit sie zu den Darstellerinnen passen. „Wir haben eine grobe Fassung“, beschreibt die Regisseurin den aktuellen Stand. Die Probentage im Kub nutzt sie, um Elemente zu „putzen“, Szenen werden an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Wie schon bei „Mad Lovers“ wird mitten im Saal gespielt. Dadurch gehen zwar einige Plätze verloren, aber die Zuschauer erleben die Darbietung intensiver und hautnah.

Gefährliche Liebschaften wird am Sonnabend (Premiere), 10. Juni, 20 Uhr und Sonntag, 11. Juni, 17 Uhr im Kub aufgeführt. Tickets kosten im Vorverkauf 18,50 sowie ermäßigt 12,50 Euro.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen