Kommission nimmt ihre Arbeit auf

Ursula Enders, Gründerin  von 'Zartbitter' e. V.  Foto: dpa
Ursula Enders, Gründerin von "Zartbitter" e. V. Foto: dpa

Expertengremium ist nächste Woche in Ahrensburg, um mit Kirchenleuten, Missbrauchsopfern und Zeitzeugen zu sprechen

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14. Dezember 2012, 08:14 Uhr

Ahrensburg | Die juristische und kirchenrechtliche Aufarbeitung des Ahrensburger Missbrauchsskandals ist ebenso an ihre Grenzen gestoßen wie die Arbeit der Krisen AG in der Kirchengemeinde. Die Nordkirche hat eine unabhängige Expertenkommission berufen, die den Blick von außen auf die Ereignisse in den 80er Jahren in der Schlossstadt werfen soll.

Der Verein Missbrauch in Ahrensburg hatte so ein unabhängiges Gremium lange gefordert, und auch die Mitglieder der Krisen AG hofften bei der Vorstellung ihrer Zwischenbilanz auf den externen Blick der Experten. Am Dienstag nächster Woche wird die Kommission erstmals in Ahrensburg sein, um mit Betroffenen und der Krisen AG zu sprechen.

Das Gremium ist hochkarätig besetzt. Dipl.-Pädagogin Ursula Enders ist die Gründerin und langjährige Leiterin des Vereins "Zartbitter Köln", eine der ersten Beratungsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs. Die Kölner Rechtsanwältin Petra Ladenburger vertritt seit über 20 Jahren Opfer sexualisierter Gewalt. Dr. Dirk Bange ist Abteilungsleiter in der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, sowie Martina Lörsch, Rechtsanwältin aus Bonn, die auf Opfervertretung spezialisiert ist.

Das Gremium will "das tatsächliche Ausmaß grenzverletzenden Verhaltens und sexuellen Missbrauchs untersuchen und rechtlich bewerten" und alle anhören, die sich zu dem Thema äußern wollen. Ursula Enders hatte eine schonungslose Aufklärungsarbeit angekündigt: "Wir werden nichts herunterfallen lassen, was wir mitbekommen. Wir sind keine Wischi-Waschi-Kommission."

Die Kirchenleitung hat im Vorfeld alle angeschrieben, die bereits im Rahmen der Disziplinarverfahren Angaben gemacht haben, und sie um ihr Einverständnis gebeten, die Aussagen an die Kommission weiter zu leiten.

Petra Ladenburger ruft auch die auf, die sich bisher nicht geäußert haben, sich an die Kommission zu wenden. Per E-Mail ist das vorab unter der Adresse untersuchung@kanzlei-ladenburger möglich. Eine Weiterleitung personenbezogener Informationen an die Kirchenleitung erfolgt nur mit Zustimmung der Betroffenen.

In der Untersuchung geht es nicht nur um die Täterschaft, sondern auch das Verhalten der Funktionsträger und die Strukturen, die Kommunikations- und Verfahrenswege, die daraufhin abgeklopft werden sollen, ob sie geeignet waren, Fehlverhalten zu erkennen. "Was wir über die Strukturen herausfinden, soll helfen, Systeme zu verändern", sagte Petra Ladenburger 2011 in einem Interview über ihre Arbeit in Untersuchungsgremien.

Die Erkenntnisse der Kommission sollen "Grundlage für die Entwicklung von Qualitätsstandards für den Umgang mit sexualisierter Gewalt sein und helfen, Vorschläge für eine Ausgestaltung der Anerkennung und Unterstützungsleistungen sowie der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Gemeinden zu entwickeln", heißt es in der Mitteilung der Nordkirche.

Der Bericht der Kommission soll zum Jahresende 2013 vorliegen. Weil das für die Betroffenen erneut eine lange Zeit des Wartens bedeutet, soll bereits im Frühjahr ein erster Zwischenbericht vorgelegt werden.

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