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Kleines Theater : Kulturringchef spricht Klartext

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Manfred Kutsche hadert mit der Stadtverwaltung. Er vermisst Klarheit, Transparenz und Würdigung. Ein Interview von Patrick Niemeier.

2017 wird der Kulturring Bargteheide 50 Jahre alt. Mehr 500 Veranstaltungen wird er dann auf die Bühne gebracht haben, die überwiegende Mehrheit davon im Kleinen Theater. „Unser Jubiläum soll eigentlich keine Abschiedsfeier werden“, sagt Manfred Kutsche, Vorsitzender des Kulturrings. Aber aktuell ist der engagierte Kulturschaffende eher frustriert. Ihn sorgen die Diskussionen über einen Dachverein und die Unsicherheiten rund um die Hauptspielstätte. „Für uns wirkte der Kontakt mit der Verwaltung oft so, als würde man Briefe an einen toten Briefkasten schicken“, sagt Manfred Kutsche. Das Stormarner Tageblatt fragte nach.

 

Herr Kutsche, Sie wollen sich als Vorsitzender des Kulturrings Bargteheide zur der Situation in und um das Kleine Theater äußern.

Manfred Kutsche: Angesichts der Aussagen, die herumschwirren, wollen wir uns auch positionieren. Auch über Worte wie „Intendant“, das im Bezug auf das Kleine Theater oft falsch verwendet wird, muss mal gesprochen werden. Intendanz meint, dass jemand die Geschäftsführung und künstlerische Leitung inne hat. Das gab es nie im Kleinen Theater. Jeder Verein dort hat seinen eigenen kleinen Intendanten.

 

Von Seiten der Stadt hieß es, dass das Kleine Theater traditionell aus den drei Standbeinen: Gastro, Kino und Kultur bestehe. Dieses dritte Standbein solle zukünftig durch einen Trägerverein abgebildet werden. Sie kritisieren das.

Es geht tatsächlich zu oft verloren, dass der Kulturring bisher schon über 500 Veranstaltungen eigenständig durchgeführt hat. Wir können uns nicht unter eine Schirmherrschaft begegeben. Wir müssen und wollen unsere Marke und die Eigenständigkeit stärken. Das neue Konzept ist aber genau das Gegenteil davon. Das drei-Säulen-Modell hat außerdem nie wirklich funktioniert. Ein Konzept lebt übrigens aus meiner Sicht von Transparenz und Akzeptanz. Dafür müssen die Beteiligten eingebunden werden.

 

Heißt das, dass sie nicht eingebunden wurden?

Wir sind nur informiert worden. Gerüchte wurden bestätigt. Da hieß es dann, der Trägerverein könnte zum Beispiel unseren Kartenverkauf übernehmen. Das ist für uns aber kein Thema, weil wir diesen professionell über ein Ticketsystem abwickeln.

 

Was hat man Ihnen denn gesagt, weshalb die Stadt den Trägerverein möchte?

Es soll wohl einfach ein neuer Pächter da sein. In diesem Fall der Trägerverein. Es hieß auch, dass man dafür zwei 450-Euro-Kräfte einstellen möchte. Die kosten dann Geld – man kommt auf fast 12  000 Euro im Jahr –, das wieder im städtischen Topf „Kultur“ fehlen würde.

 

Befürworter des Trägervereins sagen, dass er auch für den Kulturring Vorteile bringen wird, die Sie jetzt nur noch nicht erkennen.

Mit dieser Aussage kann ich nichts anfangen, weil einfach für uns kein Sinn erkennbar ist. Das mag vielleicht für die Theaterschule oder den Verschönerungsverein richtig sein, das kann ich nicht beurteilen. Wenn es dann aber auch noch so ist, dass der Verein für alle offen sein soll, die Lust haben, mal mitzumachen, stellt sich die Frage, wie unsere Belange überhaupt in dieser Runde den notwendigen Wiederhall finden sollen. Nur ein Verein an sich, ist kein Wert. Wenn man alleine das wirtschaftliche Gewicht sieht, das wir mitbringen, müsste wir logischerweise so bei Entscheidungen ja 50 Prozent des Stimmrechtes erhalten. Das wird man nicht machen.

 

Warum meinen Sie denn, wird der Verein gegründet?

Vielleicht möchte man der Angst entgegenwirken, dass der Marstall in Ahrensburg oder auch das neue Kulturzentrum in Bad Oldesloe einem den Rang abläuft. Diese Städte nehmen aber halt viel Geld in die Hand. Hier ist man in der glücklichen Situation, bisher durch das Ehrenamt Geld zu sparen. Dass man mit unserem Engagement dann so verschwenderisch umgeht, ist mir absolut unverständlich.

 

Was benötigen Sie als Kulturring konkret?

Wir benötigen die Möglichkeit, auf freie Termine zugreifen zu können und dass wir ausreichend Wochenendtermine bekommen. Wir benötigen verlässliche Rahmen, vertragliche Grundlagen, die sich an unseren Bedürfnissen orientieren. Das Haus müsste besser betreut werden und alles technisch funktionieren. Es gibt nicht mal eine Inventarliste. Zudem gehört es dazu, dass endlich die gesetzlichen Grundlagen des Versammlungsstättengesetzes verbindlich eingehalten werden. Jeder Veranstalter, so wie auch der Chef des Kulturrings, kann sonst im Ernstfall vor echten juristischen Problemen stehen.

 

Was sind die Konsequenzen? Fühlen Sie sich ausgeschlossen?

Wir werden nicht eingebunden. Die Stadt müsste ganz allgemein gesprächsbereiter sein. Wir können jetzt erstmal nur weitermachen wie bisher und schauen, ob wir dann so auch in Zukunft unserer Verantwortung noch gerecht werden können. Letztendlich muss ich mir sagen, dass eine Institution wie der Kulturring nach 50 Jahren ehrenamtlicher Arbeit und fast 550 Veranstaltungen einen anderen Umgang verdient hat. Es muss auch mal eine Kultur da sein, in der man nicht nur sagt, so und so müsst ihr das machen oder denken. Es ist wichtig, dass man mal ein wenig auf das hört, was wir sagen. Wir wollen unsere Arbeitskraft doch sinnvoll einbringen und nicht laufend darum kämpfen, nicht behindert zu werden. Der Gedanke „so macht man das einfach nicht“ zieht sich wie ein roter Faden durch: So macht man kein Konzept, so setzt man es nicht um und so kommuniziert man nicht. Die Belohnung für Ehrenamt sind Spaß und Anerkennung. Wenn das zerbricht, muss man viel Geld für denselben Standard mitbringen. Unsere ehrenamtliche Tätigkeit subventioniert jede Theaterkarte mit 20 Euro. Dass man da nicht freudiger mit umgeht, ist mir unverständlich. Damit ich mal einen Nachfolger finden kann, müssen sich sicherlich die Rahmenbedingungen deutlich verbessern.

 

Möchten Sie abschließend noch etwas sagen?

Wer Spaß hat, Theater zu organisieren, ist bei uns herzlich willkommen. Der Kulturring ist offen für Interessierte. Darüber hinaus möchte ich betonen, dass ich finde, dass die Stadt unheimlich viel richtig macht. Ich bin stolz Bargteheider zu sein, wenn ich sehe, wie man die Situation mit den Flüchtlingen behandelt. Ich bin aber überrascht, wie schwer man sich tut, uns Ehrenamtler im kulturellen Bereich zuvorkommend zu begleiten.

 

 

 

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erstellt am 03.Apr.2016 | 11:28 Uhr

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