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Kulturprojekt in Stormarn : Kunst trifft Wirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kultur und Wirtschaft sind nicht gerade bekannt dafür, besonders gut zusammen zu passen. Das Projekt KunstBetriebe vereint diese beiden Bereiche. Künstlerin Pia Obel hat sich in der Sparkasse Holstein inspirieren lassen.

In Schleswig-Holstein werden in den kommenden Wochen zwölf Unternehmen zu KunstBetrieben. Die Unternehmen öffnen ihre Türen für norddeutsche und dänische Künstler, die ausschließlich Material und Werkstoffe verarbeiten, die sie im jeweiligen Betrieb vorfinden. Im Kreis Stormarn sind die Sparkasse Holstein und Hass & Hatje in Bad Oldesloe beteiligt, und in Ahrensburg wird die Christoph Kroschke GmbH zum KunstBetrieb.

Das Projekt startet in der kommenden Woche in der Sparkasse Holstein. Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Lüdiger versichert, dass es keine Vorgaben für die Kunstwerke gebe. „Nur durch die Tür muss es passen“, ergänzt Dr. Katharina Schlüter, Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn. Vom 21. bis 25. September ist die dänische Künstlerin Pia Obel zu den normalen Öffnungszeiten vor Ort und gestaltet ihr Werk. Sie hat sich bereits Material in den Räumen des Geldinstituts ausgesucht und zeigt sich begeistert von der Vielfalt, die die Sparkasse hergibt. Der Gegensatz zwischen Kunst und dem Geschäft von Banken, schafft dabei ein interessantes Spannungsfeld. Lüdiger bekennt: „Banken gelten als bürokratisch, Kunst hingegen als kreativ und grenzüberschreitend“ . Er ist neugierig auf das, was die Künstlerin daraus macht.

Pia Obels Kunst ist geprägt von menschlichem Miteinander. Dabei sind es die Momente der Entmachtung des Einzelnen, der falsche Ort, die falsche Zeit , die sie faszinieren und den Einstieg in ihre Kunst geben. Entstellung durch Säure-Attacken, Obdachlosigkeit, Opfer globalen Handels und Flucht und Vertreibung sind zentrale Themen ihrer Werke. Düster sind die Bilder, die sie auf ihrer Website präsentiert. Sie verdeutlichen, wie gut die Dänin den Moment einfängt und auf ihre Art zum Ausdruck bringt. Welches Thema ihr Kunstwerk im Rahmen von KunstBetriebe haben wird, weiß die 51-Jährige noch nicht: „Das Thema Flüchtlinge ist natürlich gerade in aller Munde. Ob mein Beitrag davon geprägt sein wird, kann ich im Moment noch nicht sagen“. In der kommenden Woche können Interessierte live miterleben, wie Pia Obel ihr Thema findet und das Kunstwerk gestaltet. „Ich freue mich auf Interaktion mit Mitarbeitern und Kunden der Sparkasse“ sagt die Künstlerin.

Im Bad Oldesloer Baustoffhandel Hass & Hatje ist im Rahmen der KunstBetriebe der Lübecker Künstler Winni Schaak eingeladen. Ihm stehen – nach Auskunft von Axel Evert, Leiter Hochbau und stellvertretende Geschäftsführer – für sein Kunstwerk alle Baustoffe des Hauses zur Verfügung. Bereits vor einigen Wochen war Winni Schaak für rund zwei Stunden im Lager des Unternehmens, hat die verfügbaren Materialien gesichtet und erste Skizzen angefertigt. Derzeit arbeitet er an seinem Konzept, das er im November oder Dezember vorstellt und dann in die Produktion am Standort in der Lily-Braun-Straße 2-8 geht. Auch hier ist die Transportierbarkeit des Werks einzige Bedingung.

Bei der Christoph Kroschke GmbH in Ahrensburg wird Janine Gerber aus Barnitz durch den Betrieb für Kfz-Zulassung und Kennzeichnung inspiriert. Für die Kroschke-Skulptur verwendet die Künstlerin Materialien aus dem Arbeitsalltag und nutzt auch die Kennzeichenplatinen. Zur Gestaltung bedient sie sich eigenständig des Handwerkszeugs eines jeden Schildermachers: die Prägemaschine der Ahrensburger Zentrale.

Bis Jahresende werden die Künstler in den Betrieben ihre Skulpturen erarbeiten und 2016 auf drei Abschlussausstellungen präsentieren: Im Frühjahr im Museumsquartier St. Annen in Lübeck, danach bei der Landesgartenschau in Eutin, die vom 28. April bis zum 11. September stattfindet, und zuletzt in der Galerie im Marstall in Ahrensburg vom 20. November bis zum 20. Dezember 2016.

Die in Lübeck lebende Künstlerin Bettina Thierig initiierte das Projekt 2012 mit der IHK zu Lübeck. In der zweiten Runde wird die Initiative nun von der Stiftung der Sparkasse Holstein , der Stiftung der IHK zu Lübeck „Pro Economia“ und der Possehl-Stiftung finanziell getragen. Die Fördersumme, die die Stiftungen zu je einem Drittel zur Verfügung stellen, beläuft sich auf 45 000 Euro. Außerdem steuert jedes beteiligte Unternehmen jeweils 500 Euro und das vom Künstler benötigte Material bei. Die zwölf Künstler erhalten eine einheitliche Gage. Außerdem werden mit dem Geld alle Projekt- und Personalkosten gedeckt.

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