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Alternative Innenverdichtung : Kommt Ahrensburg doch ohne neue Baugebiete aus?

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Neuer Vorschlag der WAB-Fraktion sieht ausreichend Potenzial in der Innenverdichtung.

Die Zahl der Haushalte steigt stetig, es fehlt vor allem an Wohnungen für junge Familien, aber Neubau ist in allen Preissegmenten erforderlich, und das vor allem in der nahen Zukunft. Das ist die Quintessenz aus der aktuellen Wohnungsmarktprognose des Landes für 2015 bis 2030. Was für ganz Schleswig-Holstein gilt, gilt ganz besonders für die Metropolregion.

Für Ahrensburg ergibt sich daraus eine prognostizierte Neubaunachfrage von 2170 Wohneinheiten. Zieht man davon bereits erteilte Baugenehmigungen und das Nachverdichtungspotenzial ab, verbleiben (mit einer Realisierungsreserve) 1497 Wohneinheiten, davon 853 in Einfamilien-, Doppel-, Reihenhäusern und kleineren Gebäuden sowie 644 im Geschosswohnungsbau.

Der Flächennutzungsplan, über den Ahrensburg seit Jahren diskutiert, beruhte noch auf den Prognosen für 2010 bis 2025. Das „Update“ auf die neuen Zahlen ist zu einem Politikum geworden. Auf der einen Seite stehen die, die die Grenzen des Wachstums erreicht sehen und ihre Stadt so erhalten wollen, wie sie ist. Auf der anderen Seite diejenigen, die auf die überörtliche Funktion Ahrensburg und den Siedlungsdruck aus Hamburg verweisen und der Landesplanung Rechnung tragen wollen.

Die Rechnung der Verwaltung sieht so aus, dass es für 1097 der geforderten 2170 Wohneinheiten Flächen gibt. Abzüglich der bereits erteilten 609 Baugenehmigungen bleibe ein Rest von 400. Das hat Bürgermeister Sarach für den Bau- und Planungsausschuss heute um 19 Uhr im Peter-Rantzau-Haus weiter auf 240 reduziert, wenn man größere Bauvorhaben einbezieht, die mit hoher Wahrscheinlichkeit umgesetzt werden: Das ist neben der Seniorenwohnanlage Reeshoop, und dem Ohlendamm vor allem das ehemalige VW-Gelände mit über 100 Wohneinheiten. Für die fehlenden 240 Wohnungen und als „zusätzliche Potenzialflächen“ schlägt die Verwaltung den Stormarnplatz (468 WE), Erlenhof Nord (400 WE), das Gebiet zwischen Großhansdorf und dem verlängerten Ostring (267 WE) und die Fläche westlich der Veronika-Rath-Straße (140 WE) vor.

Für keines dieser Gebiete gibt es allerdings eine politische Mehrheit. Lediglich die SPD verweist auf die Verantwortung Ahrensburgs als Mittelzentrum. Hartmut Möller, Vorsitzender der Fraktion und des Bau- und Planungsausschusses: „Man muss auch auf die Struktur schauen. Stormarn ist bereits zersiedelt. Das wird nicht besser, wenn das so weiter geht. Außerdem müssen wir den Menschen, die hier arbeiten, wenigstens die Chance geben, hier auch wohnen zu können.“

Er plädiert dafür, Potenzialflächen wie den Erlenhof Nord wieder in den Plan aufzunehmen. Nur weil so viel gestrichen worden sei, habe es die Konzentration auf den Süden Ahrensburgs gegeben, die auch Möller für falsch hält. Was im Plan stehe, werde zudem nicht gleich umgesetzt. Möller: „Wie lange war der Erlenhof im F-Plan, bis tatsächlich gebaut wurde.“

Unterstützung gäbe es davon allenfalls von der FDP, aber Fraktionsvorsitzender Bellizzi ist klar, dass es dafür keine Mehrheiten geben wird. „Wir können natürlich nicht sagen, dass wir gar nichts mehr wollen, aber in der Innenstadt sind die Grenzen der Entwicklung erreicht“, sagt der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Levenhagen, der für ein „bedingtes Wachstum mit den Menschen“ plädiert, genauso wie der WAB-Fraktionsvorsitzende Hinrich Schmick: „Mit 34  000 Einwohnern sind wir heute schon weiter als wir 2025 sein sollten.“

Für den Bau- und Planungsausschuss heute um 19 Uhr im Peter-Rantzau-Haus hat die WAB einen Antrag vorgelegt, den auch Levenhagen, „nicht uninteressant“ findet. Peter Egan hat sich die Bauprojekte noch einmal genau angesehen und nachgerechnet. Durch Innenverdichtung lassen sich nach seiner Rechnung 881 Wohneinheiten realisieren, nicht nur die vom Rathaus genannten 390. „Das Potenzial ist wesentlich größer, als es die Verwaltung darstellt“, sagt Egan, der auch im Bauausschuss weitere Voranfragen kennt, deren Realisierung er für realistisch hält.

Die Richtung des Antrags ist eindeutig. Ahrensburger Redder, Buchenkamp und Erlenhof – „alle Projekte der vergangenen Jahre lagen am Stadtrand. Das halten wir nicht für den richtigen Weg“, sagt Peter Egan. „Es kann einer Stadt doch gar nichts Besseres passieren, wenn man innerörtliche Brachflächen erschließen kann. Innenverdichtung ist der Königsweg.“

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erstellt am 18.Jul.2017 | 16:49 Uhr

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