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Landesstraßen sind rott: Bald drohen Sperrungen

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Landesbetrieb Straßenbau schlägt Alarm: Zu wenig Geld für die Sanierung

Kiel | Der stillgelegte Nordostseekanal - ein Eldorado für Frösche, Biber und Angler. Und aus den Rissen im Asphalt wichtiger Straßen sprießen Bäume und Unkraut. Ein Horrorszenario für Schleswig-Holstein - das aber Realität werden könnte. Die Infrastrukur im Norden verfällt - und zwar nicht nur Schleusentore und Bundesbrücken. "Wird weiterhin so wenig Geld in die Straßensanierung gesteckt, sind in zehn Jahren alle Landesstraßen in einem desolaten Zustand", lautet die Botschaft des Landesbetriebes Straßenbau. Die Behörde empfiehlt bereits, "eine Dringlichkeitsreihung aufzustellen" und nur noch Straßen mit großem Verkehrsaufkommen zu erhalten.

"Der größte Teil des Landesstraßennetzes - also knapp 3000 der 3670 Kilometer - müsste dann aufgegeben werden", heißt es in einem Bericht der Experten. Je nach Zustand werden diese Straßen in den nächsten Jahren nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr befahrbar sein. Mittelfristig müsse die Bevölkerung auch mit "zustandbedingten Vollsperrungen" rechnen.

"Die finanziellen Aufwendungen für den Erhalt des Landesstraßennetzes sind deutlich hinter der Verkehrsentwicklung zurück geblieben", erklärte gestern Behördenleiter Torsten Conradt. "Die Konsequenz daraus ist, dass gut 30 Prozent des Straßennetzes schon jetzt sanierungsbedürftig sind", warnt Conradt. Dort werde der Warnwert von 3,5 auf der Notenskala bis 5 überschritten. Im Jahre 2005 traf das nur für 17 Prozent des Straßennetzes zu.

Zum Erhalt der Fahrbahnen sind nach Ansicht von Experten jährlich mindestens 1,16 Euro pro Quadratmeter erforderlich, tatsächlich stehen im Norden aber weniger als 0,47 Euro zur Verfügung. Deshalb gibt es auch immer mehr Verkehrsbeschränkungen.

Derzeit müssen Autofahrer auf 684 Kilometer langsam fahren. Wie rapide das Straßennetz verfällt, zeigt die Vergleichszahl von 2009: Damals musste nur auf einer Strecke von 290 Kilometern Rücksicht auf den schlechten Straßenzustand genommen werden. Die Folgen sind erheblich. "Busse können ihren Fahrplan nicht einhalten, die Firmenansiedlung ist wegen der schlechten Erreichbarkeit schwierig und Rettungswagen brauchen länger", warnt die Conradt-Behörde. Nur um den maroden Istzustand zu halten, seien 30 Millionen Euro pro Jahr nötig. Bewilligt werden 2013 jedoch nur 12 - in den kommenden Jahren noch weniger. "Die Regierung will 2014 740 Millionen Euro mehr ausgeben. Dieses Geld geht aber komplett für rot-grün- blaue Lieblingsspielwiesen drauf", empört sich UnionsFraktionschef Callsen und verglich den Staßenzustandsbericht mit einem Offenbarungseid.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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