Landjugend-Event vor dem Aus

Stimmung schon beim Aufbau: Loofts Bürgermeister Hans-Hermann Holm lobt, dass die Organisatoren alles selbst organisieren und am nächsten Tag alles wieder abgebaut ist. Die Gemeinde habe jedenfalls keine Not mit dem Veranstaltungstermin.
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Stimmung schon beim Aufbau: Loofts Bürgermeister Hans-Hermann Holm lobt, dass die Organisatoren alles selbst organisieren und am nächsten Tag alles wieder abgebaut ist. Die Gemeinde habe jedenfalls keine Not mit dem Veranstaltungstermin.

Anonyme Anzeige bringt Behördenapparat ins Rollen: Polizeibeamte klagen offenbar über Arbeitsüberlastung und weisen auf Feiertagsregelung hin

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24. Juli 2013, 03:59 Uhr

Looft | Während in Wacken die letzten Vorbereitungen für die mit Abstand größte Freiluftveranstaltung im Kreis laufen, steht die erste Open-Air-Veranstaltung nach der Winterpause vor dem Aus. Seit 20 Jahren richtet die Landjugend Steinburger Geest an Gründonnerstag ihr Osterfeuer aus. Bis zu 7000 Besucher lockt es bei freiem Eintritt an. Im nächsten Jahr werden die Jugendlichen sich wohl andere Vergnügungsmöglichkeiten suchen müssen. Auf eine anonyme Intervention hin, die bis zum Innenministerium ging, soll das Osterfeuer an dem Gründonnerstag nicht mehr stattfinden dürfen - weil damit die Ruhe am Karfreitag gestört werde.

Ein DJ macht Musik, es gibt Getränke- und Imbiss-Stände, das meist jugendliche Publikum feiert. Da diese Party die einzige im Umkreis ist, kommen Besucher anderer Landjugenden selbst aus den Kreisen Rendsburg, Pinneberg und Dithmarschen. "Das alles steht jedoch vor dem Aus", beklagt Lisa Breiholz, die 2. Vorsitzende der Landjugend.

An diesem Vorgang scheiden sich mittlerweile die Geister, denn alle an der Planung, Genehmigung und Durchführung Beteiligten beteuern, dass sie sowohl am Verlauf, als auch am Verhalten der Organisatoren (Landjugend) und auch der Besucher im Prinzip nichts auszusetzen haben. Wie konnte es dann dazu kommen, dass eine eigentlich allseits gewollte Veranstaltung plötzlich keine Genehmigung mehr erhält?

Der zuständige Ordnungsamtsleiter des Amtes Schenefeld, Gerhard Tolksdorf, beschreibt das Problem und seinen Urheber: "Es gibt eine anonyme Beschwerde eines Polizisten, der an diesem Abend die Arbeitsüberlastung beklagt." Dieser argumentiere mit der Frage, wie es sein könne, dass ein Fest genehmigt werde, das ab Mitternacht in die Ruhe des "stillen Feiertages" falle.

Die schriftliche Beschwerde sei auf dem Dienstweg bis zum Innenministerium in Kiel weitergeleitet worden, von dort aus sei die Genehmigungsbehörde vom Amt Schenefeld um eine Stellungnahme gebeten worden. Tolksdorf weist darauf hin, dass dem Fest die Genehmigung nicht gänzlich entzogen sei, sondern nur für diese Zeit ab Mitternacht.

Das jedoch würde die Landjugend in eine Krise stürzen, so Lisa Breiholz. "Denn wenn wir um Mitternacht bei 5000 Leuten die Musik abstellen, dann steigen die uns aufs Dach, und es wäre auch keine vernünftige Party mehr", zumal die meisten ohnehin erst kurz vorher dort erscheinen. Die Konsequenz wäre für die Veranstalter, das Fest verlegen zu müssen. "Nur stehen wir dann in Konkurrenz zu anderen Veranstaltungen, und es würden nicht mehr so viele Gäste zu uns kommen", erläutert die 2. Vorsitzende das Dilemma.

