"Leben unter dem Hakenkreuz"

Lehmann
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22. Februar 2011, 08:13 Uhr

Bad Oldesloe | Am morgigen Mittwoch bieten das Stadtarchiv Bad Oldesloe und das Kreisarchiv Stormarn den zweiten Vortrag der Reihe "Leben unter dem Hakenkreuz. Stormarn und Schleswig-Holstein im Nationalsozialismus" an. Ab 19.30 Uhr spricht der Historiker Sebastian Lehmann über die Stormarner NSDAP-Kreis leiter. Da beim ersten Vortrag der Reihe mehr als 90 Zuhörer kamen, wird der zweite Vortrag in den Kreistag verlegt.

Am Beispiel der Kreisleiter aus Stormarn und anderen Regionen beschäftigt sich Lehmann mit dem personellen Rückgrat der NSDAP. Wie kaum eine andere Gruppe verkörperten Männer wie Erich Friedrich sowohl in ihrer Außendarstellung wie auch in ihrem Machtanspruch das Erscheinungsbild des Nationalsozialismus in der Region. Ausgestattet mit formal nur vage umrissenen, in der Praxis jedoch ausufernden Kompetenzen gestalteten diese Parteifunktionäre die politischen Verhältnisse in den von ihnen "betreuten" Kreisen wesentlich mit - sei es durch die Anordnung von "Schutzhaft" gegen politische Gegner, durch die weltanschauliche Schulung von "Parteigenossen" oder durch die Inszenierung der deutschen "Volksgemeinschaft" im Rahmen von NS-Feierlichkeiten. Im Mittelpunkt stehen vor allem Fragen nach der Rolle und dem sozialen Profil einer regionalen Machtelite im Herrschaftsgefüge des NS-Staats.

Erich Friedrich (1901 bis 1971) war gelernter Schmied und kam 1925 zur NSDAP. Nach wenigen Monaten als Kreisleiter in Bordesholm übernahm er am 1. Oktober 1932 dieses Amt in Stormarn. Als machtbewusster Nationalsozialist bestimmte er von Bad Oldesloe aus die politischen Verhältnisse im Kreis bis 1945 wesentlich mit und geriet dabei auch in Konflikt mit Landrat Constantin Bock von Wülfingen in Wandsbek, weil er Oldesloe zum politischen Zentrum Stormarns ausbauen wollte.

Bei der Verfolgung von politischen Gegnern oder Widerstand gegen Maßnahmen der NSDAP übte er massiven Druck auf die Betroffenen aus. Nach einer mehrjährigen Internierung wurde Erich Friedrich 1948 zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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