Stormarn/Lübeck : Konjunktur läuft, Beiträge sinken

 IHK-Spitze: Rüdiger Schacht Nils Thoralf Jarck, Lars Schöning und Friederike C. Kühn.
IHK-Spitze: Rüdiger Schacht Nils Thoralf Jarck, Lars Schöning und Friederike C. Kühn.

IHK zu Lübeck weitet Beratung zu Digitalisierung und Unternehmensnachfolge aus und kann die Firmen trotzdem entlasten

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28. Dezember 2017, 13:37 Uhr

Digitalisierung, Fachkräftemangel und Unternehmertum stehen 2018 im Fokus der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck. 2017 war ein gutes Jahr und „der Konjunkturmotor brummt weiter“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. Mehr als die Hälfte der Betriebe (52,3 Prozent) bewerten die Lage als gut, nur 7,9 Prozent als schlecht. Und zwei von drei (64,1 Prozent) erwarten gleichbleibend gute, 22 Prozent sogar bessere Geschäfte im neuen Jahr. Von einer Verschlechterung der Entwicklung gehen nur 13,9 Prozent aus.

Entsprechend erklimmt der Konjunkturklimaindex „sehr beachtliche 125 Prozent“, so Schöning. Die Zahlen der Beschäftigten sind hoch, die Arbeitslosigkeit gering. Die aktuell 3,2 Prozent in Stormarn sind schon unter dem, was als Vollbeschäftigung gilt. „Arbeitskräftemangel wird eine der größten Herausforderungen“, prophezeit der Geschäftsführer. Ablesbar ist das auch beim Nachwuchs. Mit 3980 Ausbildungsverträgen habe man das hohe Niveau im Kammerbezirk halten können, aber trotzdem seien noch 800 Plätze unbesetzt. 2016 und 2017 habe man vom doppelten Abiturjahrgang profitieren können. Den Effekt werde es 2018 nicht mehr geben, so Schöning, der den Trend zu immer höheren Schulabschlüssen gerne stoppen würde: „Für viele ist eine duale Ausbildung die bessere Lösung. Die Türen in den Unternehmen sind offen.“

Allein mit Nachwuchs wird sich das Problem allerdings nicht lösen lassen. Laut Prognose fehlen im Jahr 2030 rund 100 000 Fachkräfte. Ein Gutteil der Lücke würde sich schließen lasen, wenn mehr gut qualifizierte Frauen arbeiten gehen, so Schöning.

Die jungen Leute möchte die IHK nicht nur für Unternehmen, sondern vor allem für das Unternehmertum begeistern. „Wir wollen das Feuer für Unternehmertum neu entfachen und mehr Menschen zum Schritt in die Selbstständigkeit motivieren“, sagt IHK-Präses Friederike C. Kühn. Zu der Initiative „Mein Unternehmen Zukunft“ kam in diesem Jahr die Reihe „Fckup“ hinzu, bei der es um das Scheitern geht, „das auch bei erfolgreichen Unternehmen dazugehört.“ Zielgruppen sind Schüler, Studenten und alle, die „Chef“ werden wollen. Neben der Gründung eines eigenen Unternehmen spielt die Übernahme gestandener Firmen eine immer wichtigere Rolle. 137 Selbstständige holten sich in diesem Jahr bei der IHK Rat zum Thema Unternehmensnachfolge. Das waren doppelt so viele wie 2016. Und 128 Interessenten für eine Übernahme ließen sich von der IHK beraten.

Federführend bei diesem Thema ist Nils Thoralf Jarck, der auch die IHK-Geschäftsstelle Ahrensburg leitet. „Wir merken, dass wir langsam die Früchte unserer Arbeit aus den letzten Jahren ernten“, kommentiert Jarck das wachsende Interesse an dem Thema. In der landesweiten Datenbank der IHK befinden sich 3500 Unternehmen mit über zehn Millionen Euro Jahresumsatz, die demnächst einen Nachfolger brauchen. Um das Thema noch breiter anzulegen, sollen auch Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe dazu kommen. Jarck: „Wir wollen der erste Ansprechpartner im Land für das Thema werden.“

Gleichzeitig müssen sich die Unternehmen dem Megatrend Digitalisierung stellen. Dabei geht es nicht nur um den Breitband-Ausbau, sondern auch um IT-Sicherheit im Betrieb und die Kompetenzen der Mitarbeiter. „Das stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen“, sagt Friederike C. Kühn. 1,1 Millionen Euro hat die Vollversammlung für eine Digitalisierungs-Strategie der IHK über fünf Jahre bewilligt. Das war dank der guten Konjunktur möglich, obwohl 2018 gleichzeitig die Beiträge der Betriebe an die IHK um 15 Prozent oder 1,36 Millionen Euro gesenkt wurden.

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