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Prominenter Besuch : Lebende Legende zu Gast in Trittau

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bei der 32. Stormarn Rallye des MSC Trittau war der zweifache Weltmeister Walter Röhrl als Ehrengast eingeladen und gab sich volksnah. Ein technischer Defekt bremste den 67-Jährigen allerdings vorzeitig aus.

Formel 1-Legende Niki Lauda bezeichnete ihn einst als „Genie auf Rädern“, sein damaliger Kontrahent Jean-Pierre Nicolas sagte sogar, es gäbe nur einen einzigen Fahrer auf der Welt, der jede Rallye gewinnen kann: Walter Röhrl. Der 67-Jährige ist eine lebende Legende, der einzige Deutsche, der jemals Rallye-Weltmeister wurde. Und auch wenn ihn seine Kollegen im Jahr 2000 zum „Rallyefahrer des Millenniums“ kürten, gibt es doch Momente, in denen auch der erfolgreichste Rallyefahrer aller Zeiten machtlos ist. Nämlich dann, wenn die Technik streikt.

Ausgerechnet bei der 32. Stormarn Rallye des MSC Trittau, zu der Röhrl mit seinem damaligen Co-Piloten Christian Geistörfer als Stargast eingeladen worden war, machte dem Grandseigneur des Rallyesports ein technischer Defekt zu schaffen. Nach der Hälfte der Distanz war für den gebürtigen Regensburger der Spaß beendet. Die Hinterachsbremse seines 500 PS starken Audi Quattro S 1 (Baujahr 1985) funktionierte nicht mehr – Pech und das vorzeitige Aus. Denn hexen kann der Mann aus dem Süden Deutschlands nicht, obgleich man es bei einem Blick auf seine Erfolge vermuten könnte. Zwei Mal gewann er die Weltmeisterschaft (1980 und 1982), wurde Europameister (1974) und triumphierte vier Mal bei der Rallye Monte-Carlo. Walter Röhrl war gefürchtet – niemand konnte ihm das Wasser reichen. Und obwohl der Mann alles erreicht hat, ist er immer noch ehrgeizig.

Nur allzu gerne hätte er das „Rennen“ in Trittau, an dem 55 Profi-Teams teilnahmen, beendet. Als Röhrl den eben noch knatternden Motor seines weiß-gelben Audis abstellte und ausstieg, war ihm die Verärgerung anzusehen – auch wenn er etwas gezwungen lächelte. Das Auto, hatte Röhrl einmal gesagt, sei in guten Zeiten wie eines seiner Körperteile gewesen. „Und wenn dann etwas kaputt geht, dann tut das eben weh.“

Gleichbedeutend mit einer sportlichen Niederlage war das vorzeitige Aus allerdings nicht. Denn Röhrl, der heute für Porsche als Testfahrer und in der Entwicklung tätig ist, war in Trittau nicht angetreten, um sich auf den 160 Kilometern über Stormarns Straßen mit den Jungspunden der Szene zu messen. Als Vorabwagen war er außerhalb der Wertung gestartet. Die Enttäuschung bei den Zuschauern hielt sich daher in Grenzen. Zumindest kurz hatten sie ihren Alt-Star über den Asphalt rasen gesehen und konnten dem Ehrengast nach dessen vorzeitigem Aus noch etwas näher kommen. Denn auf dem Parkplatz des Autohaus Opel Rohlf in Trittau war Röhrl wenig später von Fans umringt. Dort fand sich ein weiteres Originalfahrzeug aus der damaligen Zeit: ein Ford Capri. In diesem Sportwagen hatte die Karriere der Rallye-Legenden Walter Röhrl und Klaus-Joachim Kleint begonnen. 1971 von „Jochi“ Kleints Bruder Ernie in dessen Werkstatt „getunt“, gewann Röhrl ein Jahr später damit die legendäre Olympia-Rallye. Es war der Beginn einer Bilderbuchkarriere.

Der gelb-blaue Ford hatte irgendwann seinen Dienst getan, doch jetzt stand er in Trittau wieder im Mittelpunkt. Mit Hilfe von Sponsoren soll der kultige Sportwagen wieder aufgebaut werden. „Das Auto stammt aus unserer Familien-Werkstatt und soll jetzt ein Gemeinschaftsprojekt werden“, erklärte Kleint. Rund 100 000 Euro wurden bereits investiert. „Für weitere Maßnahmen ist jeder Cent willkommen“, grinste Kleint, während er das Geschoss beäugte wie ein kleines Kind, das an Weihnachten seinen ersten Rennwagen geschenkt bekommen hat.

Kleint war froh, nach Trittau gekommen zu sein – um Kontakte zu knüpfen, aber auch um die Rallye zu verfolgen: „Hier wurde den Fahrern Einiges abverlangt, der Untergrund waren teilweise nass, teilweise sandig, die Streckenführung anspruchsvoll.“ Das sei im Sinne des Sports. „Rallye fahren ist wie ein Zehnkampf. Man muss mit den Umständen zurecht kommen und flexibel in den Fähigkeiten sein“. Dies gelang am besten Jan Becker. Der Lokalmatador gewann auf seinem Subaru WRX souverän die 32. Auflage der Rallye. Und so war es kein Wunder, dass Stefan Heer, Vorsitzender des MSC Trittau, von einer gelungenen Veranstaltung schwärmte. „Es waren rund 3000 Besucher an der Strecke – so viele wie noch nie“, freute sich der Clubchef. „Unser Konzept, die Legenden des Rennsports nach Trittau zu holen, ist voll aufgegangen.“

 

Ein Interview mit Walter Röhrl lesen Sie in der heutigen Ausgabe des Stormarner Tageblatts.

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erstellt am 02.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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