Auf die Party ist die Landjugend jedoch angewiesen, da sie ihre gesamten Aktivitäten des Jahres aus den Einnahmen bestreitet. "Ich könnte das Osterfeuer auf der gleichen Basis wie im vergangenen Jahr genehmigen", sagt Tolksdorf. "Nur würde ich dann eine rechtliche Auseinandersetzung riskieren, und das möchte ich nicht."

Unterstützung erhält die Landjugend auch aus dem Dorf. Loofts Bürgermeister Hans-Hermann Holm sagt, es habe niemals Schwierigkeiten gegeben, im Gegenteil: "Die jungen Leute bauen alles selbstständig auf und wieder ab. Am nächsten Mittag ist von der ganzen Veranstaltung nichts mehr zu sehen." Auch Beschwerden wegen Lärmbelästigung habe es nie gegeben, da das Veranstaltungsgelände weit außerhalb liegt. "Und die Bauern der Umgebung sind froh, dass sie ihren Baumschnitt für das Feuer auf günstige Weise los werden." Dieser werde unter Überwachung der Behörden sogar so verbrannt, dass nicht mal Tiere gefährdet würden. Tolksdorf weist außerdem darauf hin, dass der anonyme Anzeiger so viel gar nicht gewonnen hätte. "Die Polizei müsste das Feuer auch am Sonnabend begleiten, was ihre Arbeitsbelastung nicht eben verringern, sondern allenfalls verlagern würde."

Für die Besucher ist das Osterfeuer die einzige Gelegenheit, an diesem Abend zu feiern, so auch für Carsten Rathge, Sven Borchers und Tore Rösch aus Poyenberg. Seit Jahren besuchen sie mit 20 Leuten in einem Bully das Osterfeuer. "Wenn Alkohol getrunken wird, gibt es immer mal wieder Aggressionen und auch Schlägereien, was man kritisieren kann", sagt Rathge. Dagegen Tore Rösch: "Das Osterfeuer Looft ist ein Highlight im Jahr. Ich habe nie größeren Ausschreitungen gesehen, nicht einmal die Polizei fällt auf."

Bei der Polizeidirektion Itzehoe geht man auf Anfrage unserer Zeitung nicht konkret auf die anonyme Anzeige aus den eigenen Reihen und die im Raum stehende Arbeitsüberlastung der Beamten ein. Allerdings weist ein Sprecher darauf hin, dass die Veranstaltung früher im kleinen Rahmen stattgefunden habe und meist vor Mitternacht beendet gewesen sei. Das Osterfeuer sei aus polizeilicher Sicht daher bewertet worden wie alle anderen vergleichbaren Veranstaltungen. Im Laufe der Jahre sei die Teilnehmerzahl aber immer größer geworden. Wörtlich heißt es aus dem Itzehoer Polizeihochhaus: "Da die Teilnehmerzahl an der Veranstaltung aber aufgrund der jährlichen Zunahme nunmehr sehr hoch ist, sich die Ressourcen und die Aufgabenerfüllung der Polizei ebenfalls geändert haben und hier natürlich aufgrund des Karfreitags eine besondere Rechtslage besteht, musste hinterfragt werden, ob die bisherige Genehmigungspraxis so weiter aufrechterhalten werden kann." Und weiter: Beim Karfreitag handele es sich um einen sehr hohen kirchlichen Feiertag, an dem per Gesetz sogar das hohe Gut der Versammlungsfreiheit eingeschränkt ist. Gegen eine Verschiebung des Osterfeuers auf einen anderen Tag, zum Beispiel den Ostersonnabend, habe die Polizei aber - auch in Rücksprache mit den Ordnungsbehörden - nichts einzuwenden. Hinter vorgehaltener Hand wird in Polizeikreisen allerdings die Frage aufgeworfen, "warum ein solches Besäufnis an einem Karfreitag stattfinden kann". Auch seien die Beamten immer wieder mit hilflosen Personen oder Körperverletzungen konfrontiert worden.

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