Überfliegerin : Kuhlwein hängt alle ab

Ausdauernd und schnell: Beate Kuhlwein vom SV Großhansdorf.
Ausdauernd und schnell: Beate Kuhlwein vom SV Großhansdorf.

Fünf Starts, fünf Titel: Die Leichtathletin des SV Großhansdorf trumpft bei den Landesmeisterschaften der Senioren auf.

shz.de von
07. Juni 2018, 07:02 Uhr

Es gab nicht wenige Konkurrentinnen in Flensburg, die sich die Hände rieben. Das hatte mehrere Gründe: Zum einen hatte Beate Kuhlwein am Vortag bereits das volle Programm abgespult und bei den Leichtathletik-Kreismeisterschaften in Lübeck zwei Titel errungen. Die 44-Jährige würde etwas müde in die Wettkämpfe der anstehenden Landesmeisterschaften der Senioren gehen, hatten einige vermutet und dadurch ihre Chance gewittert. Und dann machte es die Leichtathletin des SV Großhansdorf bei ihrer Anreise an die Förde auch noch spannend. Als Kuhlwein ihre Stellplatzkarte fünf Minuten vor Fristablauf um 10 Uhr noch immer nicht abgegeben hatte, sah es danach aus, dass die Stormarnerin erst gar nicht an den Titelkämpfen teilnehmen würde. Verkehrsbehinderungen waren schuld. Manfred Hamann hatte Kuhlwein persönlich nach Flensburg chauffiert und letztlich eine Punktlandung hingelegt. Der Vorsitzende des Kreis-Leichtathletik-Verbandes (KLV) „schmiss“ die Top-Athletin am Eingang des städtischen Stadions raus und verordnete ihr eine erste Aufwärmeinheit. „Sie sollte schonmal loslaufen und ihre Karte abgeben, während ich parke. Nur so konnte sie es noch rechtzeitig schaffen – um 9.59 Uhr war sie dann da“, so Hamann. Mit der nötigen Portion Adrenalin ausgestattet hängte Kuhlwein dann auf der Bahn sämtliche Konkurrentinnen ab. Fünf Siege bei fünf Starts in der Altersklasse W 45, dazu mehrere persönliche Bestleistungen; von Müdigkeit jedenfalls war keine Spur gewesen.

Das lag auch daran, dass Hamann der ehrgeizigen 44-Jährigen während des Wettkampfes immer mal wieder ins Gewissen geredet und so dafür gesorgt hatte, dass sie mit ihren Kräften haushielt. Schon der erste Satz im Weitsprung ging auf 4,84 Meter – persönliche Bestleistung. Es folgten zwei weniger weite Versuche. „Ich habe sie dann gebremst und ihr gesagt, sie soll den Wettkampf beenden, weil die erste Weite schon zum Titel reicht“, so Hamann. Es war nicht zu hoch gepokert.

Im Sprint hatte die Großhansdorferin dann über 100 Meter zwar keine Bestzeit zu verzeichnen, aber in 13,80 Sekunden souverän die Nase vorn und so viele Reserven gesammelt, dass sie über 200 Meter noch einmal einen wahren Endspurt hinlegen konnte. 28,50 Sekunden bedeuteten erneut eine persönliche Bestmarke.

„Im Hochsprung hatte sie dann wackelige Beine“, so Hamann, der erneut darauf drängte, dass sein Schützling Kraft sparen möge. Drei Sprünge und 1,31 Meter reichten schließlich zu Gold.

Die abschließenden 400 Meter – so war es vereinbart – wollte sie nicht mehr laufen, um kein Verletzungsrisiko einzugehen. Kuhlwein, die in der deutschen Bestenliste in dieser Disziplin aktuell auf Rang eins geführt wird, disponierte kurzfristig um. „Wenn sie schonmal da ist, startet sie auch, hat sie gemeint“, erinnerte sich Hamann an die kurze Diskussion. Der KLV-Vorsitzende, der befürchtet hatte, dass seine Athletin nach 350 Metern einbrechen könnte, wurde dann Zeuge einer weiteren Demonstration der Stärke Kuhlweins. Obwohl sie auf der schlechten Außenbahn laufen musste, siegte sie in 63,26 Sekunden und überquerte die Ziellinie eine Sekunde vor Verfolgerin Silvana Stief (Spiridon Schleswig) mit so viel Endorphinen im Blut, dass Hamann anschließend verwundert feststellte: „Sie hat gewonnen und sich super gefühlt. Von Müdigkeit keine Spur. Wer weiß, wie das gewesen wäre, wenn sie nicht gewonnen hätte...“

Derweil setzten sich auch zwei andere Athleten aus Stormarn die Landeskrone auf: Karlheinz Redecker (ATSV) gewann bei den M 70 über 800 Meter in 3:01:35 Minuten, während Dietlinde knospe (LG Reinbek-Ohe) im Diskus der W  50 mit 26,93 Metern und im Speerwurf (33,01 Meter) Landesmeisterin wurde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen