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Bad Oldesloe : Kunstschätze dürfen aus der Kiste

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Oldesloer Heimatmuseum gewährt Einblicke in seine Sammlung zeitgenössischer Werke.

Im Heimatmuseum schlummern jede Menge Schätze in Kisten, Kartons und Schränken. Nur zu besonderen Anlässen werden sie hervor geholt und der Öffentlichkeit präsentiert. Viele Oldesloer haben Stücke ihrer privaten Kunstsammlungen oder eigene Werke dem Heimatmuseum überlassen. „Wir beherbergen eine Sammlung an zeitgenössischer Kunst“, erklärt Petra Maria Schark, Leiterin des Heimatmuseums. Dazu gehören viele Bilder der Oldesloer Malerin Else Wex-Cleemann (1890 – 1978) sowie mehrere meisterliche Keramiken des Künstlerehepaars Jutta und Siegfried Schneider-Döring, die im Jahr 1998 mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung erworben werden konnten. Auch die Oldesloer Keramikerin und Malerin Ursula Corinth stiftete dem Heimatmuseum viele ihrer Arbeiten, die jetzt in einer besonderen, kleinen Ausstellung bewundert werden können. Anton Szabo, Achtklässler der Ida-Ehre-Schule, half im Rahmen eines Praktikums, die Ausstellung zu gestalten.

Früher hingen viele der jetzt ausgestellten Bilder im engen Treppenhaus, das vom hinteren Eingang in die Museumsräume führt. „Wir mussten sie aus Brandschutzgründen alle abhängen“, bedauert Petra Maria Schark, die jetzt die bekanntesten Werke für die Ausstellung auswählte. Dazu gehört auch ein kleines Aquarell von Tosca Auerbach, die sich auch noch im stolzen Alter von 90 Jahren ihrem Hobby der Aquarellmalerei widmet. Das Bild zeigt die Landschaft zwischen Wolkenweher Weg und Hohenkamp mit Wiesen und einem Teich. Tosca Auerbach, die ebenso wie Ursula Corinth zur Ausstellungseröffnung ins Heimatmuseum gekommen ist, zeigt auf ein Ölgemälde, das auf einer Staffelei steht. Der Oldesloer Architekt und Maler Siegfried Moll, den es infolge der Kriegswirren nach Bad Oldesloe verschlug, malte in den 50er Jahren die bunten Häuser in der Besttorstraße. „Hier links im Deutschen Haus habe ich im Jahr 1943 mein erstes Mittagessen gegessen, bezahlt wurde mit Marken“, erinnert sich die Seniorin. Und so erzählt jedes der Ausstellungsstücke eine kleine Geschichte aus früheren Zeiten und lädt zum Erinnern sowie zu Anekdoten und Gesprächen ein.

„Else Wex-Cleemann bezahlte nicht nur ihre Zahnarztrechnungen bei Dr. Lüthje mit ihren Bildern. Deshalb müssten ihre Gemälde noch in einigen Privathaushalten hängen“, vermutet Tosca Auerbach. Acht großformatige Werke sind im rechten Flügel des Stadthauses ausgestellt. Sie werden zum Jahreswechsel gegen einige Frauenakte der Künstlerin ausgetauscht.

Ursula Corinth holt ein Fliesenbild mit einem bunten Hahn aus der gläsernen Vitrine, es ist eines ihrer frühen Werke. „Das war bisher alles in Kisten versteckt. Einige Sachen habe ich aber auch noch zu Hause aufbewahrt. Eine Stadtansicht von Bad Oldesloe auf Kacheln steht in meiner Küche“, erzählt die 84-Jährige, die früher in Neritz, Hamburg-Bramfeld und in der Kreisstadt eine eigene kleine Galerie betrieb. „Meinen ersten Topf fertigte ich 1945 aus Trümmern, die ich in Hamburg fand, das war ein ganz plumpes Ding.“ Die Künstlerin holt einen kleinen kupfernen Kerzenständer aus ihrer Tasche, den sie ebenfalls kurz nach dem Krieg aus Überresten von alten Badeöfen anfertigte. „Ich hänge dran, denn er hat alle Umzüge mitgemacht“, sagt Ursula Corinth. Von ihr stammt auch ein kleines Bild mit einer Ansicht der Mennokate, zu dem sich noch zwei weitere Motive von Klaus Käselau und Rudolf Greve gesellen. Letzterer arbeitete fast 40 Jahre als Kunsterzieher am Gymnasium. Von Greve stammt auch ein sehr eindrucksvolles Ölgemälde mit dem schlichten Titel „Dame“ aus dem Jahr 1944 sowie ein Bild des Klosters Nütschau. Weitere Bilder stammen von Ruth und Werner Tietjens, Paul Hannes sowie von Otto Graf Kerssenbrock.

Petra Maria Schark ist noch auf der Suche nach einem Werk des Oldesloer Original Carl Christian Thegen, der seine inzwischen begehrten und geschätzten Werke naiver Malerei zu Lebzeiten meist verschenkte. „Vielleicht hängt ja irgendwo ein Krischan Thegen? Außerdem hätten wir gerne noch Bilder von Gerhard Schulte-Dahling“, so die Museumsleiterin.

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