Abstiegskampf in der 3. Liga : Lerneffekt beim VfB Lübeck bleibt aus

Die Wende: Zwickaus Ronny König (li.) erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich. VfB-Keeper Lukas Raeder (v.l.), Ersin Zehir und Tommy Grupe können das 1:1 und die Auswärtsniederlage des Aufsteigers aus Lübeck nicht verhindern.
Die Wende: Zwickaus Ronny König (li.) erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich. VfB-Keeper Lukas Raeder (v.l.), Ersin Zehir und Tommy Grupe können das 1:1 und die Auswärtsniederlage des Aufsteigers aus Lübeck nicht verhindern.

Der abstiegsbedrohte VfB Lübeck lässt auch in Zwickau leichtfertig Punkte liegen.

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10. Januar 2021, 18:13 Uhr

Zwickau | In der sportlichen Analyse der ersten 16 Drittligaspiele des VfB Lübeck sprach Trainer Rolf Landerl zum Jahresabschluss davon, der Aufsteiger habe fünf bis sechs Punkte liegen gelassen und sich daher nicht im Tabellenmittelfeld eingenistet. Kurz vor Weihnachten war der VfB auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen, die Situation aber sei noch nicht beunruhigend. Seit Sonntag hat sich die Lage allerdings verschärft: Die Grün-Weißen sind Drittletzter des Klassements – weil im Kellerduell beim FSV Zwickau erneut ein Vorsprung verspielt und Punkte wiederholt leichtfertig liegen gelassen wurden.

In Sachsen hat der VfB zum mittlerweile siebten Mal eine Führung aus der Hand gegeben. Nur drei statt 21 möglicher Punkte holten die Grün-Weißen in diesen Partien. Im bisherigen Saisonverlauf haben die Lübecker realistisch betrachtet 13 Zähler hergeschenkt. Der erhoffte Lerneffekt ist offensichtlich ausgeblieben.

Oftmals konnte der Aufsteiger an gute Leistungen in den zweiten Halbzeiten nicht anknüpfen. Das war auch in Zwickau so. Als der FSV nach der Pause einen Gang hochschaltete, ließ sich der VfB das Heft aus der Hand nehmen, kam nicht mehr in die Zweikämpfe und kaum noch zu Entlastung.

Eine weitere Tatsache: 18 ihrer insgesamt 27 Gegentreffer kassierten die Lübecker in der letzten halben Stunde. In Zwickau fiel das 1:1 nach 63 Minuten. Das erste Punktspiel des VfB im neuen Jahr kippte, als der bundesligaerfahrene Mirko Boland ausgewechselt wurde. Der Leistungsträger und ehemalige Kapitän Eintracht Braunschweigs musste zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses passen, den er sich am 12. Dezember beim 1:1 gegen Magdeburg zugezogen hatte. Gegen Wiesbaden (2:4) und beim enttäuschenden 0:2 gegen Meppen kurz vor Weihnachten wurde der 33-Jährige schmerzlich vermisst und verpasste auch einen Großteil der Vorbereitung.

Erst am Mittwoch war der Mittelfeldspieler wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Weil der Routinier mit seiner Erfahrung und Mentalität von besonderer Bedeutung ist, bot Landerl ihn in Zwickau dennoch von Beginn an auf. Ein nachvollziehbares Wagnis, das sich zunächst auszuzahlen schien. Der 33-Jährige verlieh dem VfB-Spiel Struktur und bereitete den Führungstreffer vor. Boland gab den Takt vor. Als er nach einer Stunde durch Thorben Deters ersetzt wurde, fehlte der Organisator und Ruhepol, der die Lübecker wieder auf den richtigen Weg hätte bringen können.

An Bolands Auswechslung allein wollte Landerl die Niederlage aber zu Recht nicht festmachen. „Auch die anderen sollten mittlerweile wissen, was in solchen Situationen zu tun ist. Insgesamt war das in der zweiten Halbzeit zu wenig, um dieses Spiel zu gewinnen“, bilanzierte der Österreicher, der insgeheim hoffen dürfte, dass Boland am Mittwoch im Nachholspiel gegen Waldhof Mannheim länger durchhält. Und, dass der Lerneffekt schnell einsetzt, um die Talfahrt nach sechs sieglosen Partien am Stück zu beenden und den Anschluss ans Tabellenmittelfeld nicht frühzeitig zu verlieren.

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