Ahrensburg : Lehrpläne und die Liebe zur Lyrik

Renate Tiedemann liest im heimischen Garten in ihrem neuen Werk.
Renate Tiedemann liest im heimischen Garten in ihrem neuen Werk.

Lustig, ernst, gesellschaftskritisch: „Verse-Schmiedin“ Renate Tiedemann aus Ahrensburg veröffentlicht ihren zweiten Gedichtband.

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24. März 2017, 06:00 Uhr

„Nächtens, wenn die Sonne scheint“ – so lautet der Titel des zweiten Lyrikbandes von Renate Tiedemann. Der widersprüchliche Name soll den Leser auf die zum Teil sehr surrealen Reime vorbereiten. Manche Gedichte darin wirken lustig, andere ernst, aber die meisten sind gesellschaftskritisch.

Die Dichterin wurde 1943 in Bad Oldesloe geboren und wuchs in Ahrensburg auf. Schon früh begann sie mit dem Schreiben kurzer Gedichte, anstatt jedoch eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, absolvierte sie nach dem Abitur ein pädagogisches Studium. Als Deutsch- und Englisch-Lehrerin unterrichtete sie an Grund- und Realschulen in Hamburg und Ahrensburg. Aber auch in dieser Zeit begleitete sie die Liebe zur Lyrik. Der enge Lehrplan ließ das Thema zwar nur ansatzweise zu, aber in Nachhilfestunden arbeitete sie mit Aufgaben mit lyrischem Bezug – und das mit Erfolg. „Die Aufgaben wurden gut aufgenommen. Die Schüler empfanden sie als Erleichterung“, erinnert sich die Stormarner Dichterin.

Quellen der Inspiration für ihre Reime findet sie überall. Die Idee zu dem Gedicht „Zwischen den Zeigern“ kam ihr beispielsweise, als sie am Bahnhof auf einen Zug wartete und die Uhr im Blick hatte. „Das Tick-Tack der Bahnhofsuhr brachte mich auf den Gedanken“, erklärt sie. „Ich wache manchmal mit einem Bild im Kopf auf – die restlichen Zeilen folgen dann“, schildert die Verse-Schmiedin den künstlerischen Prozess weiter. Einige Gedichte schreibt sie ausgehend von diesem Bild innerhalb einer halben Stunde und legt sie dann zur Seite. Nach frühestens zwei Tagen macht sie sich an die Anpassungen. Eines ist ihr dabei besonders wichtig: „Klingen muss es.“

Über die Jahre entstanden auf diese Weise diverse Werke. Freunde und Familie, besonders ihre Schwester, ermutigten und bestärkten sie im Schreiben und veröffentlichen ihrer Gedichte. 2014 erschien im Deutschen Lyrik Verlag ihr erstes Buch „Libellenduft“.

Ihre Gedichte werden meist von älteren Menschen gelesen. „Die jungen Leute nehmen sich nicht mehr die Zeit, Gedichte zu lesen“, bedauert die Autorin. Sie hegt allerdings die Hoffnung, dass sich das in der Zukunft doch wieder ändern wird. „Gedichte sprechen Menschen an – ohne sie wäre es, als ob es keine Musik mehr gäbe.“ Genau wie an Musik schätzt sie an Gedichten die Klänge und den Rhythmus. Aus diesem Grund sollten sie auch laut rezitiert werden, empfiehlt Renate Tiedemann.


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