"Kulturgang" auf Ideensuche in Hamburg

Eindrucksvolle Architektur: Eine Delegation aus Oldesloe vor dem KulturA in Hamburg. Foto: Olbertz
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Eindrucksvolle Architektur: Eine Delegation aus Oldesloe vor dem KulturA in Hamburg. Foto: Olbertz

Das stuften alle als interessante Fahrt ein: Eine Oldesloer Delegation hat das KulturA in Hamburg besucht, um sich für die Umgestaltung des Amtsgerichts Ideen zu holen.

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30. Januar 2009, 10:29 Uhr

Bad Oldesloe | Gemeinsamer Betriebsausflug von Politik und Verwaltung? Nicht ganz. Die "Kulturgang" war zur Dienstreise nach Hamburg aufgebrochen. In Neuallermöhe-West wurde mit dem KulturA ein Zentrum besichtigt, das bei der Suche einer Nachfolge-Nutzung für das Oldesloer Amtsgericht wegweisend sein könnte. Moderator Wulf Dau-Schmidt hatte dieses Objekt ausgewählt. KulturA ist in dem am Reißbrett entstanden Stadtteil der Leuchtturm, der das Kultur- und Bildungszentrum in Oldesloe werden soll.

Stefanie Schreck ist die Leiterin der Einrichtung. Sie führte die Oldesloer Delegation durch das zehn Jahre alte Haus. KulturA als Träger des Hauses und Anbieter von kulturellen Veranstaltungen ist nur ein Standbein der Einrichtung, daneben sind dort die Kinder- und Familienhilfe angesiedelt sowie mit Kokus auch ein Kommunikations- und Kulturverein. Das "Café Evergreen" mit Ein-Euro-Kräften bietet einen Mittagstisch an.

KulturA bietet ähnlich einer VHS Kurse für Kinder und Erwachsene an, organisiert kulturelle Veranstaltungen. Es gibt einen Bereich mit Kinderbetreuung und einen kleinen Saal, der Platz für etwa 150 Besucher bietet. Vereine können Räume für Treffen mieten und müssen dafür eine geringe Miete zahlen.

Wie Stefanie Schreck ausführte, gebe es im Stadtteil viel Vandalismus. Das KulturA sei davon glücklicherweise nicht betroffen. Sie wertet das als Beleg für die große Akzeptanz der Einrichtung. Das "Café Evergreen" sei dafür extrem wichtig. "Hier bekommt man günstig was zu essen und schon haben wir einen niedrigschwelligen Zugang zum Haus", erklärte die Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin.

Sie gab den Oldesloern eine ganze Reihe von Tipps, was sie beachten sollten: Die späteren Nutzer gehören mit an den Planungstisch. Die Räume sollten flexibel und großzügig gestaltet werden. Ein Café ist für ein lebendiges Zentrum von großer Bedeutung. Und ganz wichtig: "Zu so einem Haus gehört ein Grund-Etat." Den hat Stefanie Schreck nicht. Gute Kalkulation und Fundraising werden da überlebenswichtig.

CDU-Fraktionsvorsitzender Horst Möller zeigte sich beeindruckt: "Selbst ich wäre bei so einem Haus nicht für ein Null-Budget - aber es zeigt doch, dass Geld nicht alles ist." Die Trägerkonstruktion hat ihn besonders überzeugt: "Ein Kulturmanager wird ganz wichtig, dass muss allerdings nicht unbedingt von der Verwaltung gemacht werden."

Klangstadtvertreter Till Weber zeigte sich mehr von der Architektur beeindruckt: "Das Gläserne, das Offene - klasse. Da musst du einfach rein gehen." Aber auch der soziale Aspekt von Kultur hat ihn überzeugt: "Die Vernetzung hier ist gewachsen. Die Leute haben begriffen, wo es lang geht. Das steht uns noch bevor, aber das ist nichts, was wir einfach beschließen können." An dem Punkt setzt auch Maria Herrmann von der SPD an: "Es war eine gute Idee, mal über den Tellerrand zu blicken. Schade dass die Zeit nicht reicht, sich noch zwei, drei Objekte anzusehen. Ein Schlüssel zum Erfolg scheint mir der offene Eingangsbereich mit dem Café. Dort ergeben sich Kommunikation und Kulturnetzwerk von alleine."

Der Grüne Uwe Stephenson übte Kritik an dem Gebäude: "Ich war froh, dass alle hören konnten, welche Mist man akustisch machen kann. Eine vernünftige Unterhaltung war da nicht möglich." Da würde er in Oldesloe beratend zur Seite stehen. Der Saal hat ihn aber überzeugt. Über dessen Notwendigkeit wird in Oldesloe nicht mehr diskutiert - es geht nur noch um die Standortfrage. Stephenson: "Ich plädiere dafür, dass die Stadt dann auch einen vernünftigen Etat zur Verfügung stellt. Es muss ein Mehr an Kultur geben."


Neuallermöhe
Hamburg Neuallermöhe ist ein Stadtteil, der komplett am Reißbrett entstanden ist. Und das sieht man auch deutlich: Mit dem Lineal gezogene Straßen, monotone Mehr- familien-Reihenhäuser. Anfang der neunziger Jahre war es das größte Wohnbauprojekt der Republik. Ziel war es, billigen Wohnraum zu schaffen, aber gleichzeitig die Betonburgen der 70er Jahre zu vermeiden. Innerhalb von gut zehn Jahren haben sich dort 12 000 Menschen angesiedelt. Neuallermöhe-West ist der kinderreichste Stadtteil Hamburgs. Dort leben viele Aussiedler und sozial schwache Familien. Um das 340 Hektar große Areal überhaupt bebauen zu können, musste es um zwei Meter mit Sand erhöht werden.

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