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Bad Oldesloe : „Krippen müssen noch bezahlbar sein“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

700 Euro im Monat für einen Krippenplatz? – Zwei Mütter wollen in der Kreisstadt eine „Lobby für Familien“ gründen.

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erstellt am 23.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Für Kathrin Duskat ist die Schmerzgrenze längst überschritten. „Ich hatte ungefähr 450 Euro für einen Krippenplatz im Kopf. Da habe ich schon geschluckt.“ Als ihr Kind dann tatsächlich in die Krippe kam, sollte sie 549 Euro bezahlen. Kürzlich wurde der Beitrag auf 599 Euro (inklusive 2,50 Euro „Trinkgeld“) angehoben. 50 Euro Essensgeld kommen noch dazu. Andere mussten sogar über 100 Euro mehr bezahlen (wir berichteten).

„Da kann man als Familie nur noch würgen. Ich verdiene weniger, weil ich nur noch einen Halbtagsjob habe, und die Gebühren müssen auch noch bezahlt werden“, klagt die Oldesloerin. Die Konsequenz ist für sie jetzt schon klar: „Ein zweites Kind kommt für uns nicht in Frage. Da spielen die Kosten eine Rolle.“ Unterstützung erhält sie von Mandy Bergner: „Alles ab 500 Euro monatlich tut richtig weh – und wir steuern hier auf 700 Euro zu.“

Zu teuer, zu intransparent zu unflexibel sind die Kernvorwürfe, die die beiden Mütter erheben. Mandy Bergner betont: „Die Plätze sind ihr Geld wert. Wir wollen auf keinen Fall an den Standards schrauben.“ Die beiden haben festgestellt, dass nur Lüneburg ähnlich hohe Gebühren verlangt, ansonsten seien Krippenplätze im Hamburger Speckgürtel deutlich günstiger. „Selbst in Pinneberg müsste ich nur 411 Euro zahlen“, sagt Kathrin Duskat. Für beide ist das eine Messlatte für die Familienfreundlichkeit einer Kommune.

„Für einen Krippenplatz muss ich mich ja nackig machen. Das ist ein Megaantrag“, klagt Kathrin Duskat: „Es ist leichter einen Kredit für den Hausbau aufzunehmen.“ Die Gebühren richten sich nach dem Einkommen, von denen Miete und Altersversorgung abgezogen werden. „Aber nur ein Riestervertrag. Und bei Immobilien nur die Zinsen, obwohl ich ja auch die Tilgung habe“, erklärt die Mutter eines zweijährigen Sohns. Wird das Einkommen um 850 Euro überschritten, wird der Regelbetrag fällig. Kathrin Duskat: „Wir haben ein normales Gehalt. Das heißt doch nicht, dass wir drei mal in der Woche shoppen gehen oder andauernd in Urlaub fahren. So werden wir aber dargestellt.“ Ihre Mitstreiterin ergänzt: „Wenn ich nur knapp drüber bin, muss ich gleich den Höchstsatz bezahlen.“

Viele Mütter arbeiten in Hamburg. „Durch die Bahnfahrt kann ich mein Kind leider nicht um 14 Uhr abholen“, erklärt Mandy Bergner. Also musste die Bankbetriebswirtin den teureren Ganztagsplatz nehmen. Bei Kathrin Duskat ist es ähnlich. Eigentlich wollte sie nur 20 Stunden arbeiten. „Eltern werden gezwungen, den hohen Betrag zu zahlen“, ärgert sich Kathrin Duskat: „Ich habe mich mittlerweile damit arrangiert.“ Sie hat auf 25 Wochenstunden aufgestockt. Ihr Arbeitgeber ist flexibel, erlaubt die Verteilung auf drei Tage in der Woche. Die Stadt ist nicht felxibel: Den Krippenplatz darf sie sich nicht teilen, sondern muss voll bezahlen.

Die Entscheidung über die Rückkehr in den Beruf dürfe nicht von den Kosten der Kinderbetreuung abhängen, sagt Mandy Bergner: „Ein Jahr Elternzeit ist für den Arbeitgeber planbar, drei Jahre sind es nicht. Dann ist meine Stelle weg.“

Die beiden Frauen vermissen eine Lobby für Familien in der Stadt. Dafür wollen sie sich stark machen. Zehn Mitstreiter haben sie bereits, weitere Unterstützer werden gesucht. Interessierte Eltern können sich per E-Mail melden: elternod@gmail.com. Als erstes politisches Signal könnten sie sich eine Deckelung der Krippengebühren vorstellen oder eine Rücknahme der jüngsten Erhöhung.

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