Bad Oldesloe : Landwirte wollen nicht länger am Pranger stehen

War Hauptredner beim Kreisbauerntag in der Stormarnhalle: Ministerpräsident Daniel Günther.
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War Hauptredner beim Kreisbauerntag in der Stormarnhalle: Ministerpräsident Daniel Günther.

Klare Worte beim gut besuchten Kreisbauerntag in der Stormarnhalle.

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06. März 2018, 06:00 Uhr

Ministerpräsident Daniel Günther war Hauptredner des Kreisbauerntags, doch Lars Wichmann von den jungen Landwirten hatte mit deutlichen Worten klar vorgelegt. „Wir haben heute den höchsten Wissensstand, aber die geringste gesellschaftliche Akzeptanz. Es kann nicht sein, dass wir ohne wissenschaftliche Begründung an den Pranger gestellt werden. Ich fühle mich ins Mittelalter zurückversetzt“, sagte der 25-Jährige , der seinen Beruf nicht gewählt habe, „weil ich Tiere quälen und die Umwelt vergiften will.“

Wichmann sprach von Hetze gegen die Landwirtschaft, warb aber auch dafür, aufzuklären und mit den Kritikern zu sprechen. „Wir machen schon vieles richtig, aber müssen auch darüber reden, was wir Gutes tun“, so der studierte Landwirt vom Reinfelder Travenhof. Und wenn die Konsumenten nicht mit den Landwirten zusammenarbeiteten, „wisst ihr nachher nicht mehr, wo euer Essen herkommt.“ Das Thema griffen Kreisvorsitzender Friedrich Klose und Landesvorsitzender Werner Schwarz aus Rethwisch auf. Der Staat, der das Gewaltmonopol habe, müsse die Landwirtschaft „vor abstrusen Vorgaben und fragwürdigem Vorgehen“ schützen, so Schwarz mit Blick auf den Ministerpräsidenten. „Wer mehr Tierwohl will, muss mit den Bauern reden und nicht in deren Ställe einbrechen oder Landwirte und deren Kinder an den Pranger stellen“, so Klose.

„Wir arbeiten jeden Tag dafür, dass es unseren Tieren und Pflanzen gutgeht“, so der Trittauer. Auch Artenvielfalt und Naturschutz seien nur mit den Landwirten möglich: „Wiesenvögel brauchen Wiesen und keine Ökosteppe. Und wollen die Naturschützer 45 000 Kilometer Knicks pflegen?“ Große Probleme bereitet – nicht nur – der Landwirtschaft die immer weiter zunehmende Regulierungswut. Man könne nicht mal mehr einen Briefkasten an einer Biogasanlage anbringen und die Düngeverordnung sei in Teilen „so kompliziert, dass selbst Berater nicht immer Antworten auf die Fragen der Bauern haben.“ Nicht Sachkunde und die tatsächlichen Auswirkungen stünden im Vordergrund, „Hauptsache die Papierlage ist in Ordnung“, so Klose.

Man werde sich dafür einsetzen, dass alles „deutlich weniger bürokratisch wird“, versprach Daniel Günther. Schließlich wisse er selbst, dass Förderprogramme ins Leere liefen, weil viele schon gar keine Anträge mehr stellten, weil das zu aufwändig und kompliziert sei. Die wesentlichen Entscheidungen würden zwar vor allem in Brüssel und Berlin gefällt, die Kieler Koalition werde ihre „pragmatische Arbeit aber auch mit dem neuen Umweltminister fortführen.“

Dass Werner Schwarz sich einen zweiten Robert Habeck wünschte, relativierte der Landesbauernpräsident gleich wieder. „Wenn ein Fachminister in der Diskussion über Glyphosat die Argumente mit einer emotionalen Geste vom Tisch wischt, habe ich ein Problem damit,“ so Schwarz, der sich mehr freiwillige Zusammenarbeit wie in der Gewässer-Initiative wünschte.

Dass versucht wird, mit Emotionen Stimmung zu machen, sah auch Günther so. „Politik muss sich unabhängig machen und darf sich nicht von bestimmten Gruppen dominieren lassen“, so der Ministerpräsident. Und mit Gruppen, denen es „nur darum geht, Landwirte zu diskreditieren, spreche ich gar nicht.“

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