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Bauerntag : Landwirtschaft: Nur regional ist auch keine Lösung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beim Kreisbauerntag am Freitag in Bad Oldesloe spricht Prof. Dr. Sebastian Hess über Mythen und Fakten.

Nicht das neue Landesnaturschutzgesetz, sondern „Nahrungsmittel auf Weltreise“ stehen im Mittelpunkt des Kreisbauerntags am 19. Februar in Bad Oldesloe. Die Landwirte treffen sich dieses Jahr ausnahmsweise an einem Freitag in der Stormarnhalle.

Das Hauptreferat über „Mythen und Fakten zur Globalisierung der Welternährung“ hält Prof. Dr. Sebastian Hess, vom Institut für Agrarökonomie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

Heute kann jeder fast alles zu fast jeder Zeit kaufen, und gleichzeitig gibt es eine immer größere Verunsicherung, wie sich die globale Nahrungsmittelproduktion auswirkt. Fair Trade, Bio-Siegel, Regionalität – in Befragungen sagen Verbraucher immer wieder, dass sie gesunde und „nachhaltige“ Lebensmittel wollen, am besten aus der Region. Die tatsächliche Kaufentscheidung fällt aber häufig anders aus, weil es viele „Trittbrettfahrer“ gebe, so Dr. Hess, die sich im Supermarkt dann doch für das billigere Produkt entscheiden – und damit alle anderen den Preis für das gesellschaftlich eigentlich Gewollte bezahlen lassen.

Wenn man nicht gegensteuere, könne dieses Phänomen der heimischen Produktion über kurz oder lang schweren Schaden zufügen, so Hess, der damit aber keineswegs gegen den weltweiten Handel mit Lebensmitteln argumentiert. Im Gegenteil: Exotische Früchte wachsen nur im sonnenreichen Süden, Weizen oder Milch lassen sich in tropischen Regionen dagegen nur schwierig produzieren. Wenn man regional unterschiedliche, natürliche Produktionsvorteile durch weltumspannenden Handel besser nutze, ergebe das für die meisten Menschen ein verbessertes Nahrungsangebot.

„Handel ist wohlfahrtsfördernd, wenn wir die gegenseitigen Kostenvorteile nutzen“, sagt auch Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Die öffentliche Debatte über Regionalität und Nachhaltigkeit gehe häufig „an der Lebenswirklichkeit der Wirtschaft, der Landwirtschaft und der Verbraucher vorbei“, so Koll.

China-Krise, Russland-Embargo und eine weltweit lahmende Konjunktur haben die Preis für Rohstoffe und Lebensmittel in den letzten Monaten in den Keller fallen lassen. Für Brotgetreide werden zurzeit nur 15 Euro je Tonnen gezahlt, bei der Milch geht der Strukturwandel weiter, „ist im Moment aber nicht so stark wie vor 15 Jahren, als zehn Prozent der Höfe aufgegeben haben“, sagt Koll.

Dass Schleswig-Holstein bei der Milchproduktion immer noch deutliche Standortvorteile gegenüber anderen Regionen habe, zeigt sich an der Menge. Im Land wird drei bis 3,5-mal so viel Milch produziert wie verbraucht. „Deshalb müssen wir uns über den Absatz Gedanken machen“, so Koll.

Bedrohlich könnte sich der niedrige Schweinepreis auswirken. „Die geringen Schlachtpreise werden durchgereicht“, sagt Koll, „der Mäster kann seinen Stall leer stehen lassen, der Sauenhalter nicht – er muss weiterproduzieren oder ganz aufgeben. Und rückholbar ist das eigentlich nicht.“

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