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Atelier-Besuch : Lichtspielereien einer Barnitzerin

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In der alten Schmiede in Klein Barnitz ist seit einigen Jahren neues Leben eingezogen. Denn dort hat Künstlerin Janine Gerber ihr Atelier. Gestern kam Landrat Plöger vorbei.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Licht und Schatten, bestimmen die Sichtweisen im Atelier von Janine Gerber in Barnitz. Vor einigen Jahren kam sie nach ihrem Studium der Kunst und einem Stipendium in Lübeck nach Barnitz und baute mit ihrem Mann die alte Schmiede zum Atelier um. Und auch, wenn die junge Künstlerin die Lichtverhältnisse in diesen Räumlichkeiten als „nicht perfekt für Ölmalerei“ bezeichnet, passen genau diese Schattenspiele eigentlich sehr gut zu ihren Kunstwerken.

Das wurde auch beim Besuch von Landrat Klaus Plöger im Rahmen seiner Sommeratelier-Tour klar, als die charmante 39-Jährige ihre Werke näher erläuterte. Fast ein wenig aufgeregt wirkte sie, als die Besucher ihre Bilder betrachteten. Diese scheinen auf den ersten Blick oft aus einer Art gleichmäßigen Farbfläche zu bestehen. Doch bei genauerem Hinschauen entdeckt der Betrachter kleine Nuancen und -spielereien im reduzierten Farbspektrum und vor allem, dass die unterschiedlichen Schichten und Pinselstriche Strukturen auf der Leinwand ergeben oder die Struktur eben Jute oder Leinen deutlich betont.

Mit geradezu jugendlicher Euphorie kann die sympathische Wahlbarnitzerin zu jedem Bild etwas erzählen. Vor allem deuten die Titel der Werke daraufhin, was die Inspiration für das jeweilige Kunstwerk war. „Die Wagentür schiebt sich nach links“, lautet ein Titel oder noch geheimnisvoller „Schnellen Schrittes verändert sich der Abstand zwischen ihr und der Frau“.

Oft werde gesagt, dass ihre Namen für die Bilder „besonders und seltsam“ seien, erzählt Gerber und lächelt fast entschuldigend. Dabei wolle sie doch nur den Moment benennen, der als Inspiration diente. Farbe, Licht, Raum und Bewegung sind Themen ihrer Werke. Aber eben auch Geräusche oder andere subtile Immeterialität, wenn sie sich zum Beispiel mit dem Thema „Luft“ auseinandersetzt. Oder auch die verschiedenen Farben eines Flusses bei einer Überschwemmung von hellblau bis dreckig-braun in einer Bilderreihe darstellt.

Neben der Ölmalerei arbeite sie gerne mit großen Papierbahnen, die sie im Raum aufhängt und in die sie Formen mit dem Messer schneidet. „Nicht einfach nur so, sondern vorsichtig und mit einer genauen Vorstellung“, erzählt sie. Ausgestellt im Raum geht es Gerber dann bei dieser Papierkunst vor allem darum, was das Werk mit dem Raum an sich macht, wie es unter verschiedenen Lichtbedingungen wirkt.

Dass der Betrachter oft nicht genau das erkenne oder sehe, was sie gesehen oder gefühlt habe, sei auf keinen Fall schlimm und auch so gewollt. Das Kunstwerk entsteht immer wieder neu im Auge des individuellen Betrachters, im Prinzip losgelöst von seiner Erschafferin. Am Anfang ihrer Karriere sei es schon ein wenig verletztend gewesen, wenn jemand absolut nichts mit ihrer Kunst anfangen konnte. Mittlerweile sei das nicht mehr so schlimm. „Natürlich möchte ich, dass die Werke irgendwo hängen, wo sie die Menschen erfreuen und auch gewürdigt werden. Das ist doch klar.“

Der Landrat zeigte sich angetan von der Arbeit der Wahlstormarnerin. Da hörte er es natürlich besonders gerne, dass diese vom Kreis schwärmte. „Ich wohne sehr gerne hier und habe mich bewusst dafür entschieden“, sagt sie. Ab und zu fahre sie aber auch in die Großstadt. „Ich muss auch regelmäßig nach Hamburg und Berlin – das ist wichtig für mich“, so Gerber. Käufer für ihre Werke sucht sie quasi immer. „Es ist nicht so, dass die Bilder unverkäuflich sind. Sie sollen ja gesehen werden“, so Janine Gerber.

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