Stormarner Wochenschau : Küken, Kinder, Kauderwelsch

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Die Stormarner Wochenschau beleuchtet die Küken-Taufe, Kinderbetreuung und unverständliche Worthülsen.

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10. Mai 2015, 16:15 Uhr

Zumutung

Eine neue Elterninitiative mischt gerade die Oldesloer Kindergartenszene auf. Man will mitbestimmen und kritisiert zu hohe Kita- und Krippenkosten, schließlich „will man der Familie ja auch noch was bieten können“. Jaja, das Beste für die lieben Kleinen fordern, aber nichts dafür löhnen wollen.

Eltern bezahlen in der Kreisstadt 37,5 Prozent der Kosten für einen Kindergartenplatz. Daraus zu schlussfolgern, Oldesloe sei nicht familienfreundlich, ist einfach lachhaft. Das ist lediglich ein Indiz für einen sehr eingeschränkten Blickwinkel. Um nicht zu sagen, es ist egoistisch. Kommunalpolitiker müssen nun mal die Stadt mit all ihren Facetten bedenken. Da gibt es nicht nur Krippen, sondern eben auch Schulen, Kultur, Sport aber auch Infrastruktur, Umweltschutz, Verwaltung ...

Dabei mag die Kritik an den Kosten ja sogar richtig sein. Das ist aber ein anderes Problem. Im Mittelpunkt muss die Frage stehen: Was sind Kitas eigentlich? Betreuungseinrichtungen, damit Mutti und Vati möglichst schnell wieder arbeiten können, oder doch eher frühkindliche Bildungseinrichtungen? Ersteres wäre ganz klar Elternsache. In jüngster Zeit geht der Trend aber, zumindest von offizieller Seite, eher in die andere Richtung: In Kitas findet eine wichtige Weichenstellung bei Sprache, Motorik, Sozialverhalten und kognitiven Fähigkeiten statt. Dann ist klar: Das sicherzustellen ist Aufgabe des Landes, dann reden wir von kostenlosen Kitas mit Besuchszwang. Dann müssen wir aber auch davon reden, wie viel Bildung einem kleinen Kind zugemutet werden kann und nicht wie viele Stunden „Betreuungszeit“ die Eltern denn gerne hätten.

Fass ohne Boden

Die Großen bekommen Zucker in Hintern geblasen, die Kleinen können zusehen, wo sie bleiben. Beispiel Kinderbetreuung: Da wird von denen da oben schwuppdiwupp der gesetzliche Rahmen für einen Anspruch auf Krippenbetreuung geschaffen. Was erst einmal okay ist. Aber die da unten müssen’s ausbaden: Die Betreuungskosten könnten aus dem normalen Haushalt nicht mehr abgedeckt werden, merkt denn auch Delingsdorfs Bürgermeister Randolf Knudsen an und spricht stellvertretend für viele Kommunen, denen das Wasser genauso bis zum Hals steht. Per Kreditaufnahme wird man den gesetzlichen Vorgaben des Bundes in Delingsdorf zwar gerecht und zieht einen Krippen-Neubau für 2,45 Millionen Euro hoch, von denen die Gemeinde selbst zwei Millionen stemmen muss. Doch auch wenn das Bundesprogramm geringe Zinsen garantiert, müssen die Millionen irgendwann zurückgezahlt werden. Nur wie? Wo soll das hinführen und wer zahlt am Ende die Zeche? Statt „Volksbeglückung“ auf Kredit sollte die Politik in Bund und Land ihre Beschlüsse nach dem ausrichten, was machbar ist und das dann auch bis in die Kommunen durchfinanzieren.

Küken-Kram

Kann man der Kuh das Pupen abgewöhnen, weil Methan das Klima viel mehr schädigt als CO2? Wie lange halten sich Ziegenlämmer in Futterhecken auf und was müssen sie fressen, damit der Gehalt an Omega3- Fettsäuren steigt? Es sind die großen Menschheits-Fragen, die das Forschungsinstitut Trenthorst interessieren. Dass Lämmer und Ziegen anscheinend genug erforscht sind, ficht Institutsleiter Gerold Rahmann nicht an. Keine süßen Lämmer mehr beim Austrieb mit Kita-Kindern? Macht nichts, das geht doch auch mit Küken. Sind frisch geschlüpft doch auch schön flauschig, und der erste Kontakt mit Menschenwesen könnte sogar Erkenntnisse zur Robustheit liefern. Mal sehen, was es sonst noch zu erforschen gibt. Das Thema Männer-Bashing ist bei Küken ja gerade angesagt, und in punkto Eberfleisch hat man ja auch schon geforscht. Uns dürfte noch so manches Ergebnis aus Trenthorst überraschen. Hauptsache die Küken werden nicht vom Ochsenfrosch abgelöst.

Fühlindex

„Intention des Stadtmarketings ist es, den Wohlfühlindex der Menschen ... zu erhöhen unter Steigerung der Attraktivität, die auf Basis der Kernstärken der Stadt fundieren.“ Der Satz steht in der Sitzungsvorlage für den Ahrensburger Hauptausschuss, der 15  000 Euro für das Stadtmarketing lockermachen soll. Aber hat der Satz auf der Suche nach fundierten Kernstärken nicht längt die Basis sprachlicher Kommunikation verlassen? Anders gefragt: Können Politiker den Inhalt verstehen? Und wenn nicht, wie sollen sie dann entscheiden?
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