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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 09:34 Uhr

Stormarn : Kritik an Minijob in Gastgewerbe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Gewerkschaft NGG warnt vor hoher Zahl von Menschen mit Zweitjob – Altersarmut sei eine der Folgen

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erstellt am 20.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Das große Jobwunder ins Stormarn? Nein! Von der Gewerkschaft „Nahrung, Genuss, Gaststätten“ (NGG) kommt entschiedener Widerspruch. Gewerkschaftssekretärin Anne Widder spricht von einem „alarmierenden Trend“. Immer mehr Menschen in Stormarn hätten nämlich einen Zweitjob. Rund 8000 Menschen im Kreis Stormarn hätte neben dem Haupterwerb noch einen Minijob – 62 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 800 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Kreis Stormarn – zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 84 Prozent. „Die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, so Anne Widder: „Wenn laut Arbeitsagentur im Kreis Stormarn mittlerweile gut jeder elfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen.“ Grade mit Blick auf das Gastgewerbe sagt sie, dass nur mit guten Löhnen auch gute Fachkräfte gewonnen werden könnten. Der Mindestlohn sei zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, doch die 8,84 pro Stunden reichte auch in Vollzeit nicht aus, um sich in der Stadt eine Wohnung leisten zu können.

Wer heute auf einen Minijob angewiesen sei, um über die Runden zu kommen, werde als Renter von Armutsbezügen leben müssen. Dieses Problem müsse die Bundesregierung dringend lösen.

Axel Strehl, Restaurantbetreiber aus Ahrensburg und Landes-Chef des Dehoga, lassen die Vorwürfe kalt. „Das muss eine Gewerkschaft halt sagen“, argumentiert er. Er verweist auf die Entwicklung in den vergangenen drei Jahren. Da habe der Gastro-Sektor 18 Prozent neue, sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen. Der Schnitt liege bei einem Plus von zehn Prozent. Strehl: „So viel Nachwuchs können wir auch nicht nachproduzieren.“ Gott sei Dank sei die Konjunkturlage so gut, dass mehr Mitarbeiter benötigt würden.

Er beschäftige Schüler und Studenten als Minijobber. „Von denen höre ich später immer wieder: ‚Was ich bei Ihnen gelernt habe, bringt mich in meinem Beruf weiter‘“, so Strehl. Der Dehoga-Vorsitzende ist überzeugt: „In den meisten Betrieben verdienen die Leute gutes Geld.“

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