Kran auf Abwegen - Straße ruiniert

Versicherungsschaden: 75  000 Euro will die Gemeinde für den notwendigen Neubau einer rund 1300 Meter langen Wegstrecke.
Versicherungsschaden: 75 000 Euro will die Gemeinde für den notwendigen Neubau einer rund 1300 Meter langen Wegstrecke.

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20. November 2010, 08:03 Uhr

Moorhusen | Weil ein Kranführer mit seinem schweren Gefährt vom rechten Weg abgekommen war, bekommt die Gemeinde Moorhusen nun eine neue Straße. Der Mann wollte mit dem 70-Tonnen-Kran eines Elmshorner Spezialunternehmens über einen Wetternweg in Moorhusen zu einer Windkraftanlage des Windparks Moorhusen-Krummendiek vordringen. Das Problem: Er hatte die Gewichtsbeschränkung von 5,5 Tonnen übersehen.

Wie Volker Tüxen vom zuständigen Amt Itzehoe-Land gegenüber unserer Zeitung erläutert, hatte der Kran bei seiner Irrfahrt Anfang September bereits eine Wegstrecke von rund 800 Metern zurückgelegt und dabei die empfindliche Schwarzdecke der Fahrbahn ruiniert. Erhebliche Schäden richtete der schwere Wagen auch auf weiteren rund 500 Metern auf einer Spurbahn an. Hier sei es zu erheblichen Verschiebungen in der Fahrbahn gekommen. Am Ende musste für die Straße eine Art wirtschaftlicher Totalschaden konstatiert werden.

Die Wiederherstellung des alten Zustandes wäre demnach teurer gekommen als ein vollständiger Neubau. Unklar ist zudem noch, ob auch der Deich- und Hauptsielverband Wilster zu Schaden gekommen ist. Der Kran hatte nämlich auch ein Schöpfwerk überquert, das ebenfalls für solche Belastungen nicht ausgelegt war.

Unterm Strich geht die Amtsverwaltung von einem Schaden in Höhe von rund 75 000 Euro aus. Für die betroffene Gemeinde wäre dies die mit Abstand größte Baumaßnahme seit langer Zeit. Die Reparaturkosten liegen in etwa in der Größenordnung des kommunalen Etats für ein komplettes Jahr.

Dass die Versicherung des Unfallverursachers für den angerichteten Schaden haften muss, steht für die Verwaltung außer Frage. Tatsächlich hatten die Gemeinden Krummendiek und Moorhusen im Zuge der Errichtung des Windparkes Verträge über die Sondernutzung an gemeindlichen Straßen und Wegen geschlossen. Hierbei sind ausdrücklich die befahrenen Wege nicht erwähnt. Außerdem ist dort geregelt, dass nach Ablauf der Bauzeit für die Errichtung des Windparkes Schwerlasttransporte von mehr als 15 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bei der Gemeinde bzw. beim Amt Itzehoe-Land anzumelden sind. Tüxen: "Dabei wird jeweils eine Dokumentation des Wegezustandes durchgeführt." Dem Amt Itzehoe-Land bzw. der Gemeinde Moorhusen liege aber kein Antrag auf Sondererlaubnis vor.

Übrigens: Es war nicht das erste Mal, dass auf dem Wetterweg ein unerlaubter Schwerlastverkehr unterwegs war. Vor rund zwei Jahren hatte die Gemeinde schon einmal einen Versicherungsschaden gemeldet und dabei rund 15 000 Euro einkassiert. Kommenden Freitag wird sich nun die Gemeindevertretung mit der Zukunft des Wetternweges befassen. Einziger Tagesordnungspunkt: der Versicherungsschaden. Bürgermeister Holger Dunker und seine Mitstreiter werden das Thema wohl in großer Gelassenheit bei Kaffee und Kuchen ab 14 Uhr in der Amtsverwaltung abarbeiten - und sich dann bald über eine neue Straße freuen.

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