Kritik an Beckenplanung

Rund 100 Interessierte kamen ins Gymnasium, um sich zu informieren und zu diskutieren
1 von 4
Rund 100 Interessierte kamen ins Gymnasium, um sich zu informieren und zu diskutieren

Großes Interesse der Trittauer an Infoveranstaltung zur Schwimmbadsanierung

shz.de von
13. Mai 2015, 17:07 Uhr

Etwa 100 Interessierte Trittauer (von 7087 Stimmberechtigten) kamen ins Forum des Gymnasiums, um sich mit dem Thema Freibad Ja oder Nein zu beschäftigen. Bürgermeister Oliver Mesch erläuterte die politischen und finanziellen Hintergründe des Themas, Planerin Dr. Nicole Riedle von der Firma balneatechnik aus Wiesbaden stellte die technischen Details vor.

Die Folie im Freibad ist 21 Jahre alt, porös und für diese Saison noch einmal provisorisch geflickt worden. Nach ausführlicher Diskussion hatten die Gemeindevertreter im März eine Variante beschlossen, wie sie das Trittauer Bad sanieren wollen: Es soll verkleinert werden und eine neue Folie sowie einige Attraktionen bekommen. Die genaue Kostenermittlung liegt jetzt vor: 1,272 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Darin enthalten sind eine Breitrutsche, wie bisher eine so genannte Wassergewöhnungstreppe, ein Einstieg für Behinderte, verschiedene Massagedüsen und eine Abdeckplane.

Bürgermeister Oliver Mesch rechnete vor, dass ohne Förder- und Sponsorengelder bei Kredit-Finanzierung eine Mehrbelastung von 64  000 Euro im Jahr entstünde. Schon jetzt verursacht das Bad ein Defizit von 293  000 Euro. „Es gibt allerdings nirgendwo ein Bad, das kostendeckend arbeitet“, so Mesch. Es sei nicht ausgeschlossen, ein mögliches Defizit über die Erhöhung der Grundsteuern zu finanzieren, das hänge aber auch von den Einnahmen der Gemeinde wie der Gewerbesteuer ab. Insofern sei einer Steuererhöhung auch ohne Bad möglich.

Nach der Klärung vieler technischer Details wie Erhalt der 50-Meter-Bahn und Startblöcke (bleiben beide) interessierte die Trittauer, ob die Folie gesundheitsgefährdend sei (nein, obwohl sie bei Entsorgung als Sondermüll gilt), ob es Zuschüsse über die Aktivregion geben könnte (Nein), ob es Sponsoren gibt (Ja, Gespräche laufen), und ob die Eintrittspreise erhöht werden (möglich).

Kritisiert wurde die frühe Festlegung auf eine Variante (war wegen der Kostenberechnung nötig), die Nichtnennung der Kosten, die bei einer Schließung entstehen (nicht bekannt), und die Festlegung wieder auf eine Folie statt Edelstahl.

2050 würden 75 Prozent der Menschen in Städten leben, die kleinen Orte würden dann ein Alleinstellungsmerkmal wie ein Schwimmbad brauchen, um interessant zu bleiben , sagte Thomas Gey, Professor für Marketing und strategische Unternehmensführung an der FH Nordakademie Elmshorn, der „in der Nähe von Trittau“ wohnt. Er betonte außerdem die „wichtige soziale Funktion“ des Bades riet dazu, Krankenkassen als Sponsoren zu gewinnen: „Schwimmen ist Prävention und für alle Altersklassen gut.“

Hinterfragt wurden Einsparmöglichkeiten bei Mitarbeitern und anderen laufenden Kosten (nahezu ausgeschöpft). Der frühere Schützenvereinsvorsitzende Bruno Scharnberg schlug eine temporäre Schließung über fünf Jahre vor, um in der Zeit das jährliche Defizit für die Sanierung anzusparen (zu viele Unwägbarkeiten).

Von mehreren Anwesenden wurde die Ausführungsvariante kritisiert, weil sie wenig Raum für Kinder lasse die dem Baby-Plantschbecken entwachsen sind, aber auch noch nicht richtig schwimmen können. Nach der neuesten Planung beginnt der Einstieg bei 1,10 Meter Tiefe, gleich neben der Treppe befinden sich Rutsche und Massagedüsen. Das Becken wird dann sanft tiefer. „Wo soll ich da mit meinen kleinen Kindern spielen, die noch nicht 1,10 Meter groß sind“, fragte ein Mutter, die viel Unterstützung bekam.

Ob an dem Beschluss der Gemeindevertretung noch etwas geändert werden kann, blieb offen. Die Fraktionsvorsitzende der SPD, Claudia Ludwig, sagte: „Wir können schon was ändern, aber was ist dann mit der Befragung, die auf Basis einer Variante läuft?“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen