Trittau : Leichter wird es in Zukunft nicht

Der Landwirt und das liebe Vieh. „Auflagen und Vorschriften können nur noch große Betriebe einhalten“, so Friedrich Klose.
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Der Landwirt und das liebe Vieh. „Auflagen und Vorschriften können nur noch große Betriebe einhalten“, so Friedrich Klose.

Der neue Vorsitzenden der Stormarner Landwirte hat Ministerpräsident Daniel Günther zum Kreisbauerntag eingeladen.

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02. März 2018, 06:00 Uhr

Den bäuerlichen Familienbetrieb, sagt Friedrich Klose, stellen alle als das Ideal hin. Aber die politischen Rahmenbedingungen aus Brüssel und Berlin würden genau in die andere Richtung laufen. „Die Auflagen und Vorschriften können nur noch große Betriebe einhalten“, so der Trittauer Landwirt, der seit gut zwei Monaten Vorsitzender des Kreisbauernverbandes ist.

Er hatte den elterlichen Hof in der Ortsmitte 1989 übernommen und war 1990 in den Ziegelbergweg ausgesiedelt. 2005 ging Klose mit dem Meilsdorfer Hof Köhler zusammen, den Deetje Köhler von ihrem Vater Otto übernommen hatte. Die Juristin wollte aber andere Wege gehen und arbeitet statt auf dem Hof als Kreisgeschäftsführerin des Sozialverbands Stormarn.

„Als Otto Köhler Vorsitzender des Bauernverbands war, hat er mich in den Vorstand geholt. Das war vor 20 Jahren“, sagt Klose, der fünf Jahre Stellvertreter war, bevor er im Dezember zum Vorsitzenden gewählt wurde. Mehr als eine Periode wird er nicht machen, da er Ende 2022 mit dann 63 Jahren schon zu alt wäre. „Wir haben aber eine Super-Jugendorganisation mit jungen Landwirten“, sagt der 58-Jährige.

Von Monokultur bis Pestiziden


Zumindest in diesem Punkt macht er sich keine Sorgen. Denn leichter wird es für die nächste Generation wohl kaum. Massentierhaltung, Monokultur, Insektensterben, Pestizide, Nitrat – die Klagen über eine „industrialisierte Landwirtschaft“ werden immer lauter, die Liste der Pauschalurteile immer länger. Die Vorwürfe kommen vor allem aus den städtischen Milieus, die Landwirtschaft nie selbst erlebt haben. In Stormarn sind sie durch die Hamburg-Nähe aber bereits auf den Dörfern angekommen. Landwirte, die hier einen neuen Stall bauen wollen, können sich darauf verlassen, dass es großen Widerstand dagegen geben wird.

Dabei ist „jeder neue Stall ein guter Stall“, sagt Friedrich Klose, der 2015 einen modernen luftigen und offenen Stall für 150 Kühe baute. Mittlerweile sind aber auch Neubauten die Ausnahme. Sie unterliegen umfangreichen Vorschriften, Vorgaben und Auflagen und sind nur noch bei entsprechenden Betriebsgrößen wirtschaftlich darstellbar.

Anbauten sind überhaupt nicht mehr möglich, weil dann auch die älteren Gebäude auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. „Damit macht man Familienbetriebe kaputt“, sagt Klose. Die Zahl der Höfe geht landes- und kreisweit immer mehr zurück. 600 landwirtschaftliche Betriebe gab es 2017 noch in Stormarn. Gut ein Drittel (36 Prozent) machte Pferdehaltung, 17 Prozent waren Milchvieh- und 15 % Schweinehalter.

Das reduziert sich gerade weiter. „Mehrere Sauenhalter haben aufgehört, verkleinert oder hören auf. Wir werden in Stormarn wohl nur noch vier Betriebe behalten“, sagt Klose. Die Milchviehhalter haben das gerade hinter sich. Als die Preise im Keller waren, „sind 500 Milchkühe im Kreis verschwunden“, so Klose. Seine GbR hat dieselben Probleme wie alle, aber mehr als ein Standbein. Neben der Rinderhaltung mit 250 Kühen betreibt die Klöse-Köhler GbR Ackerbau und eine Biogasanlage.

Wirklich großen Handelskonzernen haben aber auch die „Groß-Betriebe“ nichts entgegenzusetzen. „Für genfreie Milch gab es vor ein paar Jahren einen Cent mehr. Jetzt gibt es weniger Geld, wenn die Milch nicht genfrei ist“, beschreibt Klose eine allgemeine Entwicklung: Aus einem Qualitäts-Vorteil wird ein Nachteil. Das erlebten die Landwirte auch bei der Tierwohl-Initiative. Zu Beginn wurden höhere Preise gezahlt, jetzt sind Abschläge für alle üblich, die das Siegel nicht haben. Klose: „Die höheren Kosten interessieren die Abnehmer nicht. Das ist aber manchmal die Gewinnmarge des Landwirts.“

Schlechtes Handeln aus rein monetären Gründen werde Landwirten gerne vorgeworfen, tatsächlich würden aber vor allem die Handelskonzerne und die Kunden nach dem Geldbeutel entscheiden, sagt der Trittauer: „Bei uns steht nachhaltiges Arbeiten an erster Stelle. Landwirte denken in Generationen und nicht von Jahr zu Jahr.“

Deshalb kann er auch mit dem Wort Agrarwende nichts anfangen. Der Wechsel hin zu einer ökologisierten Landwirtschaft wurde nach der BSE-Krise von der rot-grünen Bundesregierung zum politische Programm erhoben. Von BSE redet niemand mehr, die Politik geht aber weiter. „Für mich ist die Agrarwende ein Rückschritt“, sagt der 58-Jährige, wir wollen uns verbessern und nicht zurück.“

Vor 200 Jahren wusste man noch nicht, warum Pflanzen schlecht oder gut wachsen. Heute wird jeder Grünschnitt analysiert, ebenso der Boden oder die Gülle. Ziel ist die optimale Versorgung der Pflanzen, wobei ein Zuviel genauso von Übel ist wie ein Zuwenig. „Ich mache auch seit Jahren bei der Datenerhebung für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie mit“, sagt der Trittauer, der sich nicht damit abfinden möchte, dass Landwirte sich täglich rechtfertigen müssen und als Umweltzerstörer und -vergifter bezeichnet werden. Er weiß allerdings, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist. „Wenn wir eine Forderung erfüllen, werden zwei neue kommen, bis überhaupt keine Tierhaltung mehr möglich ist.“ Debatten wie die um Glyphosat reihen sich da nahtlos ein. „Die Diskussion wurde wie immer von der sachlichen auf die emotionale Ebene verschoben. Bei richtigem Einsatz stellt Glyphosat überhaupt kein Problem dar.“

Kreisbauerntag mit Ministerpräsident



Auch die Entkopplung der EU-Prämien von der Produktion ist eine Folge der Agrarwende. „Ich hatte schon damals befürchtet, dass man sich eines Tages nicht mehr erinnert und die Prämienzahlung an neue Forderungen knüpft“, kommentiert Klose die aktuelle Debatte darüber, die Zahlungen an Naturschutz-Auflagen zu knüpfen. Beim Kreisbauerntag am Montag, 5. März, um 10 Uhr in der Stormarnhalle in Bad Oldesloe würde er gerne hören, was Daniel Günther zu den Problemen zu sagen hat. „Ich habe ihn frühzeitig eingeladen, weil wir alle gespannt auf den neuen Ministerpräsidenten sind“, sagt Friedrich Klose. Das Thema für Günther lautet: „Warum Schleswig-Holstein eine stabile und leistungsfähige Landwirtschaft braucht.“

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