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Lebenslang für versuchten Mord mit Schlackegabel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

23-Jähriger nach unfassbar brutalem Angriff in der Müllverbrennungsanlage verurteilt / Das Opfer (59) bleibt behindert

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2016 | 15:00 Uhr

Lebenslang für versuchten Mord. Bei der Urteilsverkündung spricht Richter Christian Singelmann von einer unfassbar brutalen Tat, die das Landgericht in dieser Form noch nicht erlebt habe. Der 23-jährige Angeklagte Jasmin A., der einen kosovarischen Pass besitzt und in Lüneburg wohnt – gekleidet in dunkelgrünem T-Shirt, olivgrünem Parka, schwarze Haare, lange Koteletten – nahm das Urteil gefasst entgegen.

Für die Familie des Opfers, das lebensgefährlich verletzt wurde und irreparable schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen davon getragen hat, ist das Urteil nur ein schwacher Trost. In Vertretung ihres Vaters (59), der seit dem Angriff mit der Schlackegabel im Rollstuhl sitzt, halbseitig gelähmt ist, schwere Hirnschädigungen erlitten hat, dessen Sprachvermögen ein Leben lang eingeschränkt sein wird, sitzen als Nebenkläger seine beiden Töchter im Gerichtssaal. Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass bei der Tat im Juni 2015 gleich zwei Mordkriterien erfüllt wurden und der Täter an keiner psychotischen Persönlichkeitsstörung leidet.

Der 23-Jährige hatte seinen Vorgesetzten hinterrücks mit einer Schlackegabel von hinten attackiert, dabei dessen Kopf derart heftig getroffen, dass sich die Zacken zehn Zentimeter tief in den Schädel bohrten und irreparable Hirnschäden verursachten. In einer Not-Op musste das Tatwerkzeug aus dem Schädel entfernt werden.

Vorangegangen war eine Diskussion über die Arbeitszeiten. Der Täter wollte nicht zwei Stunden länger in der Müllverbrennungsanlage Stapelfeld arbeiten, wo er zu seinem zweiten Arbeitstag im Auftrag einer Fremdfirma angetreten war. Das Opfer telefonierte deswegen mit seinem Vorgesetzten, der die Tat am Telefon miterlebte und die Rettungskräfte rief. Arglos stand das Opfer mit dem Rücken zu seinem Angreifer, als dieser über ihn herfiel. „Hier ist das Mordkriterium der Heimtücke erfüllt“, so Singelmann. „Ich habe ihm das Ding in sein Erbsengehirn gerammt“, so der Angeklagte vor Gericht. Von Reue keine Spur. Singelmann: „Das grenzt fast an Opferverhöhnung im Nachhinein.“ Da bleibe nur noch Sprachlosigkeit.

Angeblich habe sein Chef ihn beleidigt und als „Scheißausländer“ bezeichnet. Für eine solche Beleidigung gebe es keinerlei Beweis, und selbst wenn, rechtfertige das nicht die brutale Tat mit Tötungsvorsatz.

Als zweites Mordkriterium nennt der Richter die niederen Beweggründe des Täters. Aus Rache für eine längere Arbeitszeit habe er die Tat verübt. Und nicht nur das: Er habe sein Opfer verletzt liegen lassen, habe auf seiner Flucht zwei Autofahrerinnen massiv bedroht. Zumindest für einen Angriff sei das Kriterium der gefährlichen Körperverletzung und der räuberische Angriff auf Kraftfahrer anzunehmen. Das Einzige, was für den Angeklagten spreche, sei, dass er die Tat nicht abgestritten habe, noch jung und nicht massiv vorbestraft sei, so der Richter. Der Sachverständige bescheinigte ihm ein „antisoziales Verhalten“. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Jasmin A. weit von einer Besserung entfernt ist.

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