Wenzel-Hablik-Malereien : Kunstschätze an der Bad Oldesloer Schuldecke

Die zukünftige Aula: Die kostbare Malerei soll unter einer Schallschutzdecke verschwinden. Fotos: Olbertz
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Die zukünftige Aula: Die kostbare Malerei soll unter einer Schallschutzdecke verschwinden. Fotos: Olbertz

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21. April 2010, 07:49 Uhr

bad oldesloe | Wenn man einen Altbau saniert, ist man vor Überraschungen nie gefeit. So ergeht es jetzt auch der Stadt mit dem Haus 18 der Theodor-Storm-Schule. Mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm soll es saniert werden. Seit einem Jahr steht das Haus unter Denkmalschutz, weil unter einer abgehängten Decke im Erdgeschoss wertvolle Malereien sind.

Am 11. März wurde mit dem Denkmalschutz eine Vereinbarung getroffen: Die Malereien im Erdgeschoss werden sorgsam wieder "weggepackt", im Treppenhaus werden sie saniert. Wenige Tage später dann der große Paukenschlag. Auch im Obergeschoss befinden sich unter dem weißen Anstrich die farbigen Linien. Nicht nur an der Decke, auch an Pfeilern, ja sogar an den alten Fensterrahmen zeugen kleine bunte Rechtecke davon, dass unter dem Anstrich die wertvollen Originalfarben noch vorhanden sind.

Die Malereien stammen von Wenzel Hablik - Textildesigner, Architekt und Maler aus Itzehoe. Einer der bedeutendsten expressionistischen Künstler Deutschlands. Und ausgerechnet der hat das ehemalige Bölcksche Kontorhaus von innen gestaltet.

Und wie geht die Stadt jetzt mit dem Schatz um? Diese Frage wurde im Bauausschuss kontrovers diskutiert. Über die Fraktionsgrenzen hinweg fanden sich mit Architekt Siegfried Wobig (CDU) und Kunsthistorikerin Dr. Tamara Thiesen (SPD) engagierte Fürsprecher für eine größtmögliche Sichtbarmachung der Malerei - das klang schon fast nach der Umwandlung in ein Museum. "Was wir an Kunst haben, sollten wir hegen und pflegen", argumentierte Dr. Thiesen. Sie und Siegfried Wobig wollten ein klares Votum des Ausschusses.

Maria Herrmann von der SPD trat auf die Bremse: "Denkmalschutz ist das eine, Schulraumnot das andere. Hier müssen auch Kosten und andere Fakten auf den Tisch." CDU-Vertreter Hauke Heesch sah das ähnlich: "Die Kunst ist doch nicht weg, bloß weil wir jetzt eine Wand davor machen."

Freilegung und Schulbetrieb zugleich harmoniert nicht. Wie Andreas-Joachim Weich vom Bauamt darlegte, seien die Schallschutz-Richtlinien bei einer Freilegung der Malereien nicht einzuhalten. Aufwändige Verkleidungen seien aus statischen Gründen auch nicht möglich.

Heute Nachmittag findet ein Ortstermin von Politik, Verwaltung und Fachleuten statt. Dabei sollen alle Möglichkeiten ausgelotet werden. Am Montag ist eine Sondersitzung des Bauausschusses geplant.

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