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Stormarner Tageblatt

14. Dezember 2017 | 14:58 Uhr

Ahrensburg : Lesen lernen auf leichte Art

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Landesweite Kampagne gestartet: Alphabetisierungsbox für Erwachsene und Migranten.

Jeder 7. Erwerbstätige kann kaum oder gar nicht lesen und schreiben. Als funktionaler Analphabetismus wird das bezeichnet. Oft liegt es daran, dass Kenntnisse der Grundbildung wieder verlernt wurden. „Lesen macht das Leben leichter“ ist das Motto einer gemeinsamen Kampagne der Volkshochschulen und Büchereien im Land. Gestern fiel der Startschuss dafür.

Unterstützt wurden die VHS und die Stadtbücherei Ahrensburg dabei jetzt von der Sparkasse Holstein. Sie spendete eine Lesekiste, auch Alphabetisierungsbox genannt. „Darin befindet sich viel Lesespaß für Erwachsene, ein Fundus von etwa 30 leicht lesbaren Büchern“, sagt Büchereileiter Thomas Patzner, „vom Kochbuch mit DVD-Anleitung bis zum Roman.“ Bereits mit einem Wortschatz von unter 650 Begriffen könnten viele Texte verstanden werden, für Romane reiche das Doppelte: „Leseanfänger kommen gut damit klar.“

Das Angebot richtet sich aber auch gleichermaßen an Migranten. Sie haben oft die zusätzliche Schwierigkeit, dass sie das lateinische Alphabet noch nicht beherrschen. „Viele sind fantastisch hoch motiviert, unsere Sprache zu lernen“, sagt Patzner, „sie suchen auch nach Angeboten in Nachbargemeinden.“ Es geht um 120 bis 150 Menschen, die in den vergangenen zwei Jahren nach Ahrensburg gekommen sind – „wir erwarten über 100 weitere in diesem Jahr“, sagt Axel Fricke vom Freundeskreis Flüchtlinge, „vor allem aus dem Kosovo.“ Die etwa 20 Ehrenamtlichen der Initiative organisieren unter anderem den „Dialog in Deutsch“. Die Gesprächsgruppen werden dienstags von 10 bis 11 Uhr und mittwochs von 17 bis 18 Uhr in der Stadtbücherei angeboten. Unter den etwa 50 Teilnehmern sind auch Austauschschüler. Die Mitarbeiter unterstützen das kostenlos angebotene Projekt zum gegenseitigen Austausch in deutscher Sprache. Weitere Helfer werden noch gesucht.

„Die Leitung hat eine qualifizierte Fachkraft in Alphabetisierung“, sagt Heike Gielnik von der VHS, „dazu kommen ein bis drei Assistenten.“ Auch die VHS bietet Deutsch als Fremdsprache zu reduzierten Teilnahmekosten an. „Etwa 20 Migranten nutzen das Angebot zurzeit“, so Heike Gielnik, „weitere 20 sind noch auf einer Warteliste.“

Schwieriger ist es, deutsche Muttersprachler mit einer Leseschwäche zu erreichen. „Die Scham und Hemmschwelle sich so zu outen, ist sehr hoch“, weiß Heike Gielnik. Es sei schwierig, diese Zielgruppe zu erreichen. Die Lesekiste sei da als ein erster Schritt gut geeignet, um das Lerninteresse zu wecken. „Über den Sparkassen- und Giroverband haben wir vergangenes Jahr sechs weitere Boxen an Grundschulen in Ahrensburg verteilt“, sagt Matthias Knull.




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