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Stormarner Tageblatt

20. September 2017 | 06:01 Uhr

Bad Oldesloe : Kub-Programm wird gestutzt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Drittel des Etats muss allein schon in Werbung investiert werden. Der vom Bürgermeister verordnete Sparkurs zwingt dazu, Einschnitte beim Angebot zu machen - bei der Kooperation mit der Musikhochschule beispieslweise.

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erstellt am 04.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Man mag es kaum glauben, aber das Kub (Kultur- und Bildungszentrum) wird schon ein Jahr alt. Zeit also für Kub-Managerin Inken Kautter im Sozialausschuss Bilanz zu ziehen – für den Kulturbereich. In den ersten beiden Spielzeiten kamen fast 11  500 Besucher zu den Veranstaltungen ins Kub. Von September bis Dezember waren es gut 6000 Zuschauer, von Januar bis April etwa 900 weniger. Ein vermeintlicher Rückgang, der sich leicht erklären lässt: In der ersten Periode wurden noch 72 Veranstaltungen angeboten, in der zweiten „nur“ 57. „Die Besucherzahlen sind sehr gut“, findet Inken Kautter: „Ostern hatten wir einen Einbruch, der hat uns einen Schreck eingejagt und wir dachten: Wenn das so bleibt, wird es ein freudloses Jahr.“ Aber es blieb nicht so, wenngleich die Besucherzahlen ab April rückläufig waren. Ein Phänomen, das alle Kultureinrichtungen beobachten. Darauf wird Inken Kauter in Zukunft mit einer Osterpause und einer geringeren Veranstaltungsfrequenz reagieren.

Das hat noch einen zweiten Effekt: Einsparungen. Der Kub-Etat von gut 100  000 Euro ist „nicht ausreichend“ und lässt „erst recht keinen Entwicklungsspielraum für neue Projekte“. Mehr Geld aus dem Stadtsäckel soll es nicht geben – der Bürgermeister will sparen. „Mein wünsch-dir-was ist es so nicht“, gibt Inken Kautter unumwunden zu. Statt zu jammern, sucht sie nach Einsparmöglichkeiten. Das reduzierte Frühjahrsprogramm ist ein Teil davon. Eins, das Inken Kautter nicht schmerzt: „Den Frust brauche ich nicht noch mal.“ Die Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck muss aber ebenfalls herunter gefahren werden. Aus Kostengründen wird es zukünftig nur noch eine Opernproduktion mit den Studenten geben. Die drei Gastspiele von MHL-Ensembles entfallen auch, da nur noch 10- anstelle von 18  000 Euro in die Kooperation investiert werden können. „Das gefällt mir überhaupt nicht“, klagt die Kub-Chefin: „Ich hätte mir dringend gewünscht, es wäre nicht nötig.“

Etwa ein Drittel des Kulturetats geht für Werbung drauf. „30  000 Euro – das ist ein riesiger Posten, aber eigentlich noch zu wenig“, erklärt Inken Kautter und kann diese Sichtweise auch begründen: „In Bad Oldesloe sind wir gut eingeschlagen, hier sind wir präsent. Aber im Umland gibt es noch viel Arbeit.“ Mehr Spielpläne und auch eine weitere Streuung der Hefte, größere Plakate, Werbung in sozialen Netzwerken – Inken Kautter winkt ab: „Wenn man ein bisschen was machen will, explodieren die Kosten gleich. Die kleinen Plakate sind nicht besonders schön, aber kostengünstig. Es ist das, was wir uns leisten können.“ Inken Kautter weiß, welche Nachteile das mit sich bringt: „Wenn man neue Leute gewinnen will, muss man mehr machen.“ Jugendliche sind ebenfalls eine ausbaufähige Zielgruppe, die noch selten ins Kub kommt.

Von der Idee, Sponsoren zu suchen, hält die Leiterin nur wenig. „Das ist ganz aufwändige Feldarbeit, Klinkenputzen“, begründet sie ihre Ablehnung: „Die Zeit haben wir noch lange nicht.“ Sie verspricht sich mehr Erfolg von der Einwerbung von Drittmitteln – also Förderprogramme. Inken Kautter: „Das ist ein klarer Weg.“ So ist das Kub beispielsweise an ein Programm für Tanzaufführungen gekommen.

In Abstimmung mit Kinobetreiber Heinz Wittern werden Filmaufführungen stark reduziert. Da der Saal barrierefrei ist und zudem mit einer Induktionsschleife für Hörgeräteträger versehen ist, werden weiterhin wöchentlich ausgewählte Filme besonders für Senioren gezeigt sowie Filmvorführungen, die von Vorträgen begleitet werden.

Neu sind in der kommenden Spielzeit Figurentheater-Aufführungen für Erwachsene. „Mario und der Zauberer“ wird eine Aufführung mit großen Puppen, „Handlungen“ heißt ein Stück mit kleinen „Minihandpuppen“. Nein, speziellen Figurentheatertage will die Kulturmanagerin nicht anbieten. „Das ist was für Fachpublikum“, erklärt sie: „Erst wenn es im regulären Spielplan steht, bekommst du das reguläre Publikum.“

Ein weiterer Versuchsballon werden Lesungen. „Alle sagen, das läuft außerhalb von Krimi nicht“, erzählt Kautter: „Das will ich aber trotzdem mal ausprobieren.“ Deshalb wagt sie sich unter anderem mit „Das deutsche Krokodil“ an Belletristik. Es wird also auch mit einem reduzierten Jahresprogramm noch viel Interessantes zu entdecken geben.

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