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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 11:45 Uhr

Leben auf Gut Trenthorst

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Im Sommer erscheint eine spannende Chronik ab 1900

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2015 | 11:17 Uhr

„Die Trenthorster Geschichte ist mehr als spannend“, so Historikerin Dr. Karin Gröwer. Seit einem Jahr durchstöbern sie und ihre Kollegin Barbara Günther systematisch Archive, Dokumente und alte Fotos, um eine über 100-seitige Chronik des Guts Trenthorst zu erstellen. Im Fokus stehen die letzten 100 Jahre. „Wir fangen etwa um 1900 an“, so Gröwer. Hunderte von historischen Fotos haben die Historikerinnen bereits zusammengetragen – manche im sehr guten, manche in einem desolaten Zustand, so dass sie noch für das Buch neu bearbeitet werden müssen. Einfach sei die Recherche nicht, aber sie mache, so betonen beide Frauen, sehr viel Spaß. Man komme doch den Menschen der damaligen Zeit sehr nahe und habe auch den einen oder anderen Zeitzeugen getroffen, der aus der „guten alten Zeit“ eine Menge zu berichten wusste.

Die Idee zu der Chronik kam von Ute Schlichting aus Trenthorst, die nach dem Tod ihres Mannes Dr. Michael Schlichting, der jahrelang im Trenthorster Institut als Diplom-Landwirt in der Forschung wirkte, Geld für eine Chronik sammelte. Unterstützt wird das Geschichtsprojekt außerdem vom Trenthorster Förderverein, der Gemeinde Westerau und dem Förderverein des Thünen-Instituts für ökologischen Landbau.

„Die Chronik soll nicht nur Zahlen übermitteln, sondern auch zeigen, wie das Leben damals und heute auf Gut Trenthorst war – nämlich lebendig und spannend“, betont Carl-Friedrich Wodarz, ehemaliger Vorsitzender des Trenthorster Fördervereins. Und Institutsleiter Prof. Dr. Gerold Rahmann ergänzt: „Als ich vor 15 Jahren hierher kam, wollte ich das Trenthorster Institut verändern. Aber es kam anders. Die 600 Jahre Geschichte auf dem Gut haben mich verändert.“

Die Historikerinnen sind noch auf der Suche nach Fotos – insbesondere von den „Stubenläden“ und von der Landarbeit, privaten Gärten und der Geflügelhaltung (www.Trenthorst.de).

Das im spätklassizistischen Stil im Jahre 1860 erbaute Herrenhaus wurde um die Jahrhundertwende von Kommerzienrat Friedrich Thörl erworben, der es gründlich umbaute und zu dem noch heute sichtbaren Gesamtensemble werden ließ. Der Industrielle aus Hamburg zeigte sich großzügig, baute neue Stallungen eine Gärtnerei, errichtete eine Freiwillige Feuerwehr, baute ein Badehaus am Mühlenteich sowie Arbeiterwohnanlagen in Wulmenau. „Die waren einfach, aber sauber und für die damalige Zeit einwandfrei“, so Gröwer. Thörl habe viel auf die Beine gestellt. Über 80 Mitarbeiter zählte das Gut zu seiner Zeit, wie ein Foto belegt.

Die Historikerinnen konnten den Kontakt zu einer Enkelin des Besitzers herstellen, die 1922 auf Trenthorst geboren wurde. 1928 kaufte der Oldesloer Margarinefabrikant Friedrich Bölck das Trenthorster Gut und betrieb dort Milchwirtschaft, Viehzucht und baute Raps an. Ein Fotoalbum belegt Bölcks Zeit, zu der sich die Deutsche Friedensbewegung im Herrenhaus traf, das mit Marmorböden, einem Wintergarten und einer Kegelbahn für Gäste „sehr prächtig“ ausgestattet war. Mit einem Rabattmarkensystem ermöglichte der Fabrikant Ferien für Kinder und Familien in Trenthorst. Philipp F. Reemtsma erwarb Trenthorst im Jahre 1936.

660 Hektar wurden 1947 an das Max-Planck-Forschungsinstitut für Tierzucht gegeben. Die Gebäude wurden saniert, Labore eingerichtet. 1971 ging es in die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) über. 2000 wurde das Institut für ökologischen Landbau der FAL in Trenthorst gegründet, das nach Auflösung der FAL 2008 in das Thünen-Institut integriert wurde. „Wir werden auch Themen wie Kindheit, Feldarbeit oder Erntedankfest mit Erntekrone aufgreifen“, freuen sich die Historikerinnen auf das Erscheinen der Chronik im Sommer 2015. Institutsleiter Rahmann erinnert daran, dass die heute im Herrenhaus hängende Erntekrone noch von seiner 1. Ernte im Jahre 2001 sei: „Bis ich weggehe, wird sie bestimmt nicht abgehängt.“

